Streit um Giftstoffe von der Airbase Spangdahlem vor Gericht: VG Wittlich-Land klagt auf Schadensersatz

Umwelt : Streit um Airbase-Giftstoffe am Mittwoch vor Gericht

Die Verbandsgemeinde Wittlich-Land fordert Schadensersatz, weil ihr Klärschlamm zu stark belastet ist.

Die Toilettenspülung rauscht. Aus den Augen, aus dem Sinn. Den wenigen dürfte bewusst sein, was genau mit all dem passiert, was aus Privathaushalten oder aus Betrieben durch die Kanäle Richtung Kläranlage wandert. Das Beispiel der Verbandsgemeinde Wittlich-Land zeigt, wie problematisch es sein kann, Klärschlamm zu entsorgen – der in Deutschland derzeit noch überwiegend als Pflanzendünger auf dem Acker landet.

Seit Jahrzehnten ist das so gängige Praxis. Allerdings mehrt sich die Kritik. So fordert das Umweltbundesamt „eine Abkehr aus der direkten bodenbezogenen Verwertung von Klärschlamm“. Der Grund dafür: Die Reste können zahlreiche Schadstoffe enthalten, die sich im Boden anreichern, ins Grundwasser sickern oder von Pflanzen aufgenommen werden.

Auch Alois Debald aus dem Eifelort Großlittgen sorgt sich, welche Folgen es haben kann, dass rings um Wittlich Klärschlamm auf Äcker ausgebracht wird, der perfluorierte Tenside (PFT) enthält – krebserregende Schadstoffe, die von der US-Airbase Spangdahlem aus über Drainagen ins Abwassersystem der Verbandsgemeinde Wittlich-Land gelangen.

Der Grenzwert liegt bei 100 Mikrogramm PFT pro Kilogramm Trockensubstanz. Wird dieser Wert erreicht, muss der Schlamm teuer verbrannt werden. Wird er jedoch unterschritten, dann bezahlt die Verbandsgemeinde Landwirte dafür, dass diese den Schlamm auf ihren Feldern ausbringen.

PFT ist allerdings nicht biologisch abbaubar. Reichern sich die Stoffe im Boden dann nicht doch in gefährlichen Mengen an, wenn der menschengemachte Dünger immer wieder ausgebracht wird? Werkleiterin Annegret Heinz gibt Entwarnung. Zwar wurden 2017 und 2018 insgesamt  rund 900 Kubikmeter PFT-haltiger Klärschlamm auf verschiedenen Flächen ausgebracht. Doch bisher sei keine Fläche „doppelt beschlammt“ worden. Auch dürfen Gemeinden die Fäkalienreste nicht einfach so an Bauern abgeben. Zuvor müssen sowohl der Ackerboden als auch der Klärschlamm intensiv untersucht werden. Erst danach, wenn die zuständige Wasserbehörde SGD Nord den Antrag bewilligt, darf der Dünger aufs Feld.

Braune Brühe in der Kläranlage: Das, was nach der Reinigung übrig bleibt, auf Ackerflächen auszubringen, ist umstritten. Foto: Reuter Manfred

Um derartigen Fragen in Zeiten sich stetig verschärfender Grenzwerte und Auflagen ganz aus dem Weg zu gehen, schließen sich die Gemeinden der Region Trier im März in einer Anstalt öffentlichen Rechts zusammen, deren Ziel es ist, Klärschlamm günstig und umweltschonend zu verbrennen. Das dürfte auch das Problem der Verbandsgemeinde Wittlich-Land lösen, die aktuell sehr viel Geld dafür zahlen muss, das zu stark belastete Material zu entsorgen. Heinz zufolge kostet das etwa das Vierfache dessen, was die Bauern bekommen. Denn aktuell gibt es viel zu wenige Verbrennungsanlagen. Schon jetzt erhält eine Mainzer Anlage, die nach langer Verzögerung 2020 fertig werden soll, Anfragen aus ganz Deutschland. Ein Anwohner hatte (erfolglos) gegen den Bau geklagt. Da es auch in der Region Trier bei der noch völlig offenen Standortfrage zu Widerständen kommen könnte, dürften wohl Jahre vergehen, ehe das neue Verbrennungswerk seine Arbeit aufnimmt.

Jahre, die für die Bürger im Wittlicher Land teuer werden könnten. Schon mehr als eine halbe Million Euro musste die Kommune für die Verbrennung zahlen. Vor dem Trierer Landgericht kämpft sie am heutigen Mittwoch um Schadenersatz. Wittlich-Land klagt nicht direkt gegen die USA, weil diese gemäß Nato-Truppenstatut vor Gericht vom Gastgeber Deutschland vertreten werden. Genauer: von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Diese hatte Schadenersatzforderungen bis zu einer Höhe von 460 000 Euro ohne Einwände beglichen. Seit 2017 weigert sie sich aber, das weiterhin zu tun. Seitdem blieb die Gemeinde auf Entsorgungskosten in Höhe von rund 85 000 Euro sitzen – und fürchtet, dass in Zukunft die Bürger über die Abwassergebühren für die hohen Extra-Ausgaben zahlen müssen. Alois Debald aus Großlittgen  findet das „völlig unhaltbar“. Die Bevölkerung sei durch die krebserregenden Schadstoffe schon genug belastet.

Es ist ein Prozess, der mit Spannung erwartet wird, da er womöglich Signalwirkung für andere Geschädigte haben könnte.

Und von solchen Geschädigten gibt es allein in der Region Trier zwei Dutzend, die mit ihren Schadensersatzforderungen bisher keinen Erfolg hatten: Angelvereine, Wasserversorger, Landwirte und weitere Kommunen.

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