Tänzerin über Tod ihres Mannes: „Ich muss akzeptieren, dass es endgültig ist“

Hospiz : Tänzerin über Tod ihres Mannes: „Ich muss akzeptieren, dass es endgültig ist“

Die bekannte Trierer Tänzerin Hannah Ma spricht über den Tod ihres Mannes, den Umgang mit dem Sterben und den Verlust. Und über die Hilfe, die ihr eine Hospizhelferin leistete.

Hannah Ma macht einen fröhlichen Eindruck. Selbst als sie über den Tod spricht, lächelt die 40-Jährige. Der Tod gehöre zum Leben, sagt die Mutter von zwei Jungs, ein und acht Jahre alt,  und wird dabei ernst. Wie sehr der Tod zum Leben gehört, dass hat die Tänzerin und Choreographin in diesem Jahr brutal erfahren müssen. Ihr Mann, 48, ist vor sieben Monaten an Krebs gestorben. Vor drei Jahren hatte er die Diagnose bekommen. Es sei auch klar gewesen, dass keine Heilung möglich sei, sagt die kraftvoll wirkende 40-Jährige. Bis kurz vor dem Tod habe ihr Mann kaum Einschränkungen gehabt. Sie hätten gelebt wie immer, seien nach Asien und in die USA gereist. Der Tod, das Sterben habe zunächst nicht den Alltag bestimmt. In der Zeit kam auch ihr jüngster Sohn auf die Welt.

Erst als sich der Zustand ihres Mannes verschlechtert hat, setzte sie sich mit dem Thema Tod auseinander. Bis zum Schluss hat sie ihn mit ihrer 21-jährigen Stieftochter zu Hause gepflegt. Vier Wochen lang. Obwohl klar war, dass ihr Mann, der seit drei Jahren erkrankt war, sterben wird, sei sie in diesen letzten Wochen nicht kraftlos gewesen, habe nicht täglich an den Tod gedacht.

Dass das so war, das verdanke sie auch einer Helferin des Malters Hilfsdienst, eine Hospizfachkraft. Sie begleiten sterbende Menschen bis zum Tod, mit dem Ziel diesen „ein möglichst würdevolles und selbstbestimmtes Leben bis zum Ende zu ermöglichen sowie die Familie in diesem Prozess zu begleiten, zu entlasten und zu unterstützen“, wie es im Sozialgesetzbuch formuliert ist. „Diese Begleitung steht allen als kostenloses Angebot offen, unabhängig von Weltanschauung, Alter oder Lebensweise“, sagt Thomas Biewen, Hospizkoordinator bei den Maltesern in Trier. Die Kosten dafür übernimmt die Krankenkasse.

Es sei gut gewesen, sagt Ma, die Frau an ihrer Seite zu wissen. Trotz der belastenden Situation für sie mit einem auf Betreuung angewiesenen Kleinkind und dem pflegebedürftigen Mann, habe ihr die Helferin mit ihrer „lebensbejahenden Art“ Kraft gegeben. Sie habe sich um alle praktischen Dinge während der letzten Wochen ihres Mannes gekümmert, ihr damit die nötige Zeit für die Pflege ihres Mannes und das Kümmern um ihre Kinder gegeben. Sie sei ein „rettender Engel“ gewesen.

55 ehrenamtliche Hospizhelfer und fünf hauptamtliche Hospizfachkräfte beschäftigt der Malteser Hilfsdienst in Trier. Sie begleiten die Sterbenden und ihre Angehörigen zu Hause oder auch in Krankenhäusern oder Pflegeheimen. 224 Todkranke hätten die Helfer im vergangenen Jahr begleitet, berichtet  Biewen. Die Zahl der Begleitungen hat sich seit 2015 kontinuierlich gesteigert. Was wohl auch damit zusammenhängt, dass die ambulante Hospizarbeit mittlerweile bekannter geworden ist. Und sie ist professioneller geworden. Wer Hospizhelfer werden will, der kann sich dazu ausbilden lassen. Mindestens 100 Unterrichtseinheiten seien dafür notwendig, sagt Biewen. Während der Ausbildung setzten sich die Teilnehmer mit der eigenen Biografie auseinander, lernen natürlich auch den Umgang mit schwerstkranken und sterbenden Menschen und deren Angehörigen, den Umgang mit Trauer und auch ethische und rechtliche Aspekte im Zusammenhang mit dem Lebensende.

Hannah Ma ist froh, dass es dieses Angebot gibt. Dadurch habe sie auch Kraft gehabt für die Zeit danach. Ihre Trauer und den Verlust ihres Mannes hat sie künstlerisch verarbeitet, mit einem Tanzstück, das sie im Juli beim National Arts Festival in Südafrika zum ersten Mal ihrem Ensemble gezeigt hat. Darin geht es um Unsterblichkeit und die ewige Existenz. Manchmal durchaus augenzwinkernd und ironisch, erzählt die 40-Jährige. Am Samstag wird sie es anlässlich des Welthospiztages in der Trierer Basilika aufführen (siehe Extra).

Auch wenn sie sich äußerlich gefasst gibt, wirkt Hannah Ma beim Gespräch manchmal nachdenklich, vielleicht auch traurig. Der Verlust ihres Mannes werde ihr jetzt in der dunklen Jahreszeit noch bewusster. Manchmal denke sie, dass er nicht tot sei, das Erlebte gar nicht wirklich wäre. Sie müsse aber damit klarkommen, dass sie bis zum Lebensende ihren Ehemann nicht mehr sehe und die beiden Söhne ihren Vater nicht mehr. „„Ich muss akzeptieren, dass es endgültig ist.“

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