| 19:52 Uhr

Gesundheit
Ein Beruf für Jung und Alt von Menschen für Menschen

 Blutabnehmen vom Kunstarm: Michael Neises von der Kran-kenpflegeschule des Kreiskrankenhauses Saarburg schaut bei Lara Schmidt (links) und Katharina Schwan genau hin.
Blutabnehmen vom Kunstarm: Michael Neises von der Kran-kenpflegeschule des Kreiskrankenhauses Saarburg schaut bei Lara Schmidt (links) und Katharina Schwan genau hin. FOTO: Herbert Thormeyer
SAARBURG. Schüler treffen Azubis: Das Pflegenetzwerk stellt in Saarburg Jobchancen in Pflege und Gesundheit vor. Zehn Aussteller wetteifern um Nachwuchs. Von Herbert Thormeyer

„Unsere Schüler sind 16 bis 54 Jahre alt“, sagt die Leiterin der Fachschule für Altenpflege, Katrin Tscherne, stolz. Es sei fast nie zu spät, Altenpfleger zu werden. Auch bei der Krankenpflegeschule des Saarburger Krankenhauses gebe es über 50-Jährige, wie deren stellvertretender Leiter, Michael Neises, bestätigt. „Das sind Menschen mit Lebenserfahrung. Empathie ist in diesem Beruf sehr wichtig“, sagt Geschäftsführer Joachim Christmann. Gibt es schon allgemein einen Fachkräftemangel in der Gesundheitsbranche, verschärft die Nähe zu Luxemburg die Situation noch. „Es gibt aber auch Rückkehrer, die erkannt haben, dass mehr Geld auch mehr Stress bedeuten kann“, erklärt Christmann.

Dem Mangel entgegenzuwirken, das ist Ziel des Pflegetages. „Diese Plattform der Information zeigt Wirkung –– bei Jugendlichen wie Quereinsteigern“, weiß Christian Thömmes von der Arbeitsagentur in Trier. Die Aussicht auf eine feste Anstellung motiviere Leute, die sich um andere kümmern wollen. „Das gibt dem Leben einen Sinn“, macht Thömmes klar. Gleichwohl sei die Fachkräftegewinnung bei 3,2 Prozent Arbeitslosigkeit in der Region, also quasi Vollbeschäftigung, immer schwierig. Da müssen die Arbeitgeber schon aktiv werden.

Pflege kann jeder? Michael Neises sieht das anders: „Zu diesem Beruf müsse man sich berufen fühlen.“ Mitmenschlichkeit empfinden sei enorm wichtig. Im Krankenhaus werde im Übrigen nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes bezahlt und anerkannte Flüchtlinge auszubilden sei im Prinzip auch kein Problem, gute Sprachkenntnisse vorausgesetzt.

Das ist bei Hala Khodr, einer ehemaligen Biologielehrerin aus dem Libanon, der Fall. Die 40-Jährige sagt: „Bei meiner Ausbildung zur Altenpflegerin hat mir meine frühere Ausbildung viel genutzt.“ Der Umgang mit Menschen sei schön.

Sven Schmitz (20) ist im zweiten Lehrjahr zum Altenpfleger. „Ich bin nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr auf den Beruf aufmerksam geworden. Mir ist es wichtig, dass es um Menschen geht“, erklärt er seinen Entschluss.

Realschülerin Laura Britten informiert sich. „Ich finde es wichtig, älteren Menschen zu helfen. Darauf hat jeder ein Recht“, sagt die 14-Jährige. Ihre Mitschülerin Lena Wächter lächelt: „Soziales kann auch Spaß machen.“

Kathrin Weyand ist Ausbildungsbeauftragte bei der Lebenshilfe Trier-Saarburg. „Wir bilden Heilerziehungspfleger und Erzieher aus“, erklärt sie. Die Arbeit bei der Lebenshilfe kann besonders attraktiv sein, denn hier gibt es auch Stellen, bei denen kein Nacht- oder Wochenenddienst anfällt. Auch Menschen mit Handicap werden immer älter und bedürfen besonderer Fürsorge.

Es herrscht Mangel: Krankenhäuser, Altenheime, Pflegedienste und die Lebenshilfe wetteifern um Fachkräfte in Pflegeberufen. Laut Agentur für Arbeit Trier wurden im letzten Jahr beinahe 1100 freie Stellen in diesem Wirtschaftszweig gemeldet. Aktuell können sich die Jobsuchenden in der Region eine von rund 370 offenen Stellen aussuchen. Kranken- oder Altenpfleger/in zu sein, ist also derzeit einer der sichersten Jobs. Die Arbeitsagentur hat in den letzten vier Jahren 280 Ausbildungen in der Pflege gefördert.