Ständiger Unterrichtsausfall: Unmut der Eltern wächst

Kostenpflichtiger Inhalt: Bildung : Ständiger Unterrichtsausfall: Unmut der Eltern wächst

Sie rufen zum Protest auf, sammeln Unterschriften und fordern über 6000 zusätzliche Lehrer. Die Bildungsministerin sagt, es fallen kaum Stunden aus und es gibt  ausreichend Personal.

Der Unmut der Eltern über den anhaltenden Unterrichtsausfall an den Schulen wächst. Der Landeselternbeirat hat nun eine Online-Petition gestartet, in der er die Einstellung von 6000 zusätzlichen Lehrern fordert.

Bis Freitagmittag haben 242 Personen die Petition unterzeichnet. Notwendig sind 12 000 Unterschriften, damit die Plattform Openpetition das Anliegen an die Landesregierung weiterleitet.

„Es muss endlich etwas passieren“, sagt Reiner Schladweiler, Vorsitzender des Landeselternbeirats. Für den heutigen Samstag haben die Elternvertreter erneut zu einer Demonstration in Mainz eingeladen. Wie bereits die vier vorangegangenen soll sie symbolträchtig um fünf vor 12 am Rathaus der Landeshauptstadt starten. Hauptforderung sei, 1,5 Milliarden Euro mehr in die rheinland-pfälzischen Schulen zu investieren. Bislang hätten die Eltern eine Milliarde Euro gefordert, sagt Schladweiler. „Mit jedem Monat, in dem sich nichts tut, steigt die Forderung.“

Auch die Lehrergewerkschaften fordern mehr Einstellungen. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) verlangt 3000 zusätzliche Lehrer. Beim Lehrermangel sehe die Politik viel zu lange tatenlos zu, sagt Oliver Pick. Er ist stellvertretender VBE-Landeschef und Leiter der Grundschule in Idesheim (Eifelkreis Bitburg-Prüm). Das Land brüste sich damit, alle Planstellen besetzt zu haben, es seien aber noch immer zu wenige.

Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) sagte diese Woche, dass das Land im laufenden Schuljahr rund 1000 Lehrer einstelle. „Darunter sind 130 zusätzliche Lehrkräfte, und das bei insgesamt sinkenden Schülerzahlen.“ Rheinland-Pfalz schaffe es, seine Stellen mit ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern zu besetzen. Laut einer von ihr im Oktober vorgelegten Statistik wurden in der Region Trier zu Beginn des Schuljahres 132 Lehrer eingestellt. Die meisten davon an Realschulen plus und Grundschulen.

Die Schulen würden immer nur so mit Lehrern ausgestattet, „dass es einigermaßen gereicht hat“, sagte der Landeschef der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Klaus-Peter Hammer diese Woche in einem Interview unserer Zeitung. Auch wenn tatsächlich alle Planstellen besetzt seien, wie Hubig behaupte, reiche das nicht aus, um Unterrichtsausfall zu verhindern, sagt Schladweiler. 120 Prozent der Stellen müssten besetzt sein, damit genügend Ersatzlehrer vorhanden seien, um Ausfälle ausgleichen zu können.

Laut Hubig gibt es aber kaum Unterrichtsausfall an den rheinland-pfälzischen Schulen. Die Ministerin spricht von einer Unterrichtsversorgung von 99,1 Prozent. VBE-Landesvize Pick nennt das eine „bloße Utopie“: „Akute kurz- oder längerfristige Krankheitsfälle, Fort- und Weiterbildungen und Elternzeiten lassen die Zahl rasant und dramatisch schrumpfen.“ Auch Elternsprecher Schladweiler bezweifelt die Angaben der Ministerin. Jeder, der Kinder in der Schule habe, wisse, dass kaum ein Tag vergeht, an dem nicht Unterricht ausfalle.

Die CDU-Opposition wirft Hubig Trickserei vor. Denn ausgefallene Stunden, bei denen Lehrer unter anderem Klassen zusammenlegen oder es Stillarbeit gibt, zählen nicht als Unterrichtsausfall.

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