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Sonnengelb statt Eierschalenfarbe

Doppelgänger: Die Feller Grundschüler sagen ihrem Hausmeister Valentin Krämer einer verblüffende Ähnlichkeit mit der Silvanus-Statue im Schulgarten nach.Foto: Katja Krämer
Doppelgänger: Die Feller Grundschüler sagen ihrem Hausmeister Valentin Krämer einer verblüffende Ähnlichkeit mit der Silvanus-Statue im Schulgarten nach.Foto: Katja Krämer
FELL. Er bringt Farbe in den grauen Schulalltag: Valentin Krämer gibt der Grundschule St. Barbara in Fell eine eigene Note. "Valli" - ein kreativer Hausmeister für alle Fälle. ARRAY(0x28456b880)

Wer denkt, dass Hausmeister gelangweilt in ihrem Büro sitzen und darauf warten, dass Glühbirnen die Fassung verlieren, hat sich getäuscht. In seinem kleinen Büro in der Grundschule Fell sitzt Valentin Krämer nur selten. Die Turnhalle putzt er täglich, ständig anstehende Reparaturarbeiten erledigt er schnellstmöglich. Vor drei Jahren hatte "Valli" die Stelle als Hausmeister angetreten - inzwischen ist er dort "Mädchen für alles".Auch mal aufs Dach zum Ballholen

"Er steigt auch auf die Leiter, um den Ball vom Dach herunterzuholen", freut sich Niklas Meirer über den hilfsbereiten 53-Jährigen. Das Schulgebäude samt Außenanlage mit geringen Mitteln so heimelig wie möglich zu gestalten, liegt "Valli", wie ihn die Feller Schüler nennen, am Herzen: "Um Himmels willen" dachte sich der gelernte Heizungsmonteur, als er die "nato-oliv-grüne" Decke im Lehrerzimmer zum ersten Mal sah. Weiß musste her, und auch ein selbst gestalteter Zimmerspringbrunnen sorgt nun dafür, dass sich die Pädagogen im Lehrerzimmer entspannen können. "Wer kann schon in einem Raum lernen, der in trister Eierschalenfarbe gestrichenen ist?", wunderte sich der Vater von drei Kindern. "Sonnenschein muss in die Klassenzimmer rein", sagte Valentin Krämer und griff zum Pinsel und zu einem leuchtenden Gelb. Aber auch der Schulhof hat sich sehr verändert. Der Fahrrad-Parcours ist wieder hergerichtet, und "damit die Kinder nicht auf dumme Ideen kommen, sich nicht schlagen und raufen", ziert nun ein großes Mensch-Ärgere-Dich-Nicht-Spiel den einst öden Asphalt. Als Spielfiguren dienen mit Sand gefüllte Limonade- und Colaflaschen. Sie kommen oft zum Einsatz. "Das sind die Folgen meines Opa-Syndroms", vermutet der zweifache Großvater. Oft beweist der Hobby-Musiker und Mundart-Dichter auch seine Originalität. Etwa, als ihn Schulleiter Heinrich Herkel einmal bat, die Hecken im Schulgarten zu stutzen. Mit der Gartenschere und durch kontrollierten Wuchs verwandelte Krämer die Sträucher in FantasieTiere und ein Segelschiff. "Ich gehe jeden Tag gerne zur Arbeit", sagt Valentin Krämer, und jeder glaubt es ihm. Ein Gräuel sind ihm die Ferien. Im fehlt dann das Leben in der Schule. Doch auch die Schüler vermissen "Valli", wenn er einmal an anderen Schulen der Verbandsgemeinde Schweich nach dem Rechten sieht. "Wünsche werden sofort erfüllt, Wunder dauern etwas länger", sagt der Hausmeister schmunzelnd, während er zum Kleber greift. Die Silvanus-Statue, die nach einhelliger Meinung der Schüler eine verblüffende Ähnlichkeit mit ihrem Hausmeister hat, muss hergerichtet werden. "Woher wussten die Römer, wie "Valli" aussieht", witzelt auch Schulleiter Heinrich Herkel, der dem Allround-Talent ein sehr gutes Zeugnis ausstellt: "Er ist ein Super-Hausmeister." Morgen: Gegen hässliche Drieschen - ein Kenner Verein will die Kulturlandschaft erhalten.