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Tiere
Schwer verletzt und blind: Wie Kauz Robert Jägerherz erweicht (Fotos/Video)

Der Finder, der Pfleger und sein Patient: Eckhard Otto, Jürgen Meyer und Waldkauz Robert.
Der Finder, der Pfleger und sein Patient: Eckhard Otto, Jürgen Meyer und Waldkauz Robert. FOTO: Wildtierzentrum
Saarburg/Daufenbach. Ein Waidmann findet einen verletzten, blinden Waldkauz und bringt ihn ins Wildtierzentrum. Zentrumsleiter Jürgen Meyer schafft es, das Tier gesund zu pflegen. Zwei Wochen später folgt ein großer Moment – für den Vogel und den Jäger. Von Marion Maier
Marion Maier

In seinen 42 Jahren bei der Polizei, insbesondere bei der Mordkommission, hat Eckhard Otto schon einiges erlebt – Schönes und Schlimmes, wie er sagt. Doch da gibt es einen, der dem Pensionär in kurzer Zeit ans Herz gewachsen ist. Es ist ein Waldkauz.

Eckhard Otto findet das Wildtier vor wenigen Wochen bei Daufenbach am Wegrand sitzend. Es fliegt nicht weg, als er sich nähert. „Der Vogel war offensichtlich in einer hilflosen Lage“, sagt der Jäger, der von den großen Augen und der Schönheit des Tieres schwärmt. Der 63-Jährige holt sich Rat bei einem befreundeten Falkner und bringt den Waldkauz vorübergehend in einem leerstehenden Hühnerstall unter. Er nennt ihn nach einem Nachbarn Robert. Der Grund: Otto hat den Vogel nahe dem Hochsitz gefunden, den dieser Nachbar jahrzehntelang für die Jagd genutzt hat. Robert habe sich gefreut, als er ihm von seinem Namensvetter erzählt habe, sagt Otto. Doch Robert im Hühnerstall frisst nichts. Otto sagt: „All meine Fütterungsversuche schlugen fehl.“ Er wendet sich an eine Tierärztin, und die rät ihm, sich beim Wildtierzentrum Wiltingen/Saarburg Hilfe zu holen. „Ein guter Ratschlag, wie sich später herausstellen sollte“, meint Otto.

Jürgen Meyer, Leiter des Wildtierzentrums, nimmt den Waldkauz in seine Obhut. Seine Diagnose: Schädel-Hirn-Trauma, vermutlich infolge eines Zusammenpralls mit einem Hindernis oder Fahrzeug, und eine daraus resultierende, im besten Fall nur vorübergehende Blindheit. Meyer gibt dem Tier Vitamine und setzt es in eine dunkle Ruhebox. Er erklärt: „Als Robert weiter nichts fressen wollte, musste ich ihn zwangsernähren, sonst wäre er verhungert.“ Dazu fixiert Meyer den angeschlagenen Vogel so zwischen den Knien, dass er nicht kratzen oder mit den Flügeln schlagen kann und verabreicht ihm seine Tagesration an Eintagsküken, die das Zentrum tiefgefroren bekommt. Meyer ist zufrieden mit dem Patienten. „Robert hat beispielhaft mitgearbeitet und das, obwohl er schon ein altes Tier ist. Sobald er das Futter hinter der Zunge hatte, hat er geschluckt.“

Bereits nach einer Woche geht es bergauf. Meyer sagt: „Robert ist meinem Gang gefolgt, er ist mit dem Köpfchen mitgegangen.“ Auch auf wackelnde Arme habe er reagiert. Da war klar: Er kann wieder sehen. Für Eckhard Otto der erste Moment großer Freude. Er sagt: „Als ich das gehört habe, musste ich gleich hinfahren.“ Als Nächstes schafft es Robert, aus dem Flug heraus auf einem Ast zu landen. Er frisst auch wieder selbstständig. Nach zwei Wochen ist der Vogel wieder fit, fit für die Freiheit.

Otto und Meyer bringen den Waldkauz zurück in sein Revier im Daufenbacher Wald. Der Pensionär hat den großen Moment sogar in einem Video festgehalten. Robert fliegt umgehend fort, als Meyer ihn loslässt. Für den Jäger, der eigenen Angaben zufolge nur selten jagen geht und über ein geschossenes Tier mehr trauert als sich freut, ist das wieder ein Grund zu großer Freude. Er sagt: „Ein wunderschöner Tag für mich als Tierfreund. Ich bin froh, dass Robert wieder gesund ist und mit seinem Weibchen jetzt vielleicht die Jungen versorgt.“ Wenige Tage später der nächste beglückende Moment. Eckhard Otto hört zu Hause wieder die vertrauten Kauzrufe, zunächst nur einen, dann wieder zwei. Otto erklärt: „Männchen und Weibchen rufen sich zu. Als Robert weg war, war es still.“ Die Arbeit im Wildtierzentrum unterstützt der 63-Jährige nun als Fördermitglied. Otto sagt: „Ich habe gesehen, dass die Arbeit dort sinnvoll ist. Was Jürgen Meyer und sein Team leisten, ist absolut lobenswert.“

Das Wildtierzentrum erhält Unterstützung von Land und Kreis, ist aber auch auf Spenden angewiesen. Konto: Sparkasse Trier, IBAN: DE17585501300121032015, BIC: TRISDE55XXX

Der Waldkauz vor seiner Behandlung. Er war blind, seine Federn verklebt.
Der Waldkauz vor seiner Behandlung. Er war blind, seine Federn verklebt. FOTO: Jürgen Meyer
FOTO: Jürgen Meyer
Kauz Robert aus Saarburg FOTO: TV / Jürgen Meyer