Nach Vorfällen in St. Wendel und Schiffweiler Serie nimmt kein Ende – Staatsschutz ermittelt wegen Nazi-Gesängen in Saarbrücken

Gleich zweimal hat die Polizei in Saarbrücken am Samstag eingreifen müssen, weil auf Privatfeiern ein Lied mit mutmaßlich volksverhetzendem Text angestimmt wurde. Darum ist auch der Staatsschutz eingeschaltet – wie zuvor schon in St. Wendel und Schiffweiler.

 Weitere Ermittlungen wegen rechtsextremer Gesänge jetzt in Saarbrücken. (Symbolbild)

Weitere Ermittlungen wegen rechtsextremer Gesänge jetzt in Saarbrücken. (Symbolbild)

Foto: dpa/Hendrik Schmidt

Unrühmliches Wochenende im Saarland: Denn die Polizei hat gleich mehrfach an verschiedenen Orten eingreifen müssen. So sollen Menschen wiederholt mit Nazi-Gegröle und rechtsextremen Symbolen auf sich aufmerksam gemacht haben. Nach Vorfällen in St. Wendel und Schiffweiler soll es am Samstag, 15. Juni, gleich zweimal Saarbrücken getroffen haben. Das berichtet ein Sprecher der Polizei auf SZ-Anfrage. Wie schon zuvor seien die Vorfälle in der Landeshauptstadt nun auch Angelegenheit beim Staatsschutz, der sich um Straftaten im Zusammenhang mit Rechtsextremismus befasst.

Polizei greift in zwei Fällen in Saarbrücken ein

Demnach mussten Ermittler in den Saarbrücker Stadtteilen Eschberg und Kieselhumes einschreiten. In beiden Fällen sei ein Partyhit angestimmt worden. Der eigentlich harmlose Song „L’amour toujours“ von Gigi D’Agostino sei zum wiederholten Male mit einem fremdenfeindlichen Text versehen und lautstark zum Besten gegeben worden. So sollen die Gäste zweier Privatfeten den Refrain „Ausländer raus! Deutschland den Deutschen!“ geschmettert haben, was bis auf die Straße zu hören war.

Im ersten Fall, der sich gegen 15.30 Uhr zugetragen haben soll, sei Beamten selbst der verfassungsfeindliche Gesang aufgefallen. Sie sollen bei einer Streifenfahrt an einer Wohnung am Eschberg vorbeigekommen sein, als dort gut vernehmbar die zu beanstandeten Zeilen gesungen wurden. Als Polizisten an der Tür klingelten und den Gastgeber darauf ansprachen, widersprach er: Das Musikstück sei zwar gespielt worden. Doch sollen seine Gäste keineswegs solch Zeilen von sich gegeben haben.

Bereits zuvor rechtsextreme Vorfälle in St. Wendel und Schiffweiler

In einem weiteren Fall habe die Polizei einen Hinweis von einem Passanten erhalten. Demnach soll sich ähnliches auf dem Kieselhumes abgespielt haben. Gegen 17 Uhr alarmierte der Zeuge die Beamten. Er habe sich dadurch angegriffen gefühlt, weil er selbst einen Migrationshintergrund habe. Als Ermittler bei der Fete vorbeischauten, wollen die dort Feiernden von alldem nichts gewusst haben.

Bereits am Freitagabend und in der Nacht auf Samstag war es zu ähnlichen Zwischenfällen gekommen. In der nordsaarländischen Kreisstadt St. Wendel sollen nach Polizeiangaben in der City junge Leute unter anderem den rechten Arm zum Hitler-Gruß gestreckt haben. Dies ist auch auf einem Videomitschnitt zu sehen. Die Aufnahmen liegen der SZ-Redaktion vor. In einer Kneipe in Schiffweiler stimmten Kunden ebenfalls Schmähgesänge auf den selben Titel an. In diese beiden Fällen stehen insgesamt zwölf Tatverdächtige im Fokus des Staatsschutzes.

Video zeigt grölende Jugendliche mit fremdenfeindlichem Gesang

Der Titel des international bekannten DJs Gigi D’Agostino hatte es kürzlich abermals zu großer Bekanntheit gebracht. Allerdings auf eher zweifelhafte Verbreitung: Denn junge Leute hatten auf der deutschen Ferieninsel Sylt ein Handy-Video im Internet publiziert, welches sie zeigte, als sie die rechtsextremen Zeilen sangen. Seitdem ermittelt die Polizei auch gegen diese Urheber. In allen Fällen lautet der Vorwurf: Volksverhetzung und Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen. Das Gesetz sieht in solchen Fällen bis zu drei Jahre Gefängnis oder Geldstrafe vor.

(hgn)