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Wenige Spuren erinnern an jüdisches Leben

Die frühere Synagoge in Konz-Oberemmel wurde in der Reichspogromnacht 1938 geschändet und nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissen. Foto: Privat
Die frühere Synagoge in Konz-Oberemmel wurde in der Reichspogromnacht 1938 geschändet und nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissen. Foto: Privat
Freudenburg/Wawern/Konz. Im Raum Konz-Saarburg haben bis zum Zweiten Weltkrieg viele Juden gelebt. Geistige Zentren waren Freudenburg, Wawern und Konz-Könen. Vor 70 Jahren, am 16. Oktober 1941, wurden die ersten Juden nach Lod{zcaron} (Polen) deportiert. Entweder sie starben schon dort oder wurden in Vernichtungslager gebracht. Der TV hat sich auf Spurensuche begeben.

Freudenburg/Wawern/Konz. 25 Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig liegen in Freudenburg vor der Markt-Apotheke und dem Nachbarhaus. Sie erinnern an das Schicksal der einst in Freudenburg lebenden Familien von Gustav Kahn und Samuel Samuel Weil. Neben einigen Familienmitgliedern, die den nationalsozialistischen Terror überlebt haben, wurden etliche ermordet.
Gustav Kahn, geboren 1867 in Freudenburg, wurde im Juli 1942 von Trier aus nach Theresienstadt deportiert und wenige Tage später gemeinsam mit seiner Frau Julie im Vernichtungslager Majdanek vergast. Samuel Samuel war Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Freudenburg und starb 73-jährig 1935. Seine Frau Ida Weil wurde im August 1942 von Drancy (Frankreich) nach Auschwitz deportiert. Ihr ältester Sohn Isaak Julius war vor den Nazis nach Norwegen geflüchtet, wurde aus dem besetzten Norwegen 1942 nach Auschwitz deportiert und 40-jährig ermordet.
In der Balduinstraße in Freudenburg, wo sich früher die Synagoge befand, steht heute eine Kinderrutsche auf einer Grünfläche. Zur Erinnerung wurde eine Gedenktafel aufgestellt.
Anders sieht es in Wawern aus. In der dortigen alten Synagoge werden heute Konzerte und Lesungen veranstaltet. Anfang der 1980er Jahre hat der heutige Ortsbürgermeister Franz Zebe das Gebäude vor dem Abbruch gerettet. So erinnert der Bau noch an das bis in die 1930er Jahre hinein rege Leben der jüdischen Gemeinde im Ort.
In Wawern lebten seit 1919 auch Aron und Sara Hirschkorn mit ihren fünf Kindern. Aron wurde 1885 in Lod{zcaron} geboren; dort kam auch sein Sohn Jakob 1914 zur Welt. Ende Oktober 1938 wurde Aron zusammen mit seinem Bruder Israel und seinem Sohn Norbert nach Polen ausgewiesen. Dies geschah im Rahmen der sogenannten Polenaktion, bei der 17 000 polnische Juden aus Nazi-Deutschland abgeschoben wurden.
Mit Glück überlebt


Jakob flüchtete vorher nach Luxemburg. Am 16. Oktober 1941 wurde er zusammen mit bis zu 560 Juden aus Luxemburg und der Region Trier nach Lod{zcaron} deportiert. Dort traf er seinen Vater, seine Mutter und seinen Bruder wieder. Mit viel Glück überlebte Jakob den Zweiten Weltkrieg. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Wawern wanderte er 1946 nach England aus, wo er 1976 starb.
"Geschichten wie die des Holocaust-Überlebenden Jakob Hirschkorn stehen beispielhaft für die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts. Die Juden wurden auch im ländlichen Raum und in der Region verfolgt", sagt Pascale Eberhard, Kuratorin der Trierer Ausstellung "Der Überlebenskampf jüdischer Deportierter aus Luxemburg und der Trie rer Region im Getto Litzmannstadt", die am Sonntag eröffnet wird.
Eberhard, Tochter eines Franzosen, der das Konzentrationslager Dachau überlebt hat, wohnt in Wawern neben der Synagoge und engagiert sich seit vielen Jahren im Förderverein ehemalige Synagoge Könen.
Bei dem Stichwort "Synagoge Könen" schluckt Eberhard kurz: "Leider ist der Versuch gescheitert, sie zu einer Erinnerungsstätte zu machen." Die nach den Pogromen im November 1938 verbliebenen Spuren der Könener Synagoge wurden im Zuge des Ausbaus einer Garage in dem ehmaligen Gebäude vor vier Jahren vollständig beseitigt. Der Experte für die jüdische Geschichte in der Region, Willi Körtels, kommentierte dies in seinem Buch "Geschichte der Juden in Könen" als "verantwortungsloses Handeln", durch das "wertvolle Erinnerungswerte endgültig verloren" gegangen sind. itz
Das Gedenkbuch des Stadtarchivs Trier nennt auch etliche Juden aus Gemeinden der Verbandsgemeinde Saarburg, die in der NS-Zeit deportiert wurden. Es erwähnt sieben Juden aus Saarburg und drei aus Kirf, die mit dem Zug vom 16. Oktober 1941 ins Ghetto Litzmannstadt deportiert wurden. Am 24. April 1942 wurde Betty Kahn aus Kirf von Trier aus ins Ghetto Izbica abtransportiert. Mit dem Zug vom 26./27. Juli wurden vier Juden aus Kirf, zwei aus Freudenburg und Marianne Elikan aus Saarburg ins Ghetto Theresienstadt transportiert. Nach Auschwitz wurden am 1. März 1943 acht Juden aus Saarburg, fünf Juden aus Kirf und zwei Juden aus Freudenburg deportiert. Für den Transport vom 16. März 1943 ist kein Jude mehr aus dem Gebiet der heutigen Verbandsgemeinde registriert. itz