So kamen Fahnder Cyber-Bande in Traben-Trarbach auf die Spur

Kostenpflichtiger Inhalt: Verdeckte Ermittlungen : So kamen Fahnder der Cyberbande im Traben-Trarbacher Bunker auf die Spur

Neue Details zum Traben-Trarbacher Daten-Bunker: Die Polizei loggte sich heimlich in das illegale Rechenzentrum ein. Die Beschuldigten haben sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Mit verdeckten Ermittlungen im Internet kamen die Fahnder den Betreibern des Cyberbunkers in Traben-­Trarbach auf die Spur. Die Ermittler haben sich unter anderem in den Netzknoten des illegalen Rechenzentrums in dem ehemaligen Bundeswehrbunker am Rande der Moselstadt eingewählt und darüber dann heimlich den über die Server laufenden Internet- und Mailverkehr beobachtet, wie Oberstaatsanwalt Jörg Angerer, Leiter der Zentralstelle für Cyberkriminalität in Koblenz, unserer Zeitung mitteilte.  

Den Betreibern des Cyberbunkers wird vorgeworfen, das Rechenzentrum gegründet zu haben, um darüber wissentlich Seiten laufen zu lassen, auf denen unter anderem Drogen oder Kinderpornos angeboten wurden. Fahnder gaben sich wohl auch als Kunden einiger dieser Shops aus und bestellten dort illegale Waren.

Die Ermittler stehen unter Zeitdruck. Um den Beschuldigten nachzuweisen, dass sie das Rechenzentrum mit dem Ziel gegründet haben,  darüber wissentlich illegale Internetseiten laufen zu lassen, brauchen sie handfeste Belege. Spätestens im März kommenden Jahres muss den sieben seit Ende September in Untersuchungshaft sitzenden Hauptverdächtigen der Prozess gemacht werden. In der Regel darf eine Untersuchungshaft nicht länger als sechs Monate dauern.

Gelingt den Ermittlern nicht in dieser Zeit, die Vorwürfe gegen die insgesamt 13 Beschuldigten wasserdicht zu machen und eine Anklage zu verfassen, müssten die derzeit in Haft sitzenden Verdächtigen möglicherweise freigelassen werden. Bislang habe sich noch keiner der Beschuldigten, darunter auch der Käufer der Anlage am Rande von Traben-Trarbach, der Niederländer Herman X., zu den Vorwürfen eingelassen, sagt Angerer.

Parallel werde weiter an der Auswertung der über 250 im Bunker sichergestellten Server gearbeitet, so Angerer. Dabei stellen sich die Ermittler auf monatelange Arbeit ein. Daher wurden nun auf dem Bunkergelände Container aufgestellt, in denen die Ermittler arbeiten können. Man sei schon weit fortgeschritten, aber insgesamt dauere die Sichtung und Katalogisierung der Server länger als erwartet, sagt Angerer.

Die Zentralstelle für Cyberkriminalität besteht seit 2014. Seit 2015 laufen die Ermittlungen in Sachen Cyberbunker. Laut Angerer habe man X., der den Traben-Trarbacher Bunker 2013 gekauft hat, schon früh im Visier gehabt, weil es zahlreiche Berichte über angebliche kriminelle Machenschaften des Niederländers gegeben habe.

Angerer geht davon aus, dass Cyberkriminalität mit der fortschreitenden Digitalisierung deutlich zunehmen wird. Die beiden Polizeigewerkschaften GdP und DPolG fordern in diesem Zusammenhang mehr IT-Experten für die Polizei im Land.

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