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Katholische Kirche
Scharfe Kritik an Trierer Bistumskritikern

Mit einer Plakataktion haben die Kritiker der Bistumsreform am 12. September vor dem Trierer Dom eine große Demonstration im Oktober angekündigt. Nun formiert sich Widerstand gegen den geplanten Protest.
Mit einer Plakataktion haben die Kritiker der Bistumsreform am 12. September vor dem Trierer Dom eine große Demonstration im Oktober angekündigt. Nun formiert sich Widerstand gegen den geplanten Protest. FOTO: TV / Roland Morgen
Trier. Ein Dechant wirft der Inititiative für Pfarreienerhalt vor, Lügen und Halbwahrheiten zu verbreiten. Von Rolf Seydewitz

Gegenwind für die bistumskritische Interessengemeinschaft Kirchengemeinde vor Ort: Die Mitglieder der vom Bistum Trier zur Synodenumsetzung eingerichteten Teilprozessgruppen haben die Interessengemeinschaft scharf kritisiert. „Unsere Arbeit wird diskreditiert, da werden Halb- und Unwahrheiten verbreitet“, sagte der Dechant von Birkenfeld, Clemens Kiefer, am Freitagnachmittag in Trier. Kiefer äußerte sich verärgert über ein vor einigen Tagen von der bistumskritischen Initiative verschicktes Schreiben an alle Pfarreien, in dem zur Teilnahme an einer Demonstration vor dem Trierer Dom aufgerufen wird.

Auch Generalvikar Ulrich von Plettenberg sagte, er sei verärgert über das Vorgehen der Interessengemeinschaft, weil er von der Demo – trotz mehrerer Gespräche mit Mitgliedern – aus dem Internet erfahren habe. Das Tischtuch sei aber nicht zerschnitten, so der Generalvikar und oberste Verwaltungschef des Bischofs.

Nach den Plänen des Bistums soll es ab dem Jahr 2020 in Deutschlands ältestem Bistum nur noch 35 Großpfarreien geben. Derzeit sind es noch 887 Pfarreien, die in 172 Pfarreiengemeinschaften organisiert sind.

Die einst im Altkreis Prüm gegründete Initiative will, dass die jetzigen Pfarreien mit ihren Vermögen – wenn vor Ort gewünscht – auch unter dem Dach der XXL-Pfarreien erhalten bleiben können. Weil ihre Appelle im Trierer Generalvikariat nicht den erhofften Erfolg gebracht haben, haben die Initiatoren am Samstag, 20. Oktober, eine großangelegte Protestaktion auf dem Domfreihof geplant (der TV berichtete). Bislang sollen sich nach Angaben der Initiative 222 Kirchengemeinden mit der Protestaktion solidarisiert haben. So wird beispielsweise mit Plakaten unter der Überschrift „Es ist fünf vor zwölf, um unsere Pfarreien vor dem Schlimmsten zu bewahren“ vor der Umsetzung der Bistumsreform gewarnt.

„Es ist nicht fünf vor zwölf, es ist fünf nach zwölf“, hält Reformbefürworter Clemens Kiefer dagegen, dass viele Gläubige vor Ort mit ihrem Denken längst weiter seien, als dies die Kritiker suggerierten. „Wir arbeiten mit viel Engagement mit den Ehrenamtlichen zusammen“, versucht auch Pastoralreferentin Sandra Jungbluth das Argument der Kritiker zu entkräften, in den zukünftigen XXL-Pfarreien blieben die Ehrenamtlichen weg. Kritik sei schön und gut, sagt die sich ehrenamtlich in der Kirche engagierende Hildegard Jakobs, aber man müsse offen sein für die Argument der Gegenseite: „Niemandem wird etwas weggenommen.“

Am heutigen Samstag wollen die zur Umsetzung der Synode eingesetzten elf Teilprozessgruppen unter anderem den Mitgliedern von Priester- und Katholikenrat ihre Vorstellungen über die Ausgestaltung der neuen Pfarreien der Zukunft unterbreiten. Eine definitive Entscheidung will das Leitungsgremium des Bistums am 19. Oktober und damit einen Tag vor der Demonstration fällen. Wahrscheinlich Anfang des Jahres beginnt die sogenannte Anhörungsphase.

Generalvikar Ulrich von Plettenberg unterstrich, dass man mit den neuen Großpfarreien auf jeden Fall am 1. Januar 2020 an den Start gehen werde. „Auch wenn ich noch nicht weiß wie“, fügte die rechte Hand von Bischof Stephan Ackermann hinzu. Heißt: Es gibt noch einige Unwägbarkeiten.

So hat die Interessengemeinschaft Kirchengemeinde vor Ort angekündigt, bei Auflösung der kleinen Pfarreien vor Gericht zu ziehen. Klagen vor dem Kirchengericht und vor Verwaltungsgerichten seien bereits ins Auge gefasst, sagt Initiativensprecher Harald Cronauer.

Beim Bistum gehen die Verantwortlichen naturgemäß davon aus, „dass rechtlich alles in Ordnung ist“, wie es der Generalvikar am Freitag formulierte.