Nach Skandal-Video von Sylt FCS-Fans sollen rassistische Gesänge auf St. Johanner Markt in Saarbrücken angestimmt haben

Saarbrücken · Ähnlich wie in der Nobelbar auf Sylt sollen auch in Saarbrücken Rassismus-Gesänge auf einen bekannten Partyhit angestimmt worden sein. Die Staatsanwaltschaft hat eine Gruppe von Anhängern des 1. FC Saarbrücken im Visier.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach zwei mutmaßlich ausländerfeindlichen Vorfällen in der Saarbrücker Innenstadt wegen des Verdachts der Volksverhetzung. Gegen 17.30 Uhr am Samstag soll eine achtköpfige Gruppe von FCS-Fans am St. Johanner Markt vor einer Kneipe laut Staatsanwaltschaft zu der Melodie des Partyhits „L’amour toujours“ zunächst „Homburger raus“ und dann „Ausländer raus“ gesungen haben. Der FCS hatte zuvor das Saarlandpokal-Finale gegen den FC Homburg gewonnen.

Zweiter Vorfall in der Lebacher Straße

Auf die Melodie des Liedes waren zuletzt in einer Nobelbar in Sylt rassistische Gesänge gegrölt worden, was bundesweit Empörung ausgelöst hatte.

Bereits gegen 15.40 Uhr sollen laut Staatsanwaltschaft in der Lebacher Straße in Saarbrücken an einem Stand der Linksjugend zwei Personen aus einem vorbeifahrenden Auto – beide in FCS-Fankleidung – gerufen haben: „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus!“ Die Staatsanwaltschaft spricht von „zwei Sachverhalten mit möglicherweise ausländerfeindlichem Hintergrund“.

Innenminister kündigt „volle Härte des Gesetzes an“

Der saarländische Innenminister Reinhold Jost (SPD) sagte: „Fremdenfeindliche Parolen und jede Art von Rassismus hat in unserer Gesellschaft absolut keinen Platz. Wer Nazi-Parolen grölt und verfassungsfeindliche Symbole trägt und diese zur Schau stellt, muss mit der vollen Härte des Gesetzes rechnen.“

Der Saarbrücker Oberbürgermeister Uwe Conradt (CDU) erklärte: „Die Vorwürfe, von denen wir aus den Medien erfahren haben, müssen schnellstmöglich aufgeklärt werden. Saarbrücken ist eine weltoffene Stadt. Rassismus hat bei uns keinen Platz.“

Die Grünen-Landesspitze forderte eine „konsequente Aufklärung und Ahndung dieser Vergehen“. Die Ereignisse von Sylt und jetzt auch von Saarbrücken hätten gezeigt, dass die Hemmschwelle, rassistische Aussagen unverhohlen zu skandieren, enorm gesunken sei. „Das kann nicht toleriert werden“, so die Landesvorsitzenden Jeanne Dillschneider und Volker Morbe.

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