1. Region

Selbst hergestellter Virenschutz: Trierer Apotheker produziert Desinfektionsmittel

Gesundheit : Virenschutz für Ältere

Trierer Apotheker produziert jetzt selbst Desinfektionsmittel.

Desinfektionsmittel für die Handdesinfektion sind vielerorts seit Wochen vergriffen. Nachschub für Verbraucher gibt es derzeit schwerlich. Weder in Apotheken noch Drogerien.

Aus Kliniken wurde, als es noch keinen Besucherstopp gab, berichtet, dass vereinzelt die Spender mit den Desinfektionsmitteln entweder von einigen Zeitgenossen einfach komplett geleert oder sogar ganz gestohlen wurden.

Auch in Kliniken, Arztpraxen oder bei Rettungsdiensten oder der Polizei werden Desinfektionsmittel knapp. Kürzlich hat die Bundesstelle für Chemikalien den Apothekern erlaubt, Desinfektionsmittel herzustellen. Michael Raber, der in Trier zwei Apotheken betreibt, produziert seit Tagen mit seinen über 50 Mitarbeitern Händedesinfektionsmittel und füllt dieses in Fläschchen ab. 8000 davon will er produzieren. Einen Teil davon hat er unter anderem der Polizei zur Verfügung gestellt. Die anderen will er in Abstimmung mit den anderen Apotheken an Menschen geben, die besonders von der durch Corona verursachten Lungenkrankheit Covid-19 gefährdet sind. Zu diesen Risikogruppen gehören Ältere über 65 Jahren, aber auch Menschen mit Vorerkrankungen. Der Verlauf der Epidemie in China habe gezeigt, dass die Sterblichkeit in der Gruppe der über 60-Jährigen, die sich mit dem Virus infiziert haben, deutlich steige, sagt Raber. Der Apotheker wertet seit Wochen Statistiken, Berichte von Gesundheitsorganisationen und Fachveröffentlichungen zu dem Thema aus. Er geht davon aus, dass besonders über 80-Jährige, die sich mit Corona angesteckt haben, ein hohes Risiko haben zu sterben. Immerhin gehören fast sechs Millionen Deutsche zu dieser Altersgruppe.

Daher will er dazu beitragen, diese Personen zu schützen. Zwar überträgt sich Corona überwiegend durch Tröpfcheninfektion. Also per Niesen oder Husten. Bis zu zwei Meter weit können die Viren dann durch die Luft geschleudert werden und zu Ansteckungen führen. Daher ist es laut Raber eben wichtig, die entsprechenden Abstandsregeln einzuhalten. Und eben an die sogenannte Nies- und Hustenetikette (in ein Papiertaschentuch oder notfallsin die Armbeuge niesen) zu denken. Weil aber eben das Virus von den Händen auf die Schleimhäute übertragen wird, etwa in Mund, Nase oder Augen kommen kann, müsse ein solcher Infektionsweg möglichst verhindert werden. Daher sei Handhygiene so wichtig. Raber sagt: „Ausgiebiges Händewaschen, 30 Sekunden lang, mit Wasser und Seife ist noch immer der beste Schutz.“ Als zeitlichen Maßstab nennt er, zwei Mal komplett „Happy Birthday“ zu summen.

Doch nicht überall bestehe die Möglichkeiten, sich die Hände zu waschen. Etwa nach dem Einkaufen. Oder beim Benutzen eines Fahrstuhls. Doch genau dort lauern die Coronaviren, wenn auch nicht nur die. Bis zu zwölf Stunden kann der neuartige Virus auf Metall­oberflächen überleben. Dazu will er mit seinem von ihm hergestellten Desinfektionsmittel beitragen. Allerdings weist er auch darauf hin, dass es nicht notwendig ist, sich ohne Grund mehrmals täglich die Hände zu desinfizieren. „Wer das nicht professionell gelernt hat, schadet sich mehr damit, als dass es etwas nützt“, sagt Raber. Händedesinfektion sei aber für Angehörige der Risikogruppen seiner Ansicht wichtig als Schutz vor einer Infektion, wenn sie etwa einkaufen waren.

Daher verkauft er nun in seinen beiden Apotheken, St. Barbara und Mosel-Apotheke, sein Desinfektionsmittel. Aber eben nur an die, die zu den Risikogruppen gehören. Um das sicherzustellen, muss jeder, der ein Fläschchen haben will, die Kopie eines Ausweises einer über 65-jährigen Person mitbringen oder aber einen Nachweis, aus dem hervorgehe, dass man ein Risikopatient sei.

Raber ist sich bewusst, dass der Andrang vor seinen Apotheken groß sein wird. Mehr als 1000 Flaschen pro Tag sollen nicht abgegeben werden. Aber er ist überzeugt, dass er und sein Team, das derzeit fast Tag und Nacht an der Produktion arbeite, die Nachfrage stemmen kann.

Solange auch er noch ausreichend Nachschub an Industriealkohol, wie etwa Ethanol, bekommt. Für eine nicht unbeträchtliche Summe habe er sich einen Vorrat angelegt, sagt er. Der Apotheker, der auch Vorsitzender des Apothekenverbundes Invida ist, fordert, dass der Staat den für die Produktion von Desinfektionsmittel notwendigen Alkohol rationiert. Statt diesen für die Likörproduktion zu verwenden oder Sprit beizumischen, sollte er in der derzeitigen Ausnahmesituation ausschließlich für das verwendet werden, was momentan unbedingt gebraucht werde: Desinfektionsmittel.