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Tiere
Nach Diebstahl eines Fohlens in Saarburg: Safir ist über den Berg, aber noch nicht fit

Silke Scheuer hat ihr Fohlen liebevoll hochgepäppelt und freut sich, dass es über den Berg ist.
Silke Scheuer hat ihr Fohlen liebevoll hochgepäppelt und freut sich, dass es über den Berg ist. FOTO: Marion Maier
Saarburg . Das Fohlen, das einen Tag nach seiner Geburt von einer Weide bei Saarburg gestohlen wurde und später wieder auftauchte, wird voraussichtlich überleben. Allerdings ist es unterentwickelt. Doch es besteht Grund zur Hoffnung. Von Marion Maier
Marion Maier

Mit dünnen Beinchen stakst das weiß-braun gescheckte Fohlen wackelig über die Weide beim Saarburger Kunoweiherhof. Safir ist noch keine zwölf Wochen alt. Doch der kleine Isländer hat schon einiges mitgemacht. Besitzerin Silke Scheuer sagt. „Er ist altersmäßig zurückgeblieben. Er braucht noch mehr Muskeln. Ihm fehlen zehn Tage Muttermilch und auch der Kontakt zur Mutter.“ Doch sie sagt auch: „Er ist über den Berg.“

Das war vor mehreren Wochen noch unsicher. „Ob Fohlen Safir überlebt, ist weiterhin ungewiss“ hieß es am 23. Juni im TV. Das hübsche Tier war am 30. Mai, einen Tag nach seinem Geburtstag, von einer Weide an der L 135 zwischen Saarburg und Mannebach verschwunden. Zehn Tage später tauchte es abgemagert und geschwächt wieder auf, nicht weit weg von der Weide. Ein Jagdpächter hatte es in der Nähe eines Wirtschaftswegs, der zur Grillhütte in Ayl führt, gefunden. Das Fohlen habe in einem kleinen Sumpfgebiet festgesteckt, hieß es.

Die Polizei meldete damals, es sei unklar, ob das Tier gestohlen und wieder ausgesetzt worden sei oder ob es wegen des Unwetters in der Nacht seines Verschwindens weggelaufen sei. Scheuer schüttelt darüber nur den Kopf. „Ein Fohlen, das ein Tag alt ist, kann keine zehn Tage allein überleben.“ Pferde müssten ein halbes Jahr lang gesäugt werden.
Für die Tierliebhaberin, die einen Ferienhof mit 40 Islandpferden und 110 Milchkühen führt, ist Safir seit seiner Rückkehr ein intensiver Pflegefall, um den sie sich liebevoll kümmert. Denn das Muttertier, eine junge, zutrauliche Stute, die erstmals gefohlt und Scheuer ihr Junges ungewöhnlicherweise kurz nach der Geburt offenherzig gezeigt habe, hat den Kleinen nicht mehr angenommen. Nach zehn Tagen habe sie ohnehin keine Milch mehr gehabt, sagt Scheuer. Vier Versuche, den Hengst einer Ammenmutter anzuvertrauen, seien fehlgeschlagen. Das bedeutet, Scheuer fütterte ihn selbst – in den ersten beiden Wochen jede Stunde. Mittlerweile bekommt Safir alle vier Stunden seine aus Pulver angerührte Spezialmilch und Kraftfutter.

Aus der Flasche zu trinken, lehnt der kleine Dickkopf ab. Deshalb bekommt er sein Futter in Schüsseln serviert. Ansonsten würde er offensichtlich gerne saugen. Scheuer sagt: „Er konnte nie nuckeln. Wenn er ein großes Pferd sieht, dann will er ans Euter – egal ob es ein Männchen oder ein Weibchen ist.“ Die betroffenen Tiere wehrten sich verständlicherweise dagegen. Doch nun hat Scheuer Grund, zu hoffen. Seit Dienstagabend hat sie eine Ammenstute auf dem Hof, von der es heißt, dass sie jedes Fohlen annehme. Doch erste Erfahrungen zeigen, dass sich die beiden „noch nicht optimal“ vertragen. Scheuer sagt: „Safir muss lernen, wann Schluss ist.“ Ob der zurückgebliebene Hengst sich je zu einem Reitpferd entwickelt, ist laut Scheuer unklar.

Klar ist für die Pferdehalterin hingegen, dass der Dieb des Fohlens, das aus Sicherheitsgründen nun wie die anderen Jungtiere nahe beim Hof und nachts im Stall steht, einen großen Schaden angerichtet und jede Menge Arbeit verursacht hat. Scheuer hatte den Diebstahl bei der Polizei angezeigt. Sie sagt: „Ein paar Tage, nachdem Safir wieder aufgetaucht war, hat die Staatsanwaltschaft mitgeteilt, dass sie das Verfahren eingestellt hat.“ Scheuer berichtet zudem, dass ihre Tochter über Facebook Hinweise erhalten habe, dass jemand kurzzeitig versucht habe, den Isländer bei E-Bay zu verkaufen. Peter Fritzen, Leitender Oberstaatsanwalt, teilt auf TV-Nachfrage mit, dass dass der Hinweis auf Ebay überprüft worden sei, allerdings erfolglos. Auch dem Hinweis auf ein Fahrzeug, das am Tag des Auffindens des Pferdes in der Nähe der Weide beobachtet worden sei, sei nachgegangen worden. Fritzen: „Bei der Überprüfung stellte sich heraus, dass das Fahrzeug einem Imker gehörte, der im fraglichen Bereich Bienenstöcke besitzt.“ Der Leitende Oberstaatsanwalt weist darauf hin, dass das Verfahren am 25. Juni eingestellt worden sei, weil keine weiteren erfolgversprechenden Ermittlungsansätze vorhanden gewesen seien. Fritzen ergänzt, dass das Verfahren jederzeit wieder aufgenommen werden könne, wenn sich konkrete Anhaltspunkte für weitere Ermittlungen ergäben.

Die Polizei bittet deshalb weiterhin um Hinweise zum Verschwinden des Fohlens unter Telefon 06581/9155-0.