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Meinung : Schwarzfahrer sind keine Schwerverbrecher Ein Bußgeld für Fahren ohne Ticket reicht.

Meinung : Schwarzfahrer sind keine Schwerverbrecher Ein Bußgeld für Fahren ohne Ticket reicht.

Schwarzfahren, so heißt es, sei kein Kavaliersdelikt. Aber eine Straftat, für die man schlimmstenfalls gemeinsam mit Schwerkriminellen im Knast landen kann, ist es auch nicht. Doch genauso wird das Erschleichen von Beförderungsleistungen, wie das Fahren ohne gültigen Fahrschein im Amtsdeutsch heißt, behandelt. Ein Jahr Gefängnis droht, wenn man sich weigert oder nicht in der Lage ist, die fälligen 60 Euro zu zahlen. Es muss endlich Schluss damit sein, Schwarzfahrer zu Kriminellen zu machen. Zumal bei den meisten keine wirkliche kriminelle Energie vorhanden sein dürfte. Wer schon mal versucht hat, an einem Fahrkartenautomaten der Bahn (falls es überhaupt einen gibt) rasch ein Ticket zu ziehen und bei der Eingabe verzweifelt ist oder der Automat sich geweigert hat, das Geld zu schlucken, und man ohne Fahrkarte in den Zug sprintet, der weiß, wie schnell man zum Schwarzfahrer und damit zum Straftäter werden kann.

Das Fahren ohne Fahrschein soll nicht legalisiert werden. Es genügt aber, es als Ordnungswidrigkeit, wie das Überfahren einer roten Ampel oder das zu schnelle Fahren, einzustufen. Schwarzfahren wäre dann ein rechtswidriges Fehlverhalten, das Bußgeld kostet. Aber es wäre kein kriminelles Unrecht, keine Straftat mehr.

Es sind, wie der Prümer Amtsrichter Oliver Emmer richtig sagt, oft die armen Schlucker, die sich die nicht selten überteuerten Tickets für Bus und Bahn nicht leisten können. Doch wem hilft es, wenn ein Arbeits- oder Obdachloser für ein paar Monate eingesperrt wird, weil er ohne Fahrkarte unterwegs war und den sogenannten erhöhten Fahrpreis auch nicht bezahlen konnte?

Knast für Schwarzfahrer ist unverhältnismäßig. Zumal die Haft auch Kosten verursacht, rund 150 Euro pro Gefangenen und Tag. Und eine Gefängnisstrafe ist für ein solches Bagatelldelikt eher schädlich. Wer sich tatsächlich keine Fahrkarte für Bus und Bahn nicht leisten kann, der sollte nicht bestraft werden, dem sollte geholfen werden. Laut dem Sozialverband VdK Rheinland-Pfalz gibt es nicht wenige im Land, für die selbst ermäßigte Fahrkarten noch zu teuer sind. Der Verband warnt zu Recht davor, dass Mobilität nicht zum Luxusgut werden darf.

Daher muss nicht nur der Straftatbestand entkriminalisiert werden, gleichzeitig muss es auch in Rheinland-Pfalz endlich ein landesweites Sozialticket geben, das es ärmeren Menschen möglich macht, Busse und Bahnen zu nutzen.

b.wientjes@volksfreund.de