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Dorfentwicklung
Wilde Wasser kippen Baugebiet

Wasserschlacht in der Hexennacht: Was hier durchgelaufen ist, hätte schon das Baugebiet Halstenberg in 
Mitleidenschaft gezogen.
Wasserschlacht in der Hexennacht: Was hier durchgelaufen ist, hätte schon das Baugebiet Halstenberg in Mitleidenschaft gezogen. FOTO: Herbert Thormeyer
TRASSEM. Ortsgemeinderat Trassem verabschiedet sich wegen Schlammlawinen vom Standort Halstenberg und favorisiert eine Alternative.

In der Nacht zum Montag suchte ein Unwetter der besodners heftigen Art Trassem heim. Schlammfluten ergossen sich vom Halstenberg aus in den Ort (der TV berichtete). Gerade dort sollte ein Neubaugebiet entstehen, was jetzt zu heftigen Diskussionen von Bürgern und Ortsgemeinderäten führte. Rund 50 von den Fluten betroffene Bürger sind zur Sitzung gekommen und wollten wissen, was gegen künftigen Starkregen unternommen und ob dort oben tatsächlich an dem Neubaugebiet festgehalten wird.

Denn es gibt eine Alternative: Das Perdenbacher Gewann kann in Richtung Saarburg erweitert werden, mit ebenfalls rund 40 Baustellen – wie oben auf dem Berg – aber ohne die Gefahr einer Sturmflut.

„Das ist für mich eine sehr emotionale Sitzung angesichts dieses Unwetters. Da geht es auch um wichtige Weichenstellungen für unseren Ort“, schickte Ortsbürgermeister Roland Konter voraus. Er selbst habe in der Nacht zum Montag mitgeholfen, danke aber auch allen anderen, vor allem Feuerwehr und THW für die schnelle und wirksame Hilfe. Der Ortschef fügt hinzu: „Wenn wir als Gemeinde helfen können, bitte melden.“

Was normalerweise in Ratssitzungen unüblich ist, die Zuschauer bekamen Rederecht, denn hier hatte sich viel aufgestaut. Seit 14 Jahren wird über die Starkregengefahren diskutiert. Jetzt, als es darum ging, sich zwischen den beiden Baugebieten Halstenberg und Perdenbacher Gewann II zu entscheiden, setzte die Natur ein deutliches Zeichen.

Nils Osterwalder vom Bauamt der Verbandsgemeindeverwaltung zeigte Vor- und Nachteile beider Flächen auf.

Das Planungsbüro Hömme GbR aus Pölich ist von der Verbandsgemeinde Saarburg mit einem Gesamtkonzept der Oberflächenentwässerung beauftragt. In einer Stellungsnahme heißt es: „Die bebaute Ortslage weist eine hohe Gefährdungswahrscheinlichkeit durch wild abfließendes Wasser und Ausuferung von Fließgewässern auf. Kalsbach, Kehrbach und Sprenkelbach verursachen ein gleichzeitiges Zusammentreffen der Wassermassen. Empfohlen wird die Prüfung von alternativen Standorten eines Neubaugebietes.“

„Noch in der Nacht habe ich das Büro Hömme angerufen“, sagt Ortschef Konter. Die Einschätzung: Das Baugebiet auf dem Berg würde die Situation weiter verschärfen. „Das Gebiet Perdenbacher Gewann II ist viel leichter zu entwässern, weil es unterhalb nur das unbebaute Leukbachtal gibt“, erklärt indes Städtebauer Osterwalder. Hier müsse nur der Flächennutzungsplan fortgeschrieben werden.

In der Erschließung ist das Baugebiet, das einfach das Perdenbacher Gewann erweitert, laut Büro Boxleitner mit 3,65 Millionen Euro im Vergleich zum Halstenberg mit 3,278 Millionen Euro kaum teurer. „Der Halstenberg kommt mit 142 Euro und Perdenbach mit 111,5 Euro pro Quadratmeter zur Kostendeckung“, rechnet Paul Loch von der Grundstücksverwaltung vor.

Wolfgang Benter von der CDU-Fraktion stellt fest: „Perdenbach ist günstig und unproblematisch, der Halstenberg hat ein hohes Gefahrenpotenzial.“

Die von der Flut betroffene Marietta Scheid lädt ein, sich das Schlammassel mal anzuschauen: „Das ist jetzt das dritte Mal. Das geht an die Existenz.“

Verwaltungschef Jürgen Dixius rät dringend, das Hochwasserschutzkonzept für die gesamte Verbandsgemeinde abzuwarten, denn es gebe viele Gefahrenpunkte: „Am 19. März 2019 gibt es dazu einen Workshop mit den Bürgern.“ Es müsse aus Fehlern gelernt und tief in den Boden hineingeschaut werden, denn es besteht die Gefahr von Hangrutschungen. Die Vorlage eines Gesamtkonzeptes sei wichtig, damit EU-Gelder als Zuschüsse fließen. Anlieger Dietmar Schwarz weiß aus Gutachten: „Auf dem Halstenberg gibt es eine Quell-Lehmschicht ohne Versickerung, die abrutschen kann.“

Schließlich bekommt der Plan, auf dem Halstenberg ein Baugebiet zu erschließen, vier Neinstimmen bei sechs Enthaltungen. Für das Perdenbacher Gewann stimmen vier Ratsmitglieder und erneut enthalten sich sechs. Sechs Räte stimmten wegen Befangenheit nicht mit. Die Entscheidung fand einen erleichterten Applaus der Zuhörer.

Die SPD fordert mit ihrem Sprecher Bernd Koewenig eine zeitnahe Untersuchung der Schwachstellen im Hochwasserschutz von Trassem und Sofortmaßnahmen: „Hier steckt die Angst drin, das Wasser kommt wieder.“ „Das Fachbüro Hömme war bereits vor Ort“, sagt Ortschef Konter. Bürgermeister Dixius fügt hinzu: „Genehmigungsfähige Maßnahmen können vorgezogen werden.“ Die Verwaltung wolle die Ortsgemeinde unterstützen.

Zuschüsse für die Neugestaltung des Dorfplatzes, der 150 000 Euro kosten soll, verspricht sich Trassem aus dem Dorferneuerungsprogramm mit Dorfmoderation. Auch hier sind die Bürger zur Mitarbeit aufgefordert. Die Anerkennung als Schwerpunktgemeinde soll beantragt werden.