Justiz: Tickt die Uhr für das Trierer Gefängnis?

Kostenpflichtiger Inhalt: Justiz : Tickt die Uhr für das Trierer Gefängnis?

Der Altbau des Wittlicher Gefängnisses kann saniert werden. Aber wo kommen dann die bis zu 350 Häftlinge für die neuen Zellen her?

Rückt eine mögliche Schließung des Trierer Gefängnisses wieder ein Stückchen näher? Der seit neun Jahren leerstehende alte Trakt des Wittlicher Gefängnisses könnte saniert und anschließend wieder genutzt werden. Das hat eine sogenannte Machbarkeitsstudie ergeben, bestätigte eine Sprecherin des rheinland-pfälzischen Finanzministeriums auf Anfrage unserer Zeitung. Die Studie biete eine gute Grundlage, um weitere Überlegungen zur Wirtschaftlichkeit des Projekts anzustellen, so die Sprecherin. Jetzt werde geprüft, was eine mögliche Sanierung des über 100 Jahre alten Altbaus koste.

Das neben dem Neubau liegende alte Wittlicher Gefängnis ist denkmalgeschützt, darf also nicht abgerissen werden. Das Land muss das Gebäude weiter unterhalten, ohne dass es derzeit genutzt werden könnte. Würde es saniert, könnten dort bis zu 350 Gefangene aufgenommen werden. Dann wäre der Wittlicher Gefängniskomplex mit Platz für 820 Gefangene nach früheren Angaben seines Leiters Jörn Patzak einer der größten in Deutschland.

Im rheinland-pfälzischen Justizministerium dürften die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie erfreut zur Kenntnis genommen worden sein. Denn dort sind die Verantwortlichen auf der Suche nach Einsparpotentialen. Davon könnte das Trierer Gefängnis betroffen sein.

Die über 40 Jahre alte Justizvollzugsanstalt  zählt mit ihren 160 Plätzen im geschlossenen Vollzug zu den kleinen rheinland-pfälzischen Gefängnissen. Hier sind Untersuchungshäftlinge untergebracht und Häftlinge aus der Region Trier, die eine Höchststrafe von zwei Jahren verbüßen. Angegliedert ist eine Außenstelle in Saarburg für den offenen Vollzug.

Der 1977 eingeweihte Trierer Bau ist in die Jahre gekommen und müsste dringend renoviert werden. Das würde Millionen kosten. Die Frage ist: Lohnt das noch?

Im Koalitionsvertrag der rot-gelb-grünen Mainzer Koalition steht, dass „die vorhandenen Strukturen und Kapazitäten der Justizvollzugsanstalten überprüft“ werden sollen. Mit Blick auf Wittlich heißt das nach Vorliegen der neuen Machbarkeitsstudie, dass ein Ausbau möglich wäre. Dass die Reaktivierung des Altbaus aber nur dann Sinn macht, wenn die Zellen auch anschließend belegt werden, liegt auf der Hand.

Damit dürften sich die Zukunftsaussichten für Trier auf jeden Fall verschlechtern, auch wenn der Witlicher Gefängnisleiter noch im vergangenen Jahr meinte, die Erweiterungspläne seien unabhängig von möglichen Schließungsplänen für Trier.

Der Landeschef der Gewerkschaft Strafvollzug, Winfried Conrad, warnt vor vorschnellen Entscheidungen. Die  Altbausanierung könne sich rasch zu einem Millionengrab entwickeln, sagte Conrad unserer Zeitung. Zudem frage er sich, ob es sinnvoll sei, am Standort Wittlich eine Vollzugsfabrