Sturm-Auswirkungen waren geringer als befürchtet. Wetterexperten verteidigen Warnungen.

Kostenpflichtiger Inhalt: Nach Sturmtief : Übertriebene Angst vor Sabine? - Wetterexperten verteidigen Warnungen (Fotos/Video)

Trotz umgestürzter Bäume, gesperrter Straßen, Stromausfällen: Die Sturm-Auswirkungen waren geringer als befürchtet. Wetterexperten verteidigen Warnungen.

Die Zeichen standen am Sonntag auf Rot. Genauer gesagt auf Dunkelrot. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte deutschlandweit vor einer Extremwetterlage wegen des Sturmtiefs Sabine. Die gesamte Deutschlandkarte war rot gefärbt.  Bereits am Mittwoch veröffentlichte der Dienst eine offizielle Wetterwarnung. Diese wurde auch von den Katatstrophenwarn-Apps übernommen. So etwa Katwarn. Über dieses System warnt Rheinland-Pfalz offiziell vor Gefahren. Nutzer erhalten auf ihrem Smartphone entsprechend ihres momentanen Aufenthaltsortes Warnungen, etwa bei Unwettern. So auch am Sonntag und Montag. Es wurde vor Windgeschwindigkeiten von bis zu 150 Stundenkilometern und extremer Gefahr gewarnt.

Letztlich entpuppte sich Sabine als doch nicht so heftig. Zumindest in weiten Teilen Deutschlands. Auch in der Region hielten sich die Auswirkungen des Sturms in Grenzen. Die Schäden waren geringer als befürchtet.

Waren die Warnungen vor dem „Monster-Orkan“, wie der Wintersturm in einigen Medien genannt worden war, übertrieben? Der DWD verteidigt seine Warnungen. Man warne ab orkanartigen Böen mit einer Windgeschwindigkeiten von 105 bis 119 Stundenkilometern vor Unwetter. Das entspreche der Warnstufe 3, sagt Uwe Kirsche, Sprecher des Wetterdienstes. Sabine hätte in den Höhen durchaus für Windgeschwindigkeiten von 177 Stundenkilometern gesorgt, etwa auf dem Feldberg im Schwarzwald. Auch unterhalb von 800 Metern habe der Wind noch sehr heftig gepustet. Bis zu 134 Stundenkilometer in der Spitze seien vereinzelt gemessen worden.

Das bestätigt auch TV-Wetterexperte Dominik Jung. Im Pfälzer Wald habe es den stärksten Wind in ganz Rheinland-Pfalz gegeben mit 150 Stundenkilometern. „Das war ein voller Orkan! Also auch nicht ungefährlich“, sagte Jung unserer Zeitung. Auch in Trier habe es zeitweise Böen mit einer Geschwindigkeit von 112 Stundenkilometern gegeben. Daher seien die Warnungen vor dem Sturm berechtigt und nicht übertrieben gewesen. „Nur manchmal“, sagt Jung, „lief die Warnung etwas aus dem Ruder.“ Wenn etwa vom Monster-Orkan die Rede war.  Er kritisiert, dass einige Medien sich versuchten mit Horrormeldungen über den Sturm zu überbieten. „Ich hatte irgendwie das Gefühl, es hat sich von Stunde zu Stunde weiter aufgeschwungen.“

Sturmtief: Umgestürzte Bäume und Hochwasser an der Kyll

Warum allerdings die Deutsche Bahn den Fernverkehr deutschlandweit schon komplett eingestellt habe, bevor der Sturm überhaupt losgegangen sei, könne er nicht nachvollziehen. Erst gestern morgen lief der Fernverkehr langsam wieder an. Allerdings gab es auch am Nachmittag noch erhebliche Beeinträchtigungen. Der Nahverkehr in der Region kam gestern Morgen zeitweise zum Erliegen. Erst am Mittag fuhren weitestgehend alle Regionalzüge von und nach Trier wieder.

Dominik Jung führt die vergleichsweise glimpflichen Folgen des Sturms auch darauf zurück, dass rechtzeitig gewarnt worden war. „Freuen wir uns, dass es doch kein zweiter Lothar war“, meint der Wetterexperte. Er spielt damit auf den Orkan Lothar an, der am zweiten Weihnachtstag 1999 über Deutschland hinwegfegte und für einen Milliarden-Schaden sorgte. Auch in der Region wurden damals ganze Wälder zerstört.

Jung rechnet damit, dass es solche Extremwetterlagen wie in der Nacht zum Montag in Zukunft häufiger geben wird. „Es wird mehr Starkregenereignisse geben, und vermutlich auch immer mehr Sturmereignisse.“ Die globale Temperatur habe sich in den vergangenen Jahren nach und nach erhöht. „Wir haben das ja schon bei den vielen Gewittern im vergangenen Jahr gesehen“, sagt der Wetterexperte. Auch Uwe Kirsche sagt, man müsse angesichts des Klimawandels damit rechnen, dass Extremwetter-Ereignisse wie Sabine künftig intensiver ausfielen, „vielleicht auch häufiger auftreten werden“.

Noch gibt es übrigens keine endgültige Entwarnung. Auch für den heutigen Dienstag wird für ganz Rheinland-Pfalz vor schweren Sturmböen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 104 Stundenkilometern gewarnt. Neben heftigem Wind drohen Schnee-, Schneeregen-, Regen- und Graupelschauern und örtliche Gewitter bei null bis sieben Grad.