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Dorfentwicklung
Ein Karnevalsverein, der viel bewegt

In einem Buch ist festgehalten, wie sich die Karnevalisten am ihrem jetzigen Standort entwickelt haben, eine spannende Lektüre für Landrat Günther Schartz, Vorsitzenden Rüdiger Schneider, Präsident Dr. Hanns-Christoph Eiden, Ortsbürgermeister Jürgen Haag und Bürgermeister Jürgen Dixius (von links).
In einem Buch ist festgehalten, wie sich die Karnevalisten am ihrem jetzigen Standort entwickelt haben, eine spannende Lektüre für Landrat Günther Schartz, Vorsitzenden Rüdiger Schneider, Präsident Dr. Hanns-Christoph Eiden, Ortsbürgermeister Jürgen Haag und Bürgermeister Jürgen Dixius (von links). FOTO: Herbert Thormeyer
Irsch. Der Präsident der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, Hanns-Christoph Eiden, ist auf der Suche nach Möglichkeiten, wie der ländliche Raum gestärkt werden kann. In diesem Rahmen hat er die Karnevalsgesellschaft Närrisches Saarschiff in Irsch besucht. Von Herbert Thormeyer

Der Vorsitzende der Karnevalsgesellschaft Närrisches Saarschiff, Rüdiger Schneider, hat einen ganz gespannt lauschenden Zuhörer, als er erklärt: „Vor sechs Jahren haben wir hier auf der grünen Wiese mit dem Bau der Volksbankhalle begonnen und das hier ist daraus geworden.“ Der Zuhörer ist der Präsident der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, Hanns-Christoph Eiden. Er stattet Irsch einen Informationsbesuch ab, wie es heißt. Es geht um die Möglichkeiten, wie der ländliche Raum gestärkt werden kann.

Eiden erfährt, wie sich die Halle entwickelt hat. Vor dem Hallenbau war die Ausstattung der Karnevalsgesellschaft in Scheunen im Dorf verteilt. Jetzt kann alles für die Fastnacht in der Halle gebaut und gelagert werden. Im Nebenraum hat der Oldtimerclub sein Domizil gefunden. Auch die Ausstattung von Theaterprojekten der Grundschule können Kinder dort selbst herstellen. Der Bau wurde erweitert und eine Jugendwerkstatt für einheimische und eingewanderte Kinder und Jugendliche dort eingerichtet. Ziel ist es, etwa einmal im Monat dort handwerklich mit ihnen zu arbeiten.

Die Karnevalsgesellschaft hat zudem ein Fertighaus gewonnen – dadurch, dass sie das Konzept für die Jugend- und Integrationsarbeit vorstellte und zudem eine Planung für die Nutzung des Hauses erarbeitete. Das Gebäude soll als barrierefreie Begegnungsstätte für Jung und Alt fungieren und den Vereinen und Gruppen im Ort zur Verfügung stehen.

Präsident Eiden zeigte sich sichtlich beeindruckt, was ein Karnevalsverein alles bewerkstelligen kann: „Das ist die Kraft vieler Menschen, die eine lebendige Dorfgemeinschaft ausmachen.“ Solche Vorzeigeprojekte können von seinem Haus gefördert werden, denn: „Sie sind Beispiele für andere.“

Flüchtlingskinder mit handwerklichen Arbeiten zu integrieren findet Eiden ebenfalls genial, weil: „Danach können auch die Eltern besser integriert werden.“ Das Närrische Saarschiff erkläre den Flüchtlingen, wie Karneval funktioniere und lade sie ein, mitzumachen. Da sei die Förderung durch den Bund sinnvoll. Modellhafte und zukunftsweisende Projekte werden von der Bundesanstalt gefördert, die dem Bundeslandwirtschaftsministerium angegliedert ist. Eiden wollte selbst sehen, was mit dem Geld passiert ist und stellt fest: „Es ist gut angelegt, aber die Regelförderung des ländlichen Raumes sind Leistungen des Landes und der Kreise.“

Nächstes Ziel ist die Verbesserung der Mobilität auf dem Land, damit weniger Menschen auf das Auto angewiesen sind. „Dazu brauchen wir ein gutes Konzept mit attraktiven Taktzeiten, sonst wird das Angebot nicht angenommen“, ist der Saarburger Bürgermeister Jürgen Dixius sicher. Irsch werde bald auch durch ein Mehrgenerationenhaus und eine Volkshochschule mit eigenen Räumen attraktiver.

Nützlich ist der weitere Internet-Ausbau mit Breitbandanschlüssen, denn so kann auch vom Dorf aus mehr gearbeitet und die Ballungszentren mit ihren steigenden Mieten entlastet werden. Für Zuschüsse wünscht sich Dixius einfachere Antragsverfahren, damit dafür weniger Personal gebraucht wird.

„Unterstützung fällt in Irsch immer auf fruchtbaren Boden“, bestätigt Landrat Günther Schartz, denn hier gebe es pfiffige Köpfe. Wenn der ländliche Raum eine Chance hat, dann jetzt. Ortsbürgermeister Jürgen Haag sieht den Besuch des Präsidenten nicht als eine Kontrolle, sondern als eine Wertschätzung der Karnevalsgesellschaft: „Ich kann versichern, die Irscher werden sich weiter in Projekten engagieren.“