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Steigende Anzahl an Neuinfektionen: Luxemburg schränkt Lockerungen ein

Luxemburg schränkt Lockerungen ein : „Lage darf nicht aus dem Ruder laufen“

Luxemburg schränkt Lockerungen im privaten Bereich ein. Zahl der Neuinfektionen steigt wieder.

Ist es nur, weil einige Luxemburger sich nicht mehr daran halten, Abstand zu halten und sich bei Partys und in Kneipen zu nahe kommen? Oder hängen die seit dem Wochenende wieder deutlich steigenden Zahlen der Corona-Neuinfektionen im Nachbarland doch damit zusammen, dass seit einigen Tagen verstärkt getestet wird? Nach und nach sollen alle Einwohner und Beschäftigten des Landes auf eine Infektion mit dem Sars-Co-2-Virus untersucht werden.  „Wenn es neue Infektionen gibt, dann wissen wir sehr genau, wo es passiert, und können Ketten unterbrechen“, sagte dazu der aus Kanzem stammende Direktor des Luxemburger Gesundheitsinstituts, Ulf Nehrbass kürzlich. An  17 im Land verteilten Stationen können pro Tag bis zu 20 000 Personen  getestet werden. Allerdings ist die Bereitschaft dazu offenbar nicht sehr hoch. Gerade mal ein Fünftel der Berechtigten hat sich bislang erst testen lassen. Gestern ist die Zahl der Neuinfektionen erneut um 46 gestiegen bei 5960 Tests.

Trotzdem geht in Luxemburg die Angst vor einer zweiten Welle um. Vor allem nachdem es seit dem Wochenende über 100 Neuinfektionen gegeben hat. Eine Party am 12. Juni in einer Bar im Zentrum der luxemburgischen Hauptstadt soll Auslöser dafür sein  Als Grund dafür wird gesehen, dass Luxemburg die Einschränkungen für private Feiern weitestgehend aufgehoben hatte. Auch der Unterricht in den Grundschulen läuft wieder im Normalbetrieb, die Teilung der Klassen wurde aufgehoben. Seit zwei Wochen gibt es kaum noch strenge Verbote. Stattdessen setze man  auf den gesunden Menschenverstand und auf Eigenverantwortung, verkündete die luxemburgische Gesundheitsministerin Paulette Lenert Mitte Juni.

Gestern nun hat sie gemeinsam mit Premierminister Xavier Bettel wieder die Notbremse gezogen. Man wolle den Menschen  weiter vertrauen, sagte Bettel. Vielerorts auch in der Gastronomie würde sich aber nicht mehr an Regeln gehalten. Bettel sprach von Partys mit mehreren hundert Teilnehmern. Genau dort, wo sich Menschen nicht an Regeln hielten, stiegen die Infektionszahlen, auch wenn diese derzeit noch nicht alarmierend seien. Die Neuinfektionen rührten vor allem aus Begegnungen, sagte Lenert. Außer der Feier Mitte Juni gebe es keine Hinweise auf ein größeres Ausbruchsgeschehen in Luxemburg.  Einzelne Infektionen in Schulen seien nicht besorgniserregend. Das Ansteckungsrisiko liege nicht in der Schule und  nicht in der Arbeitswelt, „es liegt klar im privaten Bereich“, sagte Lenert. Daher werde es dort vorerst keine weiteren Lockerungen geben. Ein weiteres deutliches Ansteigen durch Unvorsichtigkeit müsse  vermieden werden, damit die Lage nicht aus dem Ruder laufe, so die Ministerin. „Wir müssen aufpassen“, mahnte auch der Premierminister. Partys mit mehr als 20 Personen sollen verboten werden. Auch die Maskenpflicht in Bussen und Bahnen soll weiterhin gelten. Bettel appellierte an die Bürger, weiterhin zusammenzuhalten und die Regeln zu respektieren.

Die Gesundheitsministerin machte klar, dass sie nicht die Massentests als Grund für die gestiegene Zahl an Neuinfektionen ansieht.

Seit Beginn der Pandemie hat es in Luxemburg rund 4300 mit dem Virus Infizierte gegeben. 110 Menschen sind daran gestorben. Allerdings ist die Sterberate mit 18,1 auf 100 000 Einwohner deutlich höher als in Deutschland (10,8).