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Wilder Westen im Osten von Trier

Reiten in Winnetou II: Christoph Haag, Silvia Haag, Reinhold Schomer und Rüdiger Lamberty (von links) sind mit ihren Pferden bei den Pluwiger Karl-May-Spielen dabei, der kleine Marvin Scherf (im Vordergrund) spielt einen Cowboy. Foto: Christiane Wolff
Reiten in Winnetou II: Christoph Haag, Silvia Haag, Reinhold Schomer und Rüdiger Lamberty (von links) sind mit ihren Pferden bei den Pluwiger Karl-May-Spielen dabei, der kleine Marvin Scherf (im Vordergrund) spielt einen Cowboy. Foto: Christiane Wolff
PLUWIG. Mehr als 130 Cowboys, Soldaten und Indianer – davon 25 Kinder –, 25 Pferde, drei Kutschen-Gespanne, original-getreue Kostüme und Kulissen und viel Herzblut: Heute feiern die Pluwiger Karl-May-Freunde ihre Winnetou-II-Premiere. Von unserer Redakteurin <br>CHRISTIANE WOLFF

Mächtig überragen die beiden acht Meter hohen Holz-Wachtürme das Fort "New Brava". Massive, spitz zulaufende Baumstämme bilden eine über sechs Meter hohe und 30 Meter lange Wand, die Soldaten und "Weiße" vor den Indianern schützen soll. 2,5 Kilo Perlen, 8000 Arbeitsstunden

In der anderen Ecke der großen Freifläche haben die "Rothäute" drei große Wohn-Tipis aufgeschlagen. Weiter links schließt sich die Stadtszenerie an: Saloon, Gemischtwaren-Laden, Schmiede und Scheune, verbunden durch eine hölzerne Veranda. Pferdetränke, Wagenräder, Öllampen und andere original-getreue Utensilien vervollständigen die Wild-West-Szene aus dem Amerika des 19. Jahrhunderts. "Um das alles aufzubauen und herzurichten, haben in den vergangenen drei bis vier Monaten rund 50 Leute regelmäßig hier gearbeitet, 8000 Arbeitsstunden könnten da schon drin stecken", sagt Ernst Witz, Erster Vorsitzender der Karl-May-Freunde Pluwig. "Winnetou II" steht diesmal nach "Der Schatz im Silbersee" (2001) und "Winnetou I" (2003) auf dem Spielplan des Vereins. Ein großer Erfolg waren die Spiele bereits im ersten Jahr, mittlerweile sind sie fester Bestandteil im Kulturprogramm des Pluwiger Sommers. "Wir haben unsere Kapazitäten erweitert", erzählt Witz stolz und weist auf die professionelle Tribüne. "Die haben wir bei einer Spezialfirma in Heilbronn gemietet, hier in der Gegend haben wir nichts Adäquates bekommen." 1200 Besucher fassen die langen, übereinander angebrachten Stuhlreihen, deren Miete mehr als 30 000 Euro verschlungen hat. Eingefasst wird die Bühne von einer Trockensteinmauer. Fort, Tribüne und Mauer waren die großen Kostenpunkte für den Verein in diesem Jahr. Die zehn Vorstellungen sind dafür nahezu ausverkauft. "Wenn wir Glück haben, kommen wir auf Null raus", sagt Silvia Haag von der Kavallerie.Hinter den Kulissen sitzt Irene Dill aus Trier-Irsch und wartet darauf, von Margret Thonet für die Generalprobe geschminkt zu werden. Zwar wird sie als Ribbanah, Old Surehands indianische Frau, in der zweiten Szene erschossen. In das Kostüm hat sie trotzdem ihr ganzes Herzblut gesteckt: Über 2,5 Kilo blaue, weiße und rote Miniperlen hat sie auf den Kragen ihres Leder-Ponchos genäht. "Alles nach Original-Vorlagen aus historischen Fachbüchern", sagt sie. Auch Winnetou verdankt ihr seine bestickte Perlentunika. "Vier Monate lang habe ich jeden Tag eine Stunde lang gestickt", erzählt die junge Frau.Explosionen von Experten

Zur Vorbereitung hat der Verein Fahrten zu den beiden Karl-May-Profibühnen in Elspe und Bad Segeberg unternommen. "Die schauspielern zwar professioneller, aber mehr Herzblut steckt bei uns drin", sagt Witz. Hinter der Freilichtbühne ragt der still gelegte Pluwiger Steinbruch beinahe senkrecht nach oben. Auf halber Höhe klettert Michael Oberhausen im Fels herum, um die Pulverkapseln anzubringen, die bei der Vorstellung explodieren und Einschusslöcher simulieren sollen. Um die aufwändige Pyrotechnik installieren zu dürfen, hat sich Tierarzt Conny Faißt aus Bescheid extra zum Spezialisten ausbilden lassen. Für den Fall der Fälle – schließlich explodiert ein Öllager mit einer beinahe zehn Meter hohen Stichflamme – steht hinter den Kulissen die Pluwiger Feuerwehr bereit.Für die Vorstellungen am 29. und 31. Juli sind noch Karten bei der Haar-Vitrine Thonet, Konstantinstraße 15, Trier, Telefon 0651/75432, und bei der Provinzial-Filiale, Wilzenburger Straße 26, Pluwig, Telefon 06588/99024, erhältlich. Erwachsene zahlen zehn Euro, Kinder sieben Euro. Achtung Autofahrer: Während der Vorstellungen am 16., 17., 22., 23., 24., 29., 30. und 31. Juli, jeweils ab 19 Uhr, ist die K 63 zwischen Raulsmühle und der Einmündung Pluwigerhammer für den Durchgangsverkehr gesperrt.