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Archiv April 2020: Scharfe Kritik an Biotüten-Studie

Archiv April 2020 : Scharfe Kritik an Biotüten-Studie

Interessengemeinschaft zweifelt an Seriösität von Abfall-Zwischenbilanz.

Die Interessengemeinschaft Biotonne hat erneut Kritik an der regionweiten Einführung der Biotüten geäußert und einen umgehenden Stopp des sogenannten Modells Trier Plus gefordert. Die Biotüte habe bei den Bürgern keine Akzeptanz, zudem seien die hygienischen und seuchenhygienischen Zustände an den Standorten nicht tolerierbar, heißt es in einer Mitteilung.

Die Initiatoren üben darin scharfe Kritik an einer kürzlich vorgestellten Studie des Witzenhausen-Instituts im Auftrag des Abfallzweckverbands ART, die dem Biotüten-System ein gutes Zwischenzeugnis ausgestellt hat. Danach liegt der Zweckverband mit den Prognosewerten für dieses Jahr „im mittleren Bereich der Erfassungsleistung einer Biotonne“, wie es Mitte März in einer ART-Versammlung hieß. Die Botschaft, die davon ausging: Alles im grünen Bereich, die Biotüte kann die Biotonne ersetzen.

Genau das bezweifelt die Interessengemeinschaft. Laut Sprecherin Ingrid Wesseler ist die wissenschaftliche Evaluation „einseitig, unvollständig, nicht repräsentativ“ und weise somit erhebliche Mängel auf. Zudem seien die Kosten für das Tütensystem exorbitant gestiegen und inzwischen auf einem Niveau, um eine flächendeckende Biotonne zu finanzieren.

In der Region Trier gilt seit diesem Jahr ein neues Gebührensystem. Danach sind in der jährlichen Grundgebühr nur noch 13 Leerungen der Restmülltonne enthalten. Wer die Tonne häufiger entleeren lässt, muss dafür extra zahlen. Seitdem schnellen auch die Sammelquoten beim Bioabfall in die Höhe. Diesen Januar wurden 400 Prozent mehr Speisereste und Küchenabfälle über die Sammelcontainer entsorgt als zwölf Monate zuvor.

Vor allem in der Vulkaneifel sind dennoch viele Bürger gegen das Bringsystem mit den Biotüten und fordern eine Rückkehr zu den Biotonnen, die vor der Haustüre abgeholt werden. Die Biotonnen gab es dort nahezu zwei Jahrzehnte, sie wurden aber aufgrund der Vereinheitlichung im gesamten ART-Gebiet wieder abgeschafft.

Nun sieht es so aus, als würden die Biotonnen in der Vulkaneifel wieder eingeführt. Rechtlich ist ein solcher Alleingang zumindest für eine Übergangszeit möglich. Die Interessengemeinschaft geht derweil davon aus, dass das Modell Trier Plus dem Kreislaufwirtschaftsgesetz widerspricht und damit auf rechtlich wackeligen Beinen steht.