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Traktorenschau im Dauerregen

Kreuzweiler. Mit 300 Fahrzeugen hatten die Liebhaber alter Schlepper gerechnet, rund 160 kamen nach Kreuzweiler. Einer der bedeutendsten Clubs, der sich die Erhaltung historischer landwirtschaftlicher Fahrzeuge auf die Fahnen geschrieben hat, musste große Teile der dreitägigen Schau absagen. Es regnete unablässig. Herbert Thormeyer

"Viele Traktorfreunde sind einfach mit dem Auto gekommen, statt auf eigener Achse", bedauert der Vorsitzende der Lanz-Bulldog-Freunde Kreuzweiler, Sascha Wagner. Dem Dauerregen auf dem meist offenen Fahrersitz wollten sich diesmal nur rund 160 statt mehr als 300 Trekerpiloten wie vor drei Jahren aussetzen.
Beim Zuspruch der Besucher sah es ähnlich aus. Kaum mehr als rund 500 Freunde der historischen Fahrzeuge waren gleichzeitig am Sonntagmittag auf dem Festgelände.

"Wir müssen Vorführungen und das Wettpflügen absagen", bedauert Geschäftsführer Werner Gerardy. Doch die Faszination der alten Maschinen kann kein Dauerregen schmälern. Glanzstück des Clubs ist und bleibt der weiß lackierte Lanz Eilbulldog, Baujahr 1943, gerade wegen seiner Geschichte. "Der zog gegen Ende des letzten Krieges Geschütze und war im sogenannten Orscholzriegel im Einsatz", erklärt Gerardy. Zum Beweis zeigt er auf die Einschusslöcher im Blech.

Um die Fahrzeuge auf dem Feld näher zu betrachten, musste man als Besucher besonders wetterfest sein. Das Bulldog- Museum und das Festzelt wurden deshalb zu zentralen Anlaufpunkten. Auch hier waren "Diesel- Gespräche" möglich. "Bei uns stehen heute Traktoren, die vor Jahren mal für 200 Euro verscherbelt wurden, und nach zahllosen Restaurierungsstunden jetzt mehrere Tausend Euro wert sind", weiß Vorsitzender Wagner.

So manches Histörchen war zu erfahren. So etwa das Vorhaben von Bernd Kiefer (58) von der "Schlepperbande" Orscholz: "Wir fahren im nächsten Jahr mit sieben Traktoren auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela." Erste Station auf der Strecke von 2500 Kilometern werde natürlich Kreuzweiler sein. Einen religiösen Hintergrund habe das nicht, sondern sei reines Abenteuer. Treue Besucherin des Traktoren-Treffens ist Christa Fehr (48) aus Taben-Rodt. "Das ist hier so gemütlich und das Bulldog-Museum hat ein tolles Flair", verrät sie dem TV ihre Motivation, trotz des Dauerregens wieder zu kommen.

Winfried Reinert (53) aus Freudenburg hat sogar hier seinen 50. Geburtstag gefeiert, weil: "Es hier so richtig urig ist und die Clubmitglieder nette und freundliche Menschen sind."
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volksfreund.de/Fotos
Extra

Die Lanz-Bulldog-Freunde Kreuzweiler: Mitte der achtziger Jahre begannen Robert Willkomm und Theo Welter, alte Bulldogs und Traktoren zu sammeln und zu restaurieren. Mit einem Fendt Dieselross und einem 16er Lanz Volldiesel fing die Sammelleidenschaft an. 1988 organisierte man das "Erste Internationale Treffen für historische Ackerschlepper" in Kreuzweiler. Es wurde ein voller Erfolg und man beschloss, die Veranstaltung alle drei Jahre zu wiederholen. Der Verein hat heute 24 Mitglieder mit etwa 30 Maschinen. doth