| 18:07 Uhr

Junger Himmelsstürmer

Letzte Instruktionen vor dem Start von Fluglehrer Werner Müller: Fréderic Burré, gerade mal 14 Jahre alt, darf alleine ein Segelflugzeug fliegen.Foto: Ludwig Hoff
Letzte Instruktionen vor dem Start von Fluglehrer Werner Müller: Fréderic Burré, gerade mal 14 Jahre alt, darf alleine ein Segelflugzeug fliegen.Foto: Ludwig Hoff
KONZ. Mit dem Autofahren muss er noch ein paar Jahre warten, aber ein Segelflugzeug darf er jetzt schon fliegen - ganz allein und ohne Fluglehrer. Dass er das kann, hat Fréderic Burré, gerade mal 14 Jahre alt, mit seinem ersten Alleinflug auf dem Segelfluggelände in Konz-Könen bewiesen. Von unserem Mitarbeiter <br>LUDWIG HOFF

SeinSegelflugzeug beherrscht Fréderic Burré, vor 14 Tagen 14 Jahrealt geworden, schon länger, nur passten Fluglehrer Werner Müllerdie Wetterbedingungen für den ersten Alleinflug bislang nochnicht ganz ins Konzept. Vergangene Woche während dertraditionellen Flugwoche des Aero Clubs Trier und Konz aber kamder ersehnte Tag. Alle äußeren Bedingungen stimmten, vornehmlichWindrichtung und -stärke. Als säße der Fluglehrer im Cockpit

"Du machst am besten alles so, als wenn ich hinter dir sitzen würde", gab Werner Müller seinem jungen Schützling als Tipp mit auf den Weg. Und als ob der Fluglehrer dabei gewesen wäre, legte Fréderic Burré drei Top-Flüge (und Landungen) hin. "Es war einfach ein tolles Gefühl, so ganz allein in 350 Meter Höhe durch die Luft zu schweben", beschreibt der jüngste Konzer Alleinflieger seine Eindrücke: "Die Ruder gingen so leicht, ganz anders, als wenn ein Fluglehrer dabei ist", zehrt Fréderic Burré noch Tage danach von seinem schönsten fliegerischen Erlebnis.

Luftamt gibt Okay

Eine behördliche Sondergenehmigung, bereits mit 13 Jahren die Ausbildung beginnen zu dürfen, ermöglichte dem jungen Mann mit deutscher und luxemburgischer Staatsangehörigkeit, ganz alleine ein Segelflugzeug zu steuern. Üblicherweise fängt die Segelflugausbildung erst mit 14 Jahren an.

Das Luftamt auf dem Flughafen Frankfurt-Hahn hatte schließlich sein Okay zu der Maßnahme gegeben. Einzige Auflage: Auch wenn der Flugschüler die Materie schon früher beherrsche, dürfe der erste Alleinflug frühestens mit 14 Jahren erfolgen. "Bei uns ist dies bislang die absolute Ausnahme", erklärt Karl Henning, "über die tolle Leistung von unserem Jungfuchs haben sich alle sehr gefreut". Seine Alleinflug-Leistung steigerte Fréderic sogar noch, als er einen Tag nach dem ersten Alleinflug bereits einen Flug von zweieinhalb Stunden hinlegte, der ihn aufgrund guter Aufwinde in eine Flughöhe von 2000 Meter brachte. "So einen langen Flug hatte ich mit Fluglehrer nie", sagt der 14-Jährige.

Ob Jung oder Alt - den alten Brauch der Segelflieger musste auch Burré über sich ergehen lassen. Nach den drei geglückten Flügen wurde sein Hintern "geflatscht". Jedes Mitglied durfte dem frisch gebackenen Segelflugpiloten mit der flachen Hand eins auf den Hintern geben. Eine deftige Angelegenheit: Fréderic habe nach dieser Zeremonie lieber gestanden als gesessen, erzählt der stellvertretende Vorsitzende.

Den offiziellen, amtlichen Pilotenschein gibt es erst mit 18. Bis dahin geht die Segelflugausbildung weiter. Für die künftigen Flüge von Burré bedeutet dies, dass er unter Aufsicht eines Fluglehrers (am Boden) jederzeit ein Segelflugzeug steuern darf.

Berufswunsch: Etwas mit "Fliegerei"

Bei so viel Begeisterung stellt sich automatisch die Frage, wie es denn später mit der Fliegerei weiter gehen soll. Luftwaffe oder Luxair? Der Jung-Segelflieger will sich jetzt noch nicht festlegen. Nur soviel: "Etwas mit Fliegerei möchte ich später schon machen."

Über eine weitere Leistung freuen sich die Konz-Könener Segelflieger: Christoph Henning (15) durfte als Alleinflieger erstmals eine Ka-8, ein einsitziges Segelflugzeug, steuern.

Neben der Flugausbildung bietet der Aero Club auch Schnupperflüge zum näheren Kennenlernen an. Infos auf dem Segelfluggelände, am besten am Wochenende oder feiertags unter Telefon 06501/17735 oder im Internet unter www.segelflug.de/vereine/trier/.