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Lokalpolitiker geben Kirchenrat in Fisch Amtshilfe

 Um die 800 Jahre alt: die Pfarrkirche St. Jakobus bei Fisch. TV-Foto: Archiv/Hermann Pütz
Um die 800 Jahre alt: die Pfarrkirche St. Jakobus bei Fisch. TV-Foto: Archiv/Hermann Pütz FOTO: Hermann Puetz (hpue) ("TV-Upload Puetz"
Fisch. Die Fischer gehen ungewöhnliche Wege. Der Ortsgemeinderat kommt der Pfarrgemeinde zu Hilfe, denn dort haben sich nicht genügend Kandidaten für einen Kirchengemeinderat gefunden. Vier Kommunalpolitiker, darunter Ortschef Otmar Wacht, übernehmen deshalb ein Amt in diesem Gremium. Marion Maier

Fisch. Im November 2015 sah es in der Pfarrei Litdorf-Rehlingen - zu ihr gehören die Filialen Fisch, Rehlingerhof und Kahren - nach Krise aus. Wie überall im Bistum Trier wurden die Kirchenräte gewählt. Von den bis dahin amtierenden Ratsmitgliedern wollte jedoch niemand mehr antreten und nur zwei der per Persönlichkeitswahl Gewählten erklärten sich bereit, ein Amt zu übernehmen. Das reichte nicht aus.Pastor froh über Lösung


Und das, obwohl für Litdorf-Rehlingen mit seinen rund 500 Gläubigen bereits geplant war, den Pfarrgemeinderat und den Verwaltungsrat (siehe Extra) im sogenannten Kirchengemeinderat zusammenzufassen. Eine Pfarrgemeinde ohne Rat? Das kann nicht funktionieren. Die Suche nach Lösungen begann - und war schließlich erfolgreich. Bei einer Pfarrversammlung am vergangenen Sonntag wurde sie festgezurrt. So sieht sie aus: Die gewählten Mitglieder des Kirchenrats, Mathilde Denis und Anja Hein, werden von vier Mitgliedern des weltlichen Rats - darunter Ortschef Otmar Wacht - ungestützt.
Auch Johann Hirt aus Kahren, ehemaliges Mitglied des Verwaltungsrats, hat sich nach eigener Aussage bereiterklärt, das neue Gremium zu unterstützen, nachdem einige Fischer auf ihn zugekommen waren. Kita-Leiterin Nicole Schenke soll laut Pastor Georg Goeres ebenfalls mit von der Partie sein. Der Pastor sagt: "Ich bin froh über diese Lösung." Besonders lobt er die Rolle des Ortsbürgermeisters, der maßgeblich daran beteiligt gewesen sei, sie zu finden. Zu den Ursachen der Personalmisere meint Goeres, die Menschen hätten viele Gründe genannt, insbesondere Zeitmangel. An Unzufriedenheit habe es nicht gelegen.
Das sieht Otmar Wacht ähnlich. Viele hätten aus Altersgründen aufgehört, viele seien schon recht lange dabei gewesen. Er räumt ein, dass ältere Mitglieder mit der seit 2011 bestehenden Pfarreiengemeinschaft Probleme hätten, weil der Pastor nicht mehr so präsent sei. Doch das liege nicht an dem Gottesmann. Wacht: "Goeres engagiert sich sehr und hat auch jetzt viele Gespräche geführt."
Fisch liegt trotz munterer Vereinsszene in puncto Kirche im Trend. Christine Wendel von der Bischöflichen Pressestelle in Trier sagt: "Die Kandidatensuche für die Gremien ist in den vergangenen Jahren schwieriger geworden. Bislang war es aber immer möglich, dass die Gremien zustande kamen."
Die Fischer sind die Sache kreativ angegangen. Wacht sagt: "Wir sind hier dafür bekannt, dass wir andere Wege gehen." Es könne nicht sein, dass die älteste Pfarrgemeinde in der Gemeinschaft keinen Rat zusammenbekomme. Deshalb habe sich der Gemeinderat gesagt: Wir nehmen das in die Hand. Mindestens zwei Kommunalpolitiker sollen künftig an den Sitzungen des Kirchenrats teilnehmen und dann die anderen informieren. Wacht: "Wir sind im Gemeinderat neun Mitglieder, kennen uns mit Ratsarbeit aus und können ganz anders reagieren als ein kleiner Pfarrgemeinderat." Ansonsten müsse man schauen, wie man engagierte Bürger mehr in kirchlichen Dingen motivieren könne.
Johann Hirt aus Kahren ist da skeptisch. Er sagt: "Die Freizeit scheint den Leuten wichtiger zu sein als die Religion. Das ist schon traurig." Jeder habe andere Gründe genannt, warum er sich nicht engagieren wolle, meist sei es die mangelnde Zeit gewesen. Einen Punkt hat der Landwirt, der sich bereits mehr als 15 Jahre im Verwaltungsrat engagiert hat, aber doch zu kritisieren: "Die Arbeit wurde immer mehr. Früher haben wir uns alle zwei Jahre getroffen, zum Schluss alle zwei Monate. Schon im alten Verwaltungsrat haben wir deshalb gesagt: Das kann so nicht weitergehen."
Hirt findet es "toll, dass der Fischer Gemeinderat so einspringt". Das könnte Modellcharakter haben, sagt er. Im Kahrener Ortsbeirat hat er eine ähnliche Vorgehensweise angeregt.Extra

Die Kirche St. Jakobus in Fisch ist ein besonderes Gotteshaus: Zum einen liegt sie am Jakobsweg, zum andern ist sie sehr alt. Wie alt genau, ist unklar. Es wird geschätzt, dass sie im Hochmittelalter (1050 bis 1250) erbaut wurde. Sie wird auch Litdorfer Kirche genannt, die Pfarrei heißt Litdorf-Rehlingen. Der Name rührt von den beiden Orten Litdorf und Rehlingen her, die sich vermutlich 1555 oder 1588 im Zuge der Pestepidemie aufgelöst haben. Der Pfarrgemeinderat kümmert sich um die pastoralen Angelegenheiten, wie die Gestaltung der Gottesdienste, karitative Aufgaben und die Organisation von Festen. Der Verwaltungsrat verwaltet das Vermögen, in diesem Fall insbesondere die Gebäude. mai