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Jetzt geht’s um die Weltmeisterschaft: Jörg Linden aus Ayl trainiert mit Koch-Nationalmannschaft für nächsten Wettbewerb

FOTO: Alexander Schumitz (itz), Matthias F. Schmidt ("TV-Upload Schumitz"
Erfurt/Ayl. Die deutsche Nationalmannschaft der Köche hat bei der Kocholympiade in Erfurt jüngst zwei Goldmedaillen gewonnen und den siebten Platz in der Gesamtwertung belegt. Erstmals im Team dabei war Jörg Linden aus Ayl. Er erklärt, warum er mit dem Ergebnis zufrieden ist. Alexander Schumitz

Erfurt/Ayl. Zum Ende der Feriensaison wird es in Lindens Restaurant in Ayl langsam etwas ruhiger. Der Chef Jörg Linden hat wieder Zeit, mit seinen Gästen zu reden.
Das war im Oktober anders. Da hat Linden unter Hochdruck am Herd gearbeitet. Er ist Mitglied der neunköpfigen deutschen Nationalmannschaft der Köche. Sie hat im Oktober eine Woche lang in der thüringischen Landeshauptstadt bei der Olympiade der Köche um den Sieg gekämpft. 30 Nationalteams haben teilgenommen.
Die Teams mussten ein kaltes Büffet auf die Platte zaubern, ein dreigängiges Menü für 110 Gäste servieren und mit Desserts ihren Wettbewerbsbeitrag versüßen. Dabei kommt es darauf an, wie die Gerichte zubereitet und angerichtet werden. Und natürlich - und das ist das Wichtigste - darauf, wie sie schmecken. Die Deutschen haben unter anderem auf Kräutern geräucherten Heilbutt mit Hummermayonnaise, Lammlende, geschmortes Zwerchfell und Erdnuss-Püree serviert.
Mitglied im Team werden diejenigen, die der Manager der Nationalmannschaft als Koch entdeckt. Wichtig ist, dass der Neue mit der Mannschaft harmoniert. Das konnte Linden in der Vergangenheit schon unter Beweis stellen. Mehrfach hat er die National-equipe als Helfer unterstützt, als sie sich in seiner Ayler Restaurantküche auf internationale Wettkämpfe vorbereitet hat. Bei dieser Olympiade war er erstmals Teil des Teams. Das konnte dank seiner kalten und warmen Speisen die Herzen der Juroren in Erfurt für sich gewinnen. In beiden Kategorien gab es mehr als 90 der 100 möglichen Punkte und damit Goldmedaillen. Das Team in der Küche habe perfekt zusammengearbeitet, sagt Linden. Für eine vordere Platzierung in der Gesamtabrechnung hat es am Ende aber nicht gereicht. "Die Entscheidung ist sehr knapp ausgefallen. Die ersten sieben Teams lagen in den drei Kategorien jeweils nur maximal drei Punkte auseinander", analysiert Jörg Linden.
Es gebe keinen Grund, am Ende über den siebten Platz in der Gesamtwertung enttäuscht zu sein. Der Koch aus Ayl verspricht: "In zwei Jahren bei den Weltmeisterschaften in Luxemburg greifen wir wieder an."
Bis dahin könnten mehrere Plätze in der Nationalmannschaft wieder frei werden. Team-Manager Matthias Kleber aus Neuruppin (Brandenburg) wird sich wohl nach der Olympiade aus der Koch-Equipe zurückziehen. Und auch Bäcker René Klinkmüller aus Luckau (Brandenburg) überlegt, aufzuhören.Andere Nationen üben mehr


"Unsere zwei Patissiers waren nach dem Wettbewerb schon enttäuscht", sagt Linden. Obwohl sie in der Vergangenheit - auch international - sehr erfolgreich waren, hätten sie in Erfurt nicht so gepunktet, wie sie es erwartet hatten. In diesem Jahr trifft sich die Mannschaft noch mal zu einer Nachbesprechung, bevor im nächsten Jahr das Training für die Weltmeisterschaft 2018 in Luxemburg startet. Dann heißt es für den Koch aus Ayl wieder, jeden Monat für zwei Tage zum Training nach Berlin zu fahren. Im Vergleich zu anderen Kochnationen sei das laut Linden ein minimaler Aufwand. Linden: "Die schwedische Nationalmannschaft trainiert beispielsweise mehrere Monate ohne Unterbrechung miteinander, um sich auf die internationalen Kochwettbewerbe vorzubereiten." Auch andere Länder würden mit ihrer Mannschaft deutlich professioneller arbeiten. Noch mal Linden: "Auch deshalb bin ich mit dem siebten Platz hochzufrieden. Jeder von uns arbeitet noch in Restaurants oder Konditoreien mit und opfert für Team und Training einen Teil seines Jahresurlaubs." Außer Medaillen gibt es bei den internationalen Wettkämpfen erst mal nichts zu gewinnen. Warum dann der Aufwand? Linden erklärt, ihm mache das Kochen im Nationalteam viel Spaß. Man lerne immer was Neues, und für die eigenen Rezepte gebe es wichtige Impulse.
Wer sich mal von der deutschen Nationalmannschaft der Köche bekochen lassen möchte, hat dazu Ende August die Gelegenheit. Dann präsentiert sich das Team mit seinem Können zum Auftakt des Saarriesling-Sommers.