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Polizei will mehr kontrollieren
Nach Schulbusfahrt durch betrunkenen Fahrer - Busfirma verspricht Verbesserungen

Kinder gehen auf diesem Symbolbild in Stuttgart (Baden-Württemberg) auf einen Schulbus zu. In Taben-Rodt hat das Unternehmen Saargau on Tour mit Eltern über Verbesserungen im Schulbusverkehr gesprochen.
Kinder gehen auf diesem Symbolbild in Stuttgart (Baden-Württemberg) auf einen Schulbus zu. In Taben-Rodt hat das Unternehmen Saargau on Tour mit Eltern über Verbesserungen im Schulbusverkehr gesprochen. FOTO: picture alliance / dpa / Franziska Kraufmann
Taben-Rodt/Freudenburg. Der Busfahrer, der unter Alkoholeinfluss Schulkinder nach Freudenburg fuhr, hatte 2,49 Promille im Blut. Das Unternehmen hat ein Infotreffen mit den Eltern organisiert. Die Polizei setzt vermehrt auf Kontrollen. Von Marlene Bucher

Das Gasthaus Rodter Eck in Taben-Rodt füllt sich mit Menschen. Es sind die rund 20 Eltern der Kinder, die am Morgen des 12. November von einem alkoholisierten Busfahrer zur Grundschule in Freudenburg befördert wurden (der TV berichtete). Die Leitung der Elternversammlung mit dem Unternehmen Saargau on Tour übernimmt dessen Pressesprecher Patrick von Krienke. Er ist spezialisiert auf Fälle wie diesen, seine Kunden sind Unternehmen in kritischen oder schwierigen Situationen. Von Krienke unterstützt sie in deren Krisenmanagement.

Ein kurzer Rückblick: Der Busfahrer, der sich Anfang des Monats betrunken ans Steuer setzte, beförderte Schüler, unter anderem aus Taben-Rodt, zur Freudenburger Grundschule. Eltern bemerkten das auffällige Verhalten des Fahrers und riefen die Polizei. Der Atemalkoholtest ergab 3,4 Promille.

Oberstaatsanwalt Peter Fritzen teilt auf TV-Anfrage dazu mit: „Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. Die Blutalkoholkonzentration des Beschuldigten betrug 2,49 Promille.“ Damit lag der strafrechtlich relevante Alkoholwert im Blut deutlich niedriger als der Atemalkohol-Soforttest. Zum Vergleich: Die Rechtsprechung geht bereits ab einem Blutalkoholwert von 1,1 Promille von absoluter Fahruntüchtigkeit aus.

Die Polizei hat in den vergangenen Tagen auffällig viele Busfahrer und deren Fahrzeuge überprüft, darunter auch Fahrer der Firma Saargau on Tour (siehe Info).

Die Eltern der Kinder, die in dem Bus des alkoholisierten Busfahrers saßen, sind gespannt auf Antworten von den Verantwortlichen des Busunternehmens.
Die Eltern der Kinder, die in dem Bus des alkoholisierten Busfahrers saßen, sind gespannt auf Antworten von den Verantwortlichen des Busunternehmens. FOTO: Marlene Bucher

Bei der Infoversammlung der Firma merkt eine Mutter an: „Mit so einem hohen Promillewert können viele ja nicht mal mehr laufen und vor allem nicht fahren. Ist das denn nicht vorher schon einmal oder an dem besagten Morgen aufgefallen?“ Von Krienke erklärt: „Der Busfahrer war seit August bei uns angestellt. In dieser Zeit haben wir nichts bemerkt, auch nicht an dem Morgen. Eine Alkoholkontrolle während seiner Anstellungszeit ergab außerdem einen Wert von 0,0.“

(Von links) Claudia Schulligen-Maslo, Geschäftsführung der Linie Saargau on Tour, Pressesprecher Patrick von Krienke und Andreas Bormann, Betriebsleiter, stellen sich den Fragen der Eltern, deren Kinder bei dem Vorfall betroffen waren.
(Von links) Claudia Schulligen-Maslo, Geschäftsführung der Linie Saargau on Tour, Pressesprecher Patrick von Krienke und Andreas Bormann, Betriebsleiter, stellen sich den Fragen der Eltern, deren Kinder bei dem Vorfall betroffen waren. FOTO: Marlene Bucher

