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Kommunalpolitik
Serriger sollen zu Schatzsuchern werden

Serrig soll weiterentwickelt werden. Wie sollen die Fachleute sagen, also die Serriger selbst. Deshalb sind sie für Mittwoch, 17. Januar, zur Infoveranstlatung eingeladen.
Serrig soll weiterentwickelt werden. Wie sollen die Fachleute sagen, also die Serriger selbst. Deshalb sind sie für Mittwoch, 17. Januar, zur Infoveranstlatung eingeladen. FOTO: Friedemann Vetter
Serrig. Serrig könnte der erste Ort in der Verbandsgemeinde Saarburg werden, der zwei Instrumente zur Weiterentwicklung miteinander verknüpft: die Dorfmoderation und den Aufbau der aktiven Dorfgemeinschaft. Der Ortsbürgermeister lädt die Bürger ein, die Zukunft selbst in die Hand zu nehmen.
Marion Maier

Ob es in Serrig zu einer Premiere kommt, entscheidet der Ortsgemeinderat am heutigen Mittwoch. Dann stimmt er darüber ab, ob der Fokus bei der Weiterentwicklung des 1680 Einwohner zählenden Dorfs allein auf das Städtebauliche oder eben auch auf das Soziale gelegt wird. Konkret entscheidet der Rat darüber, ob in Serrig eine aktive Dorfgemeinschaft (siehe Info) aufgebaut werden soll und er sich mit einem Finanzierungsanteil von 6000 Euro für eineinhalb Jahre an den Sach- und Personalkosten beteiligt. Sagt er Ja, können dieses Projekt und die bereits angelaufene Dorfmoderation, bei der es mehr um die städtebauliche Entwicklung geht, zusammen angegangen werden.

Serrigs Ortschef Egbert Adam rechnet nach den Vorgesprächen damit, dass das Gremium zustimmt. Er sagt: „Es war immer klar, dass es bei der Entwicklung des Dorfs nicht nur um Bauliches, sondern auch um Soziales geht. Dann einen bewährten Weg zu gehen, ist sicherlich das einfachste und günstigste.“ Ein Termin für eine baldige ­Bürgerinformation zum weiteren Vorgehen ist auch schon festgesetzt und zwar für Mittwoch, 17. Januar, 19.30 Uhr im Bürger- und Gemeindesaal. Die Einladungen an alle „Serrscher“ sind raus.

Darin heißt es: „Unser Dorf ist unsere Sache! Deshalb wollen wir selber bestimmen, wo es in Zukunft langgehen soll – und das dann auch gemeinsam anpacken.“ Weiter schreibt der Ortschef: „Jedem bei uns im Dorf ist eigentlich klar, dass wir auf einem wahren Schatz sitzen. Damit er sichtbar wird und seine Wirkung in jede Richtung entfalten kann, braucht es eine Menge Schatzsucher und eine Fülle von Ideen. Ideen für Kinder und Senioren, für Alteingesessene und Neubürger, für Sport, Kultur, Verkehr, für neue und alte Häuser – eben für alles, was unserem Dorf und damit jedem Einzelnen guttut.“ Adam verhehlt nicht, dass es Arbeit machen wird, den Schatz zu heben, doch ist es seiner Meinung nach „Arbeit, die Spaß machen wird“.

Bei der Arbeit werden die Serriger unterstützt und zwar von Dorfberater Matthias Faß. Die Verbandsgemeindeverwaltung hat den Soziologen halbtags beschäftigt, um so den Aufbau der aktiven/sorgenden Dorfgemeinschaften, der auch mit EU-Mitteln gefördert wird,  zu unterstützen. Sehr konkret hat Faß die aktuellen Herausforderungen für die Dörfer aufgelistet.

Da sind der Rückgang der einheimischen Bevölkerung, die Landflucht junger Menschen wegen Ausbildung und Beruf, die Integration von Neubürgern und Asylbegehrenden sowie die Veränderung innerfamiliärer und nachbarschaftlicher Strukturen. In Sachen Gesundheit nennt Faß den Anstieg von Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen, die Zunahme von psychischen Erkrankungen, Vereinsamung, Bewegungsmangel und Demenz bei Senioren sowie die Altersarmut als Probleme. Desweiteren kämpfen die Orte laut dem Dorfberater damit, dass der öffentliche Nahverkehr ausgedünnt wird und Menschen ohne Auto nicht mobil sind. Kleine Läden würden häufig schließen. Beim Ehrenamt sieht Faß folgende Probleme: Ortsbürgermeister und Vereinsvorstände sind zunehmend mit administrativen Aufgaben belastet. In den Räten und Vorständen fehlt der Nachwuchs. Generell sinkt die Bereitschaft sich ehrenamtlich zu betätigen. Zusammen mit den Bürgern sollen für diese und andere Herausforderungen Lösungen und neue Wege gefunden werden.

In Sachen Dorfmoderation, mit der das Dorferneuerungskonzept fortgeschrieben wird, wird am 17. Januar die Bestandsaufnahme vorgestellt. Dabei geht es laut Adam unter anderem darum, den Dorfkern zu beleben und Probleme wie Baulücken und bevorstehende Leerstände anzugehen.

Das Thema Dorfmoderation und der Aufbau aktiver Dorfgemeinschaften ist einer von drei Tagesordnungspunkten bei der Sitzung des Serriger Ortsgemeinderats am Mittwoch, 10. Januar, ab 19 Uhr im Ratssaal.
Die beiden anderen sind der Forstwirtschaftsplan und Informationen.

Kommentar von Marion Maier

Der richtige Weg

Es ist eine gute Idee, die beiden Register Dorfmoderation und den Aufbau einer aktiven Dorfgemeinschaft gleichzeitig zu ziehen. Denn schließlich gehören die beiden Themen, also das Dorf an sich und das Leben darin, zusammen.
Sie beeinflussen sich wechselseitig. Denn schaffe ich beispielsweise neue Treffpunkte, brauche ich einen Ort dafür.
Umgekehrt braucht es zupackende Hände, um neue Attraktionen wie einen Wanderweg in Schuss zu halten. Machen die Serriger mit, wird es bald eine aktive Dorfgemeinschaft mehr in der Verbandsgemeinde Saarburg geben. Gut so! Herausforderungen gibt es genug. m.maier@volksfreund.de