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Wenn St. Martin nicht zu den Franzosen kommt ...

Mit selbst gebastelten Laternen unternehmen die Kinder der Grundschule Beurig gemeinsam mit ihren französischen Freunden aus Sarrebourg einen Martinsumzug. TV- Foto: Herbert Thormeyer
Mit selbst gebastelten Laternen unternehmen die Kinder der Grundschule Beurig gemeinsam mit ihren französischen Freunden aus Sarrebourg einen Martinsumzug. TV- Foto: Herbert Thormeyer
Saarburg-Beurig. St. Martin, ein Fest, das Franzosen in der Form, wie es in Deutschland gefeiert wird, nicht kennen, war Thema des Treffs von französischen Grundschülern mit ihren Altersgenossen in der Grundschule Beurig. Sprachkompetenz wird diesseits und jenseits der Grenze vermittelt.

Saarburg-Beurig. "Ich geh\' mit meiner Laterne ..." Scheinbar mühelos sangen französische Zweit- und Drittklässler beim Partnerschaftstag in der Grundschule St. Marien Beurig dieses Martinslied mit.
Mit selbst gebastelten Martinslaternen wurde ein kleiner Martinsumzug veranstaltet und die Geschichte des Heiligen zweisprachig in einem Rollenspiel nachgestellt.
Seit drei Jahren ist die Grundschule St. Marien Beurig offiziell eine Bilinguale Schule. "Bis zu zwölf Stunden pro Woche gibt es bei uns Unterricht, in dem nur Französisch gesprochen wird", erklärt Schulleiter Walter Bach. Zum Partnerschaftstag begrüßte er seinen Kollegen Daniel Christoph von der Ecole Les Vosges aus Sarrebourg, der mit 50 Grundschülern angereist war. "Die Frage, warum muss ich Französisch lernen, wird hier schnell beantwortet", so Bach, denn die Kinder merken direkt, dass eine Verständigung sonst nicht möglich ist.
Die Zusammenarbeit beider Schulen, die eine lange Freundschaft verbindet, geht jedoch über die reine Sprachkompetenz hinaus. "Wir vermitteln auch die Kulturen", sagt Schulleiter Christoph. Das Thema St. Martin komme beispielsweise in Frankreich nur noch in Grenznähe vor. Sonst gebe es so gut wie keine Heiligenfeste. Die Bräuche des jeweils anderen zu verstehen, sei auch Friedenserziehung.
"Die Beuriger Grundschule pflegte bereits intensive Kontakte zur französischen Garnison und deren Schule, wo auch am dortigen Unterricht teilgenommen wurde", erinnert Konrektorin Viola Dellerie. Aus dieser Tradition heraus sei Beurig prädestiniert für den zweisprachigen Unterricht.
Die Eltern tragen das Konzept mit. Die Mutter von Laila (7), Marita Maximini, sagt: "Ich bin begeistert von diesem Angebot. Das muss genutzt werden." Das sei doch gerade im Dreiländereck besonders wichtig.
Im dritten Schuljahr haben die Kinder zehn Stunden Unterricht in französischer Sprache. "Am besten eignen sich dafür Sport, Musik und Kunst", weiß Austauschlehrerin Maud Lecomte. Aber auch Mathematik und Sachunterricht laufen in der Fremdsprache ab.
"Es geht darum, das Sprachgefühl zu stärken. Die Grammatik kommt später in der weiterführenden Schule", nennt Schulleiter Bach das Ziel. Hörverstehen, Sprechen, Handeln und Darstellen sollen geübt werden.
Und so sangen, tanzten und bastelten die Kinder zusammen und verstanden sich prima. Die deutsch-französische Freundschaft beginnt in Beurig mit ganz jungen Jahren. doth