Streit um Handschrift: Wie sollen unsere Kinder schreiben lernen?

Trier : Streit um Handschrift: Wie sollen unsere Kinder schreiben lernen?

Das Land hält daran fest, dass Schüler Schreibschrift lernen. An vielen Schulen in der Region wird aber nicht nur eine Schriftart gelehrt. Grundschullehrer plädieren für eine einfache Handschrift.

Macht es in Zeiten von Smartphones und Tablets noch Sinn, dass Schüler Schreibschrift lernen? „Ja“, sagt die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD). „Die Vermittlung der Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen ist und bleibt die Kernaufgabe unserer Grundschulen“, heißt es in einer Antwort der Ministerin auf einen Antrag der AfD-Fraktion, in dem es um die Auswirkungen der digitalen Bildung in den Grundschulen gegangen ist. Hubig macht in ihrer Antwort klar: „Das Schreiben mit der Hand und das Erlernen einer lesbaren Handschrift sind selbstverständlich auch in Zukunft für den Unterricht handlungsleitend.“ Digitale Medien könnten da allenfalls unterstützend eingesetzt werden.

„Auch in Zeiten der Digitalisierung kommen wir nicht umhin, handschriftliche Aufzeichnungen zu machen“, weist auch der Landesvorsitzende des Bildungsverbandes VBE, Gerhard Bold, auf die Notwendigkeit hin, zu lernen, mit der Hand zu schreiben. „Eine gut lesbare und flüssig zu schreibende Handschrift ist keineswegs ein „Auslaufmodell“, sondern bleibt eine wesentliche Basiskompetenz im Schul- und Lebensalltag“, sagt auch Ulrich Hecker, stellvertretender Vorsitzender des Grundschulverbandes.

Doch wie sollen das die Kinder lernen? Und vor allem: Welche Schreibschrift soll in den Grundschulen gelehrt werden? Der Philologenverband, der die Interessen der Gymnasiallehrer vertritt, kritisiert, dass in Rheinland-Pfalz nicht explizit das Erlernen einer bestimmten Schreibschrift im Lehrplan genannt wird. Stattdessen gilt als Ziel, dass die Kinder nach der vierten Klasse „eine gut lesbare Handschrift flüssig schreiben“ könnten. Das führt dazu, dass keine einheitliche Handschrift in den Schulen gelehrt wird. Das Land stellt ihnen frei, welche Schriftart sie vermitteln. Mit der Folge, dass neben der klassischen Schreibschrift, der sogenannten Lateinischen Ausgangsschrift, an vielen Schulen auch die sogenannte Grundschrift, die weniger schnörkelig ist und eher der Druckschrift ähnelt, unterrichtet wird.

Im laufenden Schuljahr wird laut Hubig an 99 Grundschulen im Land ausschließlich die Grundschrift gelehrt, davon an sieben in der Region. An sechs weiteren Schulen in der Region ist laut einer Antwort von Hubig auf eine Anfrage der CDU-Landtagsfraktion die Einführung der Grundschrift als Ausgangsschrift geplant. Während an 96 Schulen in der Region noch die klassische Schreibschrift vermittelt wird, werden an 35 Grundschulen verschiedene Handschriften gelehrt.

Der Grundschulverband setzt sich dafür ein, dass einheitlich nur noch die von ihm 2005 entwickelte Grundschrift verwendet wird. Spätestens in weiterführenden Schulen würden viele Schüler ohnehin zu einer unverbundenen Druckschrift wechseln, „mit der sie besser zurechtkommen als mit den herkömmlichen, nur für die Schule konstruierten Ausgangsschriften“.

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