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Integration
Mit Fußball zur gelungenen Integration

Für alle offen: Das Flüchtlingsteam der Kulturgießerei beim Training.
Für alle offen: Das Flüchtlingsteam der Kulturgießerei beim Training. FOTO: Herbert Thormeyer
Saarburg. Das Lokale Bündnis für Familie und die Kulturgießerei Saarburg feiern mit einer Flüchtlingsmannschaft Erfolge.

Dribbeln, kicken, Tore schießen. Hört sich an wie ganz normaler Fußball – ist es aber nicht. Das Team der Kulturgießerei Saarburg besteht aus Flüchtlingen, anerkannte und solche, die noch warten müssen. Trikots mit der Aufschrift „Kulturgießerei- Soziokulturelles Zentrum Saarburg“ tragen sie mit Stolz. Trainiert werden die 16- bis 38-Jährigen seit drei Monaten von Dzerat Nedziporski. Der 40-jährige gebürtige Mazedonier lebt in Trier und hat selbst schon in Oberliga-Mannschaften gespielt. Sein ganzer Stolz: „In acht Testspielen haben wir nur zweimal verloren und einmal unentschieden gespielt.“ „Das ist hier viel mehr als Fußballspielen“, betont die Geschäftsführerin des Lokalen Zentrums für Familie und der Kulturgießerei, Anette Barth.

Das Projekt heiße nicht umsonst „Entry Point“, weil über den Fußball ein Einstiegspunkt für junge Flüchtlinge in die Integration geschaffen werden soll. Es sind auch bereits andere Workshops wie die Gestaltung einer Wand mit Mosaik oder gemeinsames Musizieren durchgeführt worden, um die Kreativität zu fördern. Doch Fußball hat eine besondere Qualität. Das beginnt schon damit, dass Trainer Nedziporski mit seinen Schützlingen beim Training ausschließlich Deutsch spricht. „So lernen sie die Sprache ganz nebenbei“, findet er.

Fithawi Afewerki aus Eritrea ist mit 32 Jahren einer der ältesten in der Fußball-Truppe. Er hat auch in seiner Heimat, die er vor zehn Monaten verlassen musste, Fußball gespielt. Sein Lob: „Hier habe ich einen guten Trainer. Ich habe so viel dazugelernt.“ Fithawi freut sich, so viele Nationen kennenzulernen und im Integrationskurs als anerkannter Flüchtling jeden Tag „deutscher“ zu werden. Er hofft auf einen Arbeitsplatz, den Basil Alshawali als Kellner schon bekommen hat. Der 21-jährige Syrer ist seit 2016 in Deutschland. Sein großer Vorteil: „Ich habe meine Zeugnisse von den Schulabschlüssen mitbringen können. Ich will jetzt BWL studieren.“ Fußballerfahrung bringt er auch als Spieler der 3. Liga in Syrien mit. „Hier auf dem Platz dabei zu sein, das sind glückliche Stunden für mich“, freut er sich.

Mit seinen Eltern ist der heute 16-jährige Afghane Iman Tajik vor drei Jahren eingereist. Er hat die Realschule besucht und freut sich über einen Ausbildungsplatz als Metallbauer. „Erst in Saarburg habe ich diese Sportart kennengelernt“, gesteht er. „Dafür spielt er aber sehr gut“, lobt der Trainer. Fußball in der Halle hat der gebürtige Iraner Yahyah Naissi gespielt. „Ich habe hier immer viel Spaß“, freut sich der 25-Jährige über seine Mitgliedschaft im Team. Bislang gab es für ihn nur Minijobs. Er musste ohne Papiere erst den Hauptschulabschluss schaffen. Jetzt hofft er auf einen Ausbildungsplatz als Altenpfleger.

Wie kann Fußball dabei helfen? „Zunächst geht es einmal um die Teilhabe am ganz normalen Leben. Da hilft Sport, egal ob anerkannt oder nicht“, stellt Anette Barth fest. Mitspieler seien jederzeit willkommen, vor allem Deutsche. Man arbeite eng mit Vereinen zusammen, vor allem mit dem TuS Fortuna, der schon mal ein Auge auf junge Talente wirft. „Wenn Anerkennungsverfahren manchmal vier Jahre laufen, können die Leute doch nicht einfach nur rumsitzen“, findet Barth. Keiner von denen sei faul. Alle wollen arbeiten. Das Lokale Bündnis für Familie und die Kulturgießerei verstehen sich als Lotse, auch für potenzielle Arbeitgeber. „Wir können helfen und vermitteln“, betont die Geschäftsführerin. Im Sport sind die Jungs schon mal spitze, denn beim Stadtlauf belegten Mitglieder dieser Mannschaft vorderste Plätze. Die Fußballer der Kulturgießerei trainieren auf dem Platz des Berufsbildungszentrums in Beurig jeden Montag ab 19.30 Uhr und donnerstags ab 19 Uhr.