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Sirene Warnung Katastrophenschutz BKK Flutkatastrophe

Kommentar : Die gute alte Sirene hat doch noch nicht ausgedient

Hand aufs Herz: Wie reagieren Sie, wenn Sie auf Ihrem Smartphone eine Meldung einer Warn-App bekommen? Ich nehme Sie zur Kenntnis und denke: Gut, dass ich gewarnt bin, aber vermutlich betrifft es mich eh nicht.

So wie vergangene Woche vor der Flutkatastrophe. Der Deutsche Wetterdienst hat mich – so wie die Millionen anderen Nutzer von Katwarn – vor Starkregen und Regenmengen von bis zu 200 Litern pro Quadratmeter gewarnt. Doch was sollte ich mit der Information anfangen? Was bedeutet das konkret: Starkregen und 200 Liter Regen? Dass dadurch ganze Ortschaften, Straßen oder Autos weggespült werden, dass es vielerorts danach wie im Krieg aussieht, das habe ich – wie wohl die meisten Empfänger der Warnung – nicht damit verbunden. Meldungen, wie sich die Menschen, in den betroffenen Orten verhalten sollen, wurden danach nicht mehr aufs Smartphone gesendet. Und genau darin zeigt sich die Schwäche des Warnsystems. Diejenigen, die nun sagen, es wurde doch gewarnt, haben recht. Aber mit den Warnungen kann der Otto-Normal-Smartphone-Nutzer nichts anfangen. Zumal – das muss man mal selbstkritisch sagen – der ständige Alarmismus auch vieler Medien, die ständige Warnung vor Rekord-Hitze, -Trockenheit, -Regen oder -Hochwasser die Menschen abstumpfen lässt. Warnungen werden nicht mehr ernst oder ernst genug genommen. Daher hätte im konkreten Fall in den betroffenen Gebieten, die alle Tage vorher exakt feststanden, eine Warnung vor Gefahren und Hinweise zum Verhalten erfolgen müssen.

Dafür muss das Warnsystem allerdings ausgebaut werden. Eine Erkenntnis, die seit fast einem Jahr bekannt ist, als nach dem völlig gefloppten bundesweiten Warntag klar war, dass es falsch ist, bei der Bevölkerungswarnung allein auf Warn-Apps zu setzen. Schon damals wurde gefordert, wieder auf die gute alte Sirene – allerdings in modernisierter Form – zu setzen. Passiert ist aber nichts.
b.wientjes@volksfreund.de