Man erwäge in der Firma eine Art kurzes Melden vor Antritt der Fahrt einzuführen, um ähnliche Fälle zu vermeiden, sagt von Krienke. „So etwas wie morgendliche Alkoholkontrollen können und dürfen wir nicht einführen.“

Der Pressesprecher ergänzt, dass der Busfahrer wohl mit einem schweren Schicksalsschlag zu kämpfen habe, der möglicherweise zu dem Alkoholkonsum führte. „Er wurde nach dem Vorfall zwischenzeitlich auch vermisst und wieder aufgefunden. Wir haben uns unter anderem darum gekümmert, dass er entsprechende Hilfe erhält. Das rechtfertigt und entschuldigt aber natürlich in keiner Weise den Vorfall.“

Das Thema Alkoholfahrt ist jedoch nicht das einzige Thema des Treffens. Stefan Stifano Esposito, Vater von zwei Kindern, sagt während der Diskussionsrunde: „Der Vorfall ist bedauerlich, klar, das wissen wir alle. Allerdings sind davor auch schon Dinge passiert, und da gab es häufig einfach keine Verbesserung, nachdem wir sie angesprochen haben. Wir haben da auf Granit gebissen.“

Stephan Schmitz-Wenzel von der Kreisverwaltung Trier-Saarburg erklärt das bisherige System des Beschwerdemanagements auf der Website des Verkehrsverbundes Region Trier (VRT): „Auf der Website kann man ein Beschwerdeformular ausfüllen. Wir von der Kreisverwaltung kontrollieren dann, ob es von dem Busunternehmen eine Rück­meldung an den Absender gegeben hat und erinnern gegebenenfalls auch daran.“

Daniela Bernardy, eine Mutter, sagt: „Es gab Dinge, die einfach nicht in Ordnung waren. Wir haben uns vorhin mal spontan eine Liste mit diesen Dingen gemacht, da kam schon einiges zusammen.“ Eine zufriedenstellende Verbesserung habe es bei diesen Fällen nicht gegeben.

Beispielsweise sei ein Bus auf dem Weg zur Schule liegengeblieben – dadurch seien die Kinder erst nach 10 Uhr in der Schule angekommen. Erst kurz danach habe man die Eltern davon in Kenntnis gesetzt. Eine andere Mutter berichtet von fehlenden oder nicht aktuellen Fahrplänen oder von Fahrern, die die Kinder anschreien oder aufgrund ihrer Sprachkenntnisse nicht verstehen. Von ­Krienke antwortet: „Wir haben bei uns eine Sprachlehrerin, die samstags Kurse mit den entsprechenden Fahrern durchführt.“ Einige Eltern schlagen für Notfälle eine Telefonkette oder Chatgruppe vor, die auch für die Busfahrer verfügbar sein soll – schnell finden sich dafür freiwillige Ansprechpartner. Auch die Freudenburger Grundschulleiterin Rita Folz bietet ihre Hilfe an: „An einer Chatgruppe, in der Nachrichten einfach auch schneller gelesen werden als bei Rundmails, können wir gerne zusammen mit den Eltern arbeiten. Natürlich im Rahmen der neuen Datenschutzgrundverordnung.“

Die Eltern wünschen sich künftig vor allem eine bessere Kommunikation mit dem Busunternehmen. „Können wir denn jetzt überhaupt noch bei Ihnen anrufen, wenn es ein Problem gibt? Oder läuft jetzt alles nur noch über das unpersönliche Formular?“, fragt Mutter Anna Stifano Esposito.

Claudia Schulligen-Maslo, Geschäftsführerin des Busunternehmens „Im laufenden Betrieb ist es einfach schwer, telefonisch eine Beschwerde schriftlich festzuhalten, sodass sie dann auch umgesetzt werden kann. Über das Formular haben wir eine schriftliche Basis und können uns daran orientieren. Und für Sie hat das den Vorteil, dass das Ganze von der Kreisverwaltung kontrolliert wird.“

Die Eltern sind sich einig: Wenn das denn auch in Zukunft zuverlässig funktioniere, wäre das zumindest ein Anfang. „Jetzt haben wir viel Arbeit vor uns“, sagt von Krienke und zeigt auf seine Mitschriften. „Wir haben Fehler gemacht. Unser Ziel ist es jetzt, einen Fünf-Punkte-Plan zu entwickeln und dafür zu sorgen, dass solche Dinge nicht wieder vorkommen.“