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Tüfteln, bis die Dose summt

Jürgen Küpper versteht es, auf seinem selbst konstruierten und eigentümlich aussehenden Klanginstrument, der "Oberton-Fähre", hörenswerte Melodien zu spielen. Foto: Dietmar Scherf
Jürgen Küpper versteht es, auf seinem selbst konstruierten und eigentümlich aussehenden Klanginstrument, der "Oberton-Fähre", hörenswerte Melodien zu spielen. Foto: Dietmar Scherf
KASEL. (dis) Jürgen Küpper ist einer der mehr als zehn Dozenten, die als ausgebildete Künstler im "JugendKUNSTzentrum" des Tufa e.V. mit pädagogischen Fähigkeiten das künstlerisch-handwerkliche Ausdrucksvermögen von Kindern und Jugendlichen fördern.

Das Zentrum ist eine außerschulische kulturelle Bildungs- und Freizeiteinrichtung und orientiert sich an den Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen. "Wir bringen ihnen nicht nur bei, wie sie zeichnen, malen oder mit Ton plastisch gestalten können, sondern auch, wie man aus scheinbar nutzlosen Materialien noch etwas Sinnvolles bauen und produzieren kann", erzählt der 49-Jährige. Klanginstrumente zu bauen ist eine seiner Spezialitäten. So verspricht er seinen Schülern: "Du wirst dir aus Holz, Alu-Blech, Dosen, Klaviersaiten und anderen Dingen ein Instrument bauen und lernst darauf zu spielen. Dazu komponieren wir eigene Stücke, die man alleine oder mit anderen zusammen spielen kann." Vorkenntnisse brauche man dazu nicht, sagt Küpper. Die Teilnehmer müssten nur zuhören und gut reagieren können. Denn der Künstler denkt sich mit den Schülern Klangspiele aus, die Geschicklichkeit erfordern. Das kreative Potenzial bei jungen Menschen zu wecken und zu fördern liegt in seinem Interesse. Der in Köln geborene Tüftler war kürzlich an den zweiten Trierer Wissenschafts- und Forschertagen für Kinder beteiligt. Sein Angebot: "Für Experimente zu Auftrieb und Wind am Wasserband auf dem LGS-Gelände baut jedes Kind mit einfachsten Mitteln einen Katamaran." Dazu standen den begeisterten Kindern Holzstücke, Styropor, Seile, großformatige Briefumschläge und Weinkorken zur Verfügung. Seine Kontakte zum Kölner Vorort Rodenkirchen hat er noch nicht abgebrochen. Mit schöner Regelmäßigkeit zieht es ihn zu Projektwochen an die dortige Jugend-Kunstschule. An das Art-Projekt "Menschenkette", das dort vor drei Jahren verwirklicht wurde, erinnert er sich besonders gerne. Mit der Idee hat die Kunstschule ein außergewöhnliches Projekt mit 24 Schulen im Kölner Süden erstellt. Küpper: "Alle hatten die gleichen Ausgangsvoraussetzungen: Aus Schaufensterpuppen sollten phantastische Gestalten nach bestimmten Künstlern entstehen, die dann als Menschenkette der besonderen Art am Rhein ausgestellt wurden." Nach seinem Examen im Jahr 1983 zog es Küpper in die Welt. "Ich hatte das Gefühl, in Köln alles gesehen zu haben." In Bordeaux, Paris, Innsbruck, in der Schweiz und Südtirol lebte und arbeitete der Kölner. Eines Tages "verschlug" es ihn nach Trier. Für ihn galt es, einem Freund beim Umbau eines Bauernhauses zu helfen. Vor rund zwei Jahren suchte er sich eine dauerhafte Bleibe und fand sie einem Haus in Kasel, das zu den ältesten des Ortes zählt. Nach und nach will er das Haus von Grund auf renovieren und umbauen. "Ich habe mich gewundert, wie einfach es ist, die mit einer Großstadt verbundene Hektik abzulegen und an Lebensqualität zu gewinnen." Überrascht war er von den "total netten und aufgeschlossenen Kaseler", die er als kontaktfreudig und gesellig bezeichnet.