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Kletterer erobern den Ferl-Fels

An diesem Felsen, dem „Ferl“, dürfen die Sportler künftig klettern. Foto: Harald Lehnertz
An diesem Felsen, dem „Ferl“, dürfen die Sportler künftig klettern. Foto: Harald Lehnertz
Nach dem zunächst verhängten Kletterverbot an der Felsenwand in Kastel hat sich die Ortsgemeinde jetzt auf einen Kompromiss eingelassen: Ausschließlich in der Felsregion "Ferl", unterhalb des Wohngebietes, darf geklettert werden. Ein entsprechender Vertrag werde in den kommenden Tagen zwischen der Ortsgemeinde und der "Interessengemeinschaft Klettern Saar-Hunsrück" unterzeichnet. Von unserer Redakteurin Susanne Rendenbach Von Susanne Rendenbach

Kastel-Staadt. Was zunächst für Verärgerung auf beiden Seiten und Enttäuschung vor allem auf einer Seite gesorgt hatte, endet nun in einem akzeptablen Kompromiss. Ortsbürgermeister Harald Lehnertz und seine Ratskollegen haben sich darauf verständigt, dass die Felsformation "Ferl" für die Sportler der "IG Klettern Saar-Hunsrück" zum Klettern freigegeben wird.

Ein Vertrag, in dem festgelegt ist, wo, wann und unter welchen Bedingungen - vor allem hinsichtlich der Haftungsfrage im Falle eines Unfalles - die Männer und Frauen ihrem Hobby nachgehen dürfen, ist nach Auskunft Lehnertz' vorbereitet. "Ich werde mich in dieser oder der kommenden Woche mit dem Vorsitzenden Marc Küchenberg kurzschließen, damit wir den Vertrag unterschreiben", erläutert er.

Im Anschluss daran dürften die Mitglieder der Interessengemeinschaft, die aus dem Raum Saarburg, aber auch aus Trier und Umgebung stammen, den Fels besteigen.

Drei Mal sei dieser Vertrag, der mit dem Forst, der Verbandsgemeinde-Verwaltung, und vor allem mit der Gemeinde-Kommunal-Versicherung abgestimmt worden sei, überarbeitet worden.

Knifflig sei die Haftungsfrage gewesen. Weil die nicht geklärt war, der Jagdpächter sich beschwert hatte, dass die Sportler das Wild vertrieben hätten, der Bereich zum Naturschutzgebiet Saar-Hunsrück gehört und die Kletterer ohne Absprache den Felsen mit Haken und Seilen bearbeitet hatten, hatte die Gemeinde Anfang 2008 ein Kletterverbot für den Buntsandstein-Felsen verhängt (der TV berichtete).

Beim vom TV initiierten Stammtisch zu diesem Thema am 4. März schlugen die Wogen hoch, nachdem die Sportler auf ihr vermeintliches "Kletter-Recht" pochten, Ortsbürgermeister Lehnertz bei einem strikten "Nein" blieb. "Erst als sich Elisabeth Harig von der IG bei mir meldete und wir in vernünftigem Ton in kleiner Runde nochmal nach einer Lösung gesucht haben, sind wir zu diesem Kompromiss gekommen", sagt Lehnertz.

Der "Ferl"-Fels sei unbedenklich, weil es wegen des angrenzenden Wohngebietes kein großes Wildaufkommen gebe und so auch keinen Konflikt mit dem Jagdpächter, der der Gemeinde unverzichtbare Einnahmen beschere.

Lehnertz: "Außerdem gibt es dort gut befahrbare Wege - für den Fall eines Unfalls."

Hinsichtlich der Haftung nehme man die Interessengemeinschaft in die Pflicht, für alle Mitglieder eine Versicherung abzuschließen. "Damit sind wir als Ortsgemeinde beziehungsweise bin ich als Ortsbürgermeister raus." Darüber hinaus hätten die Kletterer zugesagt, die in die Buntsteinfelsen eingeschlagenen Nägel und Haken zu entfernen, und sie haben eine Patenschaft für den Felsenweg übernommen - das heißt, sie werden dort künftig den Müll einsammeln. "So wie die Gespräche zuletzt abgelaufen sind, war das sehr kooperativ", lobt Lehnertz - die Kletterer seien von der Lösung begeistert. Von der IG konnte der TV niemanden für eine Stellungnahme erreichen.

Meinung

Das Vertrauen nicht verspielen

Die Hartnäckigkeit der Sportler hat sich ausgezahlt. Dabei verdanken sie den ausgehandelten Kompromiss dem Verhandlungsgeschick ihrer Kletterfreundin und der wohlwollenden Haltung des Ortsbürgermeisters, der sich entgegen der ursprünglichen Abstimmung im Rat und der Stimmungslage im Ort auf eine Kompromiss-Suche eingelassen hat. Das damit verbundene Vertrauen sollten sie nicht verspielen. s.rendenbach@volksfreund.de