| 18:14 Uhr

Dorfentwicklung
Erste Vorschläge zum Schutz vor Starkregen

Die Zuschauer bei der Ratssitzung in Trassem, bei der es um die Probleme mit Schlamm nach Starkregen geht, hören zunächst interessiert zu, geben dann aber auch kritische Anmerkungen.
Die Zuschauer bei der Ratssitzung in Trassem, bei der es um die Probleme mit Schlamm nach Starkregen geht, hören zunächst interessiert zu, geben dann aber auch kritische Anmerkungen. FOTO: Friedhelm Knopp
Trassem. Nach vier braunen Fluten hat Trassem Angst vor dem nächsten Starkregen. Der Gemeinderat hörte dazu einen Experten. Von Friedhelm Knopp

Gewitter mit Starkregen, dann braune Fluten, die sich vom Halstenberg hinunter in den Ort wälzen und dort für Schäden und Chaos sorgen: Nachdem die Naturgewalten im April und Mai mehrfach getobt hatten, sind die Trassemer und ihr Gemeinderat alarmiert. Und da das Wasser und der mitgerissene Schlamm vom Halstenberg oberhalb der Ortslage kamen, führten die Ereignisse auch zu einer politischen Diskussion.

Die Frage ist, ob der Halstenberg für ein Neubaugebiet geeignet ist. „Noch mehr Versiegelung auf der Höhe bringt im Ernstfall noch mehr Wasser in die alte Ortslage“, sagen die einen, unterstützt von Ortsbürgermeister Roland Konter und der CDU-Ratsfraktion. Die plädiert für die Alternative, das Areal Perdenbacher Gewann II. Bauingenieur Bernd Koewenig von der Fraktionsgemeinschaft SPD/WG Boqoui sagt hingegen: „Ein entsprechend angelegtes Neubaugebiet auf der Höhe wäre die beste Maßnahme, um das Wasser bei Starkregen auf der Höhe zurückzuhalten.“

Das sagt der Bürgermeister In der eigens angesetzten Info-Ratssitzung weist Bürgermeister Jürgen Dixius von der Verbandsgemeinde (VG) Saarburg auf den Klimawandel und steigende Unwetterhäufigkeit hin. Das sei nicht mehr wegzudiskutieren. Dem trage die VG mit einem Hochwasserschutzkonzept Rechnung, auch die Feuerwehren würden entsprechend ausgerüstet und vorbereitet. Der in Trassem problematische Zinnbach falle in die Zuständigkeit der VG. Dixius: „Der öffentliche Bach läuft aber durch Privatgrundstücke. Wenn wir dort Böschungssicherungen und Renaturierungen planen, sind wir immer auf die Zustimmung der Anlieger angewiesen.“

Das sagt das Planungsbüro Das von der VG mit einem Hochwasserschutzkonzept beauftragte Büro Hömme aus Pölich spricht sich wegen des Starkregenrisikos klar gegen ein Neubaugebiet Halstenberg aus. Auf Einladung des Gemeinderats referiert Ingenieur Frank Hömme über die Ergebnisse, die eine Analyse der Trassemer Topografie ergeben hat. Hömmes Fazit: „Bei Neubaugebieten muss man heute drauf achten, dass das dort anfallende Oberflächenwasser gefahrlos für die alte Bebauung unterhalb abgeleitet werden kann.“ Ein Neubaugebiet auf dem Halstenberg, sagt Hömme, sei eine politische Entscheidung, er rate jedenfalls davon ab.

Hömme stützt diese Aussage auf die Ergebnisse einer Geländeuntersuchung nach den Starkregenereignissen. Danach war das Wasser bei den heftigen Niederschlägen aus dem Wald auf die mit Mais bewirtschafteten Plateauflächen gelaufen und hatte sich von dort zwei Abflusswege in Richtung Ortslage gesucht. Ein Abflussarm nutzt den Anfahrtsweg hinauf zum Parkplatz auf dem Halstenberg. Kurzfristig schlägt der Planer Maßnahmen zur Wasserverteilung im Wald (Abschläge genannte Furchen) und die Anlage von Rückhalteflächen auf der Höhe vor, wobei auch der Parkplatz mitgenutzt werden kann. Dazu eine Sicherung des Straßendamms durch eine Böschung mit L-Steinen. In Einzelberatungen sollten und wurden die Bewohner im gefährdeten Bereich unterhalb über persönliche Schutzmaßnahmen informiert und beraten werden. Langfristig empfiehlt Hömme zur Verhinderung eines Staueffekts die Renaturierung und Offenlegung des verrohrten Zinnbachs in der Ortslage (wird zu 90 Prozent vom Land gefördert). Hömme: „Dabei bewegen wir uns ausschließlich auf Privatgrundstücken, so dass mit den Eigentümern Einvernehmen hergestellt werden muss.“ Zusätzlich sollten in der Ortslage Notabflusswege angelegt werden, um das Wasser an Grundstücken vorbeizuleiten. Langfristig sei auch die Mais-Bewirtschaftung des Plateaus zu prüfen. Neues zu diesem Thema kann Ortsbürgermeister Roland Konter berichten: „Ich habe mit dem Landwirt gesprochen – er ist bereit, die Fläche wieder als Wiese anzulegen.“ Und in Richtung Publikum: „Bitte schlagen sie den Mann nicht ans Kreuz, der ist sich des Problems absolut bewusst.“

Das sagen Anwohner Dann erteilt Konter den Anwohnern das Wort. Rund 40 Besucher sind zur Sitzung gekommen. In dieser Aussprache fließen persönliche Unwettererfahrungen, sinnvolle Detailvorschläge zur Sicherung gefährlicher Bereiche, aber auch Polemik zusammen. Beispiel: „Was von dem Landwirt oben runterkam war nicht mal Gülle, sondern Klärschlamm“. Der Maisanbau steht im Zentrum der Kritik, aber auch Thesen von Planer Hömme werden bezweifelt: „Das Wasser kommt nicht aus dem Wald, sondern von diesem Plateau. Ist der Maisanbau dort zulässig?“ Dazu Dixius: „Maisanbau ist rechtlich zulässig – es handelt sich um ordnungsgemäße Landwirtschaft, gegen die es unsererseits keine gesetzlichen Möglichkeiten gibt.“

Und dann ist da noch das Problem mit der Physik: Leitet man Wasser von einer Stelle weg, sucht es sich stur einen anderen Weg. Ein Anwohner: „Der Schutz des eigenen Anwesens etwa mit Sandsäcken kann die Nachbarn gefährden. Wo fängt das an, wo hört das auf?“