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Schatzi: Junge Musiker aus Trier erscheinen bei Warner Music

Schatzi - Animalia Parc : Junge Trierer veröffentlichen Album bei einer der weltgrößten Plattenfirmen: Wie sie das geschafft haben

Ihr erstes Album wurde heute veröffentlicht und nun können die jungen Musiker von Schatzi aus Trier die deutsche Pop-Szene erfrischen. Warum sie keine Band im klassischen Sinn sind, und warum Pop-Musik nicht so wirklich das beschreibt, was sie so machen.

Schatzi, das Musikprojekt von Julian Schatz, Yannic und Jeremias Koch, geht in eine entscheidende Phase. Denn: Ihre Debüt-EP (Eine EP ist eine Art Mini-Album) mit Namen „Animalia Parc“ ist gestern erschienen. Die Trierer sind bei Downbeat Records, einer Tochter des Major-Labels Warner Music unter Vertrag. Das ist besonders, denn es kommt nicht oft vor, dass Musiker aus der Region bei einem großen Label erscheinen.

Aber wer sind sie, und was machen sie für Musik? Die drei Trierer sind so um die 20 Jahre alt und machen deutsche Pop-Musik. Aber so genau passt der Begriff nicht, meint Julian Schatz: „Genres sind immer schwierig, aber wir lassen das ganze unter ‚Pop‘ laufen. Da ist natürlich ganz viel Platz für Nische, Hip-Hop und Electro.“ Im Vorfeld habe man viel konzeptionelle Arbeit geleistet und im Team überlegt, was Schatzi ist und was Schatzi eben nicht ist. Und aus diesem Kosmos könne man schöpfen, sagt Jeremias Koch. Beeinflusst wurden sie aber nicht nur von Musik, sondern generell von Popkultur. Film und Theater, zum Beispiel, seien Inspirationen, sagt er. „Aber das ist natürlich alles intuitiv und veränderbar“, fügt sein Bruder, Yannic Koch, hinzu.

Eine klassische Rollenverteilung gebe es bei Schatzi übrigens nicht, erklärt Julian. „Wir machen alle alles ein bisschen“, sind sich die drei einig. Doch Julian singt vor allem, Yannic spielt die Gitarren ein und Jeremias ist für die Produktion zuständig. Aber wenn der eine mal bei was nicht weiterkomme, habe ein anderer dann die Idee, erklärt Julian. „Das ist ein lösungsorientierter Prozess, es geht dadurch schneller und wird auch spannender“, sagt er.

Die aufwendigen Musikvideos konzipieren sie zusammen mit ihrem Filmteam. Jeremias: „Dabei sind wir eine Art Kollektiv.“ Gedreht wird auch in der Region. „Lindsay“ zum Beispiel auf dem Kirchberg in Luxemburg, „Vroom“ in den Trierer Moselauen. „Wir suchen uns so die kleinen Diamanten hier in der Region heraus“, sagt Jeremias.

Generell profitierten sie auch von der Regionalität. Für das Video zu „Rita“ hätten sie ein Schloss finden wollen, dann wen gekannt, der wen kannte und konnten so schließlich im Schloss Lieser drehen, erzählt er.

Gegründet hätten sie sich für einen Bandwettbewerb in Trier, sagt Julian. „Wir haben vor allem ironisch daran teilgenommen, weil niemand mehr bei sowas mitmacht“, sagt er. Das sei dann auch das erste Mal gewesen, dass sie drei, die schon von Kindheit an Musik machen, zusammen auf der Bühne standen. „Das hat sich dann einfach sehr gut angefühlt und wir haben gedacht: Jetzt machen wir’s“, sagt er.

Um Musik zu machen, sind die drei dann nach Bordeaux gereist. Dort ist auch der Name für ihre EP entstanden. Jeremias erklärt: „Animalia Parc steht für ein Gefühl das wir dort hatten. In einem verlassenen Teil der Stadt gab es einen Tierpark, der so hieß. Wir waren zwar selbst nie dort, aber alle Schilder haben ständig darauf hingewiesen. Es war so unkonkret und vage.“ Julian ergänzt: „Es hatte was Mystisches. Es hätte ein Streichelzoo oder aber ein Löwengehege sein können.“

Gefühle spielen für die Musiker eine große Rolle. Dabei müssen das nicht unbedingt die eigenen sein. Mit jedem Song wollen sie vor allem das Bild eines Gefühls scharf zeichnen, sagt Jeremias. In den Liedern gehe es um Melancholie, um Sehnsucht, um die Suche und um Risse und Brüche im Leben und der Welt. Dazu nutzen sie viele Motive in ihren Songs. Autos, zum Beispiel, kommen in vielen Liedern vor. Yannic erklärt: „Das ist ein gutes Motiv fürs Unterwegssein. Wo hält man an, wo steigt man aus?“

Keine Fans sind die drei hingegen vom klassischen Verständnis einer Band. Da drehe es sich vor allem um Ego und die eigene Virtuosität, meint Julian. Bei ihnen ginge es nur um das Gesamtwerk. Man müsse sich ohnehin, so Jeremias, die Frage stellen, ob klassische Bands noch aktuell sind.

Auf jeden Fall starten sie jetzt mit ihrer ersten Veröffentlichung bei einem großen Label durch. Der Kontakt zu Warner Music sei durch Zufall zustande gekommen, sagt Julian. „Wir sind da zufällig durch unseren jetzigen Manager in die Berlin-Bubble reingeraten. Erste Labelgespräche gab es schon ein halbes Jahr nach Gründung“, erklärt er. Aber die Industrie sei klein, und wenn einer einen auf dem Schirm habe, dann wüssten eigentlich alle Bescheid. Die Drei hoffen nun vor allem darauf, dass viele Menschen ihre Platte hören und sie gut finden. Julian: „Wir kommen aus dem Nirgendwo, und das ist so die Basis.“

Wie es danach weitergeht? Jetzt seien sie auf jeden Fall wieder am schreiben, meint Julian. Und bald werde man auch Neues hören können. Ob noch eine EP oder direkt ein großes Album folgt, müssten sie dann schauen.