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Schwein Gustav öffnet Ente Ernas Augen: 130 Kinder auf der Bühne spielen Stück wider die Macht der Werbung

FOTO: Herbert Thormeyer (doth), Herbert Thormeyer ("TV-Upload Thormeyer"
Saarburg. "Der verrückte Bauernhof", eine Inszenierung von Maja Brandscheit, hat in zwei Aufführungen in der Saarburger Stadthalle für Aufklärung gesorgt: Bloß nicht der Werbung glauben und Integration kann so einfach sein. Herbert Thormeyer

Saarburg. "Sind das im Schafskostüm die Flüchtlingskinder?", will der TV von Maja Brandscheit wissen. Die Theaterfrau und ehemalige Leiterin der Grundschule Irsch kontert kurz vor der Vorstellung ihrer neuesten Inszenierung: "Die Schafe sehen alle gleich aus. Da sind auch Flüchtlingskinder dabei. Alle tanzen nachher gemeinsam."
Und zwar auf dem verrückten Bauernhof, wo Ente Erna (Julia Barth) der Werbung im Fernsehen voll auf den Leim geht. Sie glaubt, dass Kühe lila sein müssen, jedes Ei eine Überraschung beinhalten muss und Schafswolle immer super kuschelweich zu sein hat.
"Ich will so bleiben, wie ich bin", heißt das Kinderbuch von Hermien Stellmacher, das Brandscheit als Drehbuch für ihre Inszenierung nutzte, angereichert mit Liedern und Tänzen. 130 Kinder standen auf der Bühne. Unterstützt wurde die Theaterwerkstatt der Grundschulen Irsch und Freudenburg von den Kindern der Tanzgruppen Serrig und Taben-Rodt sowie von einer Jugendgruppe der KG Närrisches Saarschiff Irsch.
Rund 130 Kinder stellten das turbulente Treiben in zwei Vorstellungen vor jeweils 300 Zuschauern auf dem Bauernhof in der Saarburger Stadthalle dar. Je mehr Werbebotschaften die bunte Schar der Hofbewohner erreicht, umso mehr Unzufriedenheit herrscht. Das Umfärben der Kühe geht gründlich schief. Die Hühner schaffen es nicht, irgendwelche Überraschungen in ihre Eier zu zaubern und die Schafe verfilzen eher, als dass ihre Wolle weicher wird.
Doch da gibt es ja noch das kluge Schwein Gustav (Marlon Hauser). Es behauptet glatt, neuerdings sei es Mode, dass Enten nackt herumlaufen. Jetzt merkt auch Ente Erna, wie sehr sie von der Werbung beeinflusst wurde. Auf eine Totalrasur will sie sich nicht einlassen, sondern sie will so bleiben, wie sie ist.
Vor Freude tanzen alle beim spontanen Scheunenfest, auch die Schafe mit den Flüchtlingskindern. Flüchtlingshelferin Stephanie Weber findet: "Das war eine tolle Idee, die Kinder so zu integrieren." Ihre Kollegin Caroline Philippi berichtet von sechs Wochen üben mit den zwölf Vier- bis Siebenjährigen, die überwiegend vom Balkan stammen: "Wir haben über das Stück viel mit den Eltern gesprochen, damit sie und die Kinder verstehen, worum es auf der Bühne geht." Die beste Integration ist eben die, die gar keiner bemerkt und doch funktioniert.