Schüsse aus der abgesägten Schrotflinte: Mordversuch von Osburg vor Gericht

Kostenpflichtiger Inhalt: Kriminalität : Schüsse aus der abgesägten Schrotflinte: Mordversuch von Osburg ab heute vor Gericht

Wegen Geldstreitigkeiten soll ein 55-jähriger Osburger zur Schrotflinte gegriffen und geschossen haben. Die Staatsanwaltschaft sagt, dass ein 35-Jähriger nur durch Glück mit dem Leben davonkam.

Weil er seinen Nachbarn mit einem Schuss aus einer abgesägten Schrotflinte beinahe getötet haben soll, muss sich ein 55-jähriger Mann aus Osburg (Kreis Trier-Saarburg) ab Donnerstag vor dem Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft hat den wegen Drogen- und Gewaltdelikten vorbestraften Mann wegen versuchten Mordes angeklagt.

Die Tat liegt inzwischen über zwei Jahre zurück. Das Ungewöhnliche an dem Fall: Von dem missglückten Mordanschlag auf das damals 35-jährige Opfer hatte in der knapp 2500-Seelen-Gemeinde Osburg fast niemand etwas mitbekommen, bis die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ Anfang dieses Jahres darüber berichtete. Dabei spielte sich die Tat nicht irgendwo in einer Seitenstraße ab, sondern mitten im Ort.

Dort schoss der lange Zeit unbekannte Täter in einer Nacht im August 2017 durch das Erdgeschossfenster eines Wohnhauses. Die aus kurzer Distanz abgefeuerten Schrotkugeln durchschlugen die Rollläden und das Fenster und drangen dann in die gegenüberliegende Wand des Zimmers ein.

„Pures Glück, dass der allein in dem Haus lebende Bewohner nicht getroffen wurde“, sagte der für den Fall zuständige Trierer Oberstaatsanwalt Eric Samel. Der 35-Jährige schlief zu dem Zeitpunkt auf dem Sofa. Samel spricht von einer „feigen, hinterhältigen Tat“.

Die Trierer Mordermittler gingen immer davon aus, dass der Täter die Örtlichkeiten und den Bewohner kennt. „Es ballert ja nicht einfach so jemand aus Spaß in ein Haus rein“, sagt der Oberstaatsanwalt im Vorfeld der Fernsehfahndung.

Trotzdem dauerte es lange, bis sie einen Verdächtigen festnehmen konnten. Nach Ausstrahlung des Falls  in der Sendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ gingen im Münchner Studie und bei der Polizei über 30 Hinweise und Emails ein. Eine Spur, die schließlich zum Täter führte, sei allerdings nicht dabei gewesen, sagte der Leitende Trierer Oberstaatsanwalt Peter Fritzen nach der Festnahme des Verdächtigen im März.

Nach Informationen unserer Zeitung kamen die Ermittler dem 55-Jährigen durch eine Zeugenaussage auf die Spur. Der mutmaßliche Täter soll die Schüsse einem Bekannten gegenüber eingeräumt haben. Er sitzt seit der Festnahme in Untersuchungshaft. Als mögliches Motiv wurden Geldstreitigkeiten genannt.

Ob der ebenfalls in Osburg lebende Verdächtige die zunächst geleugnete Tat inzwischen eingeräumt hat, ist nicht bekannt. Der Verteidiger des Angeklagten war im Vorfeld für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Für den Prozess am Trierer Landgericht sind zunächst vier Verhandlungstage angesetzt. Ob der Kronzeuge die seinerzeit von der Staatsanwaltschaft ausgelobten 5000 Euro Belohnung bekommt, ist noch ungewiss. Wie der Leitende Trierer Oberstaatsanwalt Peter Fritzen diese Woche unserer Zeitung sagte, wird darüber erst nach Abschluss des Strafverfahrens entschieden.

Mehr von Volksfreund