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Neues Leben zieht in historische Mauern ein

Noch umgeben Gerüste das Gutsgebäude in Kanzem. Doch schon in einigen Monaten soll es fertig sein. Das Haus wurde 1740 erbaut, was sich an dem Schriftzug oberhalb des Portals ablesen lässt (siehe Foto unten). TV-Fotos (2): Jasmin Wagner, Elke Janssen
Noch umgeben Gerüste das Gutsgebäude in Kanzem. Doch schon in einigen Monaten soll es fertig sein. Das Haus wurde 1740 erbaut, was sich an dem Schriftzug oberhalb des Portals ablesen lässt (siehe Foto unten). TV-Fotos (2): Jasmin Wagner, Elke Janssen FOTO: (h_ko )
Kanzem. Das Hofgut an der Saar am Ortseingang von Kanzem ist ortsbildprägend. Das 275 Jahre alte barocke Bauwerk am Fuß der Weinberge wird wieder renoviert und soll Ende des Jahres fertig sein. Wie es genutzt werden kann, ist bisher noch offen. Jasmin Wagner

Kanzem. Ein großes Schild steht vor der Baustelle, das jedem ins Auge fällt, der aus Richtung Konz nach Kanzem fährt. Über 20 Firmen sind an dem Bau beteiligt: Unter anderem ein Landschaftsgärtner, Bodengutachter und Bauphysiker. Die Namen und Firmen auf dem Schild lassen erahnen, dass hier mit viel Sachverstand und Kreativität ein wertvolles Gebäude saniert wird.
Leidenschaft zur Architektur


Der Bauherr, Georg Thoma, der als Rechtsanwalt in Frankfurt arbeitet, ist durch seine Tochter auf das barocke Gutshaus in Kanzem aufmerksam geworden.
Vom ersten Augenblick an hat ihm das Haus unterhalb der Weinberge gefallen, und er entschloss sich im Jahr 2007 zum Kauf. Damals gehörte das Guts haus einem Privatmann, der es 1999 vom Trierer Priesterseminar erworben hatte. Thomas Affinität zur Architektur ist dabei kein Zufall. Sein Vater war Fritz Thoma, Architekt und Mitglied der Bischöflichen Baukommission des Bistums Trier. "Meine Leidenschaft für die Architektur, für die Landschaft und Gegend waren für mich entscheidend", sagt Georg Thoma. Von Anfang an sei er von der soliden Bauweise des Hauses begeistert gewesen.
Das Bauvorhaben wird unter anderem von dem Schweizer Architekten Max Dudler geplant. Er hat auch das Hambacher Schloss in Neustadt an der Weinstraße umgebaut. Aus seiner Feder stammt auch der Neubau einer modernen Remise direkt neben dem Gebäude in Kanzem. Als moderner Kontrast dient das Haus mit einer Fassade aus Beton zur Unterbringung der Technik und allen Dingen, die zur Bewirtschaftung des 5800 Quadratmeter großen Grundstücks notwendig sind. Auf diese Weise wird das historische Gemäuer nicht überfrachtet. Der Gutshof soll aus der Erde mit Energie versorgt werden. "Ein komplett grünes Haus", sagt Thoma.
Wie das Gutsgebäude künftig genutzt werden soll, ist allerdings noch offen. Es soll laut Thoma multifunktional eingerichtet werden. "Das Haus wird entsprechend ausgestattet. Zum Beispiel wird es eine hochwertige Küche geben. Wir glauben, dass Leute anklopfen werden und sich inspirieren lassen. Wir sind da für alles offen."
Bis die fast 700 Quadratmeter Wohnfläche bezogen werden können, vergehen aber noch ein paar Monate. Der Dachstuhl wurde bereits renoviert. Nun ist die Fassade an der Reihe - im Moment werden Farbuntersuchungen vorgenommen. "Damit soll bestimmt werden, welche Farbe das Gebäude ursprünglich hatte. Ein spannendes Unterfangen, da sich Baugeschichte und ästhetisches Empfinden durchaus widersprechen können", erklärt der Trierer Architekt Peter Hardt, der mit seinem Büro die Bauleitung übernimmt. Vermutlich werde es eine helle Fassade mit roten Fensterumrandungen geben: "Das fügt sich gut in das Ortsbild ein", so Hardt. Alle Arbeiten werden in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege ausgeführt. "Es ist wichtig, dass die Bauarbeiten so ausgeführt werden, dass das Denkmal mit seiner Substanz erhalten bleibt", erklärt Doris Klauck-Schommer, die für das Objekt bei der Denkmalpflege der Kreisverwaltung Trier-Saarburg zuständig ist. Dass nun das Kanzemer Ortsbild vervollständigt wird, darüber freut sich Ortsbürgermeister Johann Peter Mertes besonders: "Es ist toll zu sehen, wie das Haus ein neues Gesicht bekommt und sich langsam wieder mit Leben füllt."Extra

1381: Das Prämonstratenser-Kloster Wadgassen erwirbt Weinberge in Kanzem. 1740: Das Gutsgebäude wird am Fuße dieser Weinberge von dem Kloster erbaut. 1802: Das Weingut gelangt in Privatbesitz im Zuge der Trennung zwischen Kirche und Staat. 1884: Das Weingut wird vom Trierer Priesterseminar erworben. 1999: Das Trierer Priesterseminar verkauft das Gebäude. Eine Privatperson kauft es. 2007: Georg Thoma erwirbt das Gutshaus. Das Anwesen gilt als "bedeutendes Dokument eines barocken klösterlichen Weinbaubetriebs". Quelle: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, Wernersche Verlagsgesellschaft, 1994.