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Keine Tempo-30-Zonen in Wincheringen

Wincheringen. Der Ortsgemeinderat lehnt den Antrag einer Bürgerin, den Verkehr im Ort an vier Stellen zu bremsen, aus formalen Gründen ab. Jürgen Boie

Wincheringen Der Ortsgemeinderat Wincheringen beschäftigte sich auf Antrag einer Bürgerin mit der Einrichtung von Tempo-30-Zonen im Ort. Das Ergebnis fiel für die Antragstellerin enttäuschend aus: Aus formalen Gründen kommt die Einrichtung von Tempo-30-Zonen nicht infrage.
An vier Stellen in Wincheringen sollten auf Antrag von Valérie Frénoy der Autoverkehr ausgebremst und Tempo-30-Zonen eingerichtet werden. Reiterstraße, Helfanter Straße, Am Markt und Luxemburger Allee heißen nach Einschätzung der Bürgerin die Brennpunkte, an denen nicht nur zu schnell gefahren wird, sondern die auch für Kinder als schwächste Teilnehmer im Straßenverkehr besonders gefährlich sind.
Dass Valérie Frénoy mit ihrem Anliegen keine Einzelkämpferin ist, wurde allein schon durch den großen Publikumsandrang in der Ortsgemeinderatssitzung deutlich. Beispielsweise unterstützt auch Karl Donker, Vorsitzender der Initiative für Heimat und Kultur Wincheringen, die Bemühungen um die Reduzierung der Geschwindigkeit für Autos im Ortsverkehr. Der Ansatz der Initiative: Tempo 30 im ganzen Dorf überall da, wo Bebauung ist.
Der Ortsgemeinderat erteilte Valérie Frénoy als Antragstellerin das Recht, ihr Anliegen persönlich vor den Ratsmitgliedern vorzutragen. Sie verwies darauf, dass bundesweite Regelungen in der Straßenverkehrsordnung die Einrichtung von Geschwindigkeitsbegrenzungen vor Schulen und Kindergärten vereinfacht hätten und schlug vor, diesen Weg auch in Wincheringen einzuschlagen.
Ortsbürgermeister Elmar Schömann hatte Frénoys Anträge vom Ordnungsamt, Fachbereich Verkehr, prüfen lassen. Dabei stellte sich heraus, dass keine der genannten Straßen für die Einrichtung einer Tempo-30-Zone infrage kommt. Hauptproblem sei, dass überörtlich bedeutende Straßen grundsätzlich von der Einrichtung einer Tempo-30-Zone ausgeschlossen sind. "Zu einer Tempo-30-Zone gehört auch zwingend die Rechts-vor-links-Vorfahrtsregelung'", erläuterte auch der Saarburger Verbandsgemeindebürgermeister Jürgen Dixius. Eine solche Vorfahrtsregelung widerspräche dem Bemühen, Durchgangsverkehr zügig aus den Wohngebieten abfließen zu lassen.
Grundsätzlich wurde es dann noch mal, als aus dem Rat und seitens von Valérie Frénoys auf die Situation in der Helfanter Straße vor der Schule hingewiesen wurde. Die provisorisch angebrachte Straßenverengung und Fahrbahnverschwenkung würde eher dafür sorgen, dass sich Autofahrer auf die ungewöhnliche Verkehrsführung konzentrieren und dabei die Beobachtung des Umfeldes vernachlässigen würden.
Aus dem Rat wurde entgegnet, dass viele Eltern seit der Einrichtung der Schikanen vor dem Schulparkplatz auf die Schulstraße und die Waldstraße ausweichen würden, wenn sie ihre Kinder zur Schule bringen oder abholen. "Gerade die, die eine Verkehrsberuhigung fordern, verhalten sich dann selbst ganz anders", lautete der Vorwurf.
Letztlich lehnte der Ortsgemeinderat die Einrichtung von Tempo-30-Zonen ab, ohne zu versäumen, darauf hinzuweisen, dass eine partielle Geschwindigkeitsbegrenzung auch auf Hauptstraßen möglich sei - nur eben nicht als generelle Tempo-30-Zone.
Valérie Frénoy verließ zusammen mit den anderen Besuchern frustriert die Sitzung. Der Ortsbürgermeister teilte mit, dass die Bahnhofstraße nach monatelanger Sperrung am Donnerstagnachmittag wieder eröffnet worden sei.