1. Region

Saarlouis: Ford will nur bis zu 700 Jobs erhalten​

Bekanntgabe auf Betriebsversammlung : Ford will nur bis zu 700 Jobs in Saarlouis erhalten

Ford hat angekündigt bis zu 700 Mitarbeiter am Standort Saarlouis zu erhalten. Das ist Mitarbeitern, Betriebsrat und Landesregierung aber deutlich zu wenig.

Beim Autobauer Ford könnten nach jetziger Planung noch 500 bis 700 Mitarbeiter einen Arbeitsplatz in Saarlouis behalten, wenn der US-Autobauer das Werk 2025 schließt. Darüber hinaus wird den Saarlouiser Beschäftigten angeboten, zum Kölner Ford-Werk zu wechseln. Das teilte Martin Sander, Vorsitzender der Geschäftsführung der Ford-Werke, nach der Betriebsversammlung mit, die am Mittwoch in Saarlouis stattfand. Für das Ford-Management sprach jedoch Personaldirektor Rainer Ludwig, der den rund 3000 Teilnehmern dieses Angebot ebenfalls unterbreitete.

Das sind die aktuellen Planungen von Ford in Saarlouis

Das Gelände auf dem Saarlouiser Röderberg gehört Ford. In der Autofabrik selbst arbeiten noch 4600 Frauen und Männer, im angeschlossenen Zulieferpark weitere 1500. Nach den jetzigen Planungen will Ford das Saarlouiser Werk im Jahr 2025 dicht machen. Ab dann sollen dort keine Autos mehr gebaut werden. Derzeit laufen dort täglich rund 800 Ford Focus vom Band.

Zusammen mit der Landesregierung, dem Betriebsrat und einer speziell eingerichteten Arbeitsgruppe (Task Force) ist Ford „weiter auf der Suche nach potenziellen Investoren“, schreibt Sander weiter. „Es gibt bereits Interessenten, die sich das Werk schon angeschaut haben oder dies noch tun werden“.

Für den Saarlouiser Betriebsratsvorsitzende Markus Thal ist das Ford-Angebot von bis zu 700 Arbeitsplätzen zwar „ein Schritt in die richtige Richtung“. Es sei allerdings viel zu wenig. „Offen ist nach wie vor, was Ford am Ende zur Verfügung stellt und was in potenzieller Investor beisteuern muss“, nennt er als Beispiele. Thal erwartet in den kommenden Monaten konkrete Ergebnisse. Die nächste Betriebsversammlung ist für den 12. Dezember terminiert. „Bis dahin muss der Kompass für das erste Halbjahr 2023 in die richtige Richtung zeigen“. Der Betriebsrat sei zu konstruktiven Verhandlungen bereit. „Doch wenn das Ergebnis nicht stimmt, werden wir kämpfen. Wir haben den Finger am Abzug.“

Thal fürchtet Abfindungstaktik von Ford in Saarlouis

Thal warnt Ford auch vor einer Salamitaktik und davor, die Leute in größerer Zahl mit Abfindungen nach und nach aus dem Betrieb zu locken, um das Werk allmählich auszutrocknen. „Wenn dieses Taktik gefahren wird, werden wir uns zu wehren wissen.“ Abfindungen würden ausschließlich im Rahmen eines Sozialtarifvertrags ausgehandelt. Diese Verhandlungen über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan könnten jedoch erst aufgenommen werden, wenn offiziell eine Betriebsänderung – beispielsweise eine Aufspaltung oder Schließung – beschlossen worden sei. Derzeit stehe die Mannschaft weitgehend zusammen. In diesem Jahr hätten erst rund 50 Frauen und Männer das Unternehmen gegen das Zahlen einer Abfindung verlassen.

Vom Land erwartet Thal, „dass es weiter den Investorenprozess steuert“. Er hofft außerdem auf Mittel aus dem drei Milliarden Euro schweren Transformationsfonds, den das Land für Vorhaben der Industriepolitik, Infrastruktur und Innovation auflegen will. Enttäuscht zeigte er sich von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Diese habe auf das Hilfeersuchen seitens der EU lediglich antworten lassen, dass es sich bei der Werksschließung von Ford um eine unternehmerische Entscheidung handele. „Von dieser Antwort waren unsere Leute sehr enttäuscht.“

Rehlinger: „Wir entlassen Ford nicht aus der Verantwortung“

Die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD), die auf der Betriebsversammlung sprach, versicherte den Ford-Mitarbeitern, dass „die Landesregierung gemeinsam mit den Beschäftigten kämpft“. Das Ziel sei klar: „So viele Arbeitsplätze am Standort nach 2025 wie möglich. Dafür entlassen wir Ford nicht aus der Verantwortung.“ 50 Jahre lang hätten die Beschäftigten in Saarlouis dem Konzern enorme Profite erwirtschaftet, „deshalb wird die Verantwortung von Ford eigentlich in tausenden gemessen werden und nicht in Hunderten Arbeitsplätzen“, sagte Rehlinger.

„Ford kann ein Baustein für eine Zukunft am Standort sein, wenn die Konzepte tragfähig sind.“ Zugleich würde das Land Gespräche mit Investoren führen, „die sich für den hervorragenden Standort und die Fachkräfte hier interessieren“. Rehlinger: „Wir sind heute nur an einem Zwischenschritt eines langen Marathons, um Arbeitsplätze am Standort Saarlouis zu sichern.“ Auch Ford-Geschäftsführer Sander sagte, „dass wir noch einen großen Teil des Weges vor uns haben“. Positiv sei, dass die Zahl der Bestellung wieder wachse, seitdem im September die Auftragsbücher für den Focus wieder vollständig geöffnet seien. Wegen fehlender Teile konnte die Fertigung seit geraumer Zeit nur noch phasenweise laufen.

Die allermeisten Mitarbeiter, die das Ford-Gelände nach der Betriebsversammlung durch das Haupttor verließen, wollten sich nicht vor der Presse äußern. „Ist doch eh immer das gleiche“, rief so etwa ein junger Mann im Vorbeigehen und winkte ab.

„Sie haben nicht das gesagt, was wir hören wollen, wir wollen, dass es weitergeht“, erklärte Björn Kratz. Die Aussicht, dass Ford nach 2025 nur 500 bis 700 Arbeitsplätze erhalten will, ist für den Mitarbeiter Hohn: „Das ist doch Quatsch. Wie kann man so eine Zahl in den Raum werfen“, ärgerte er sich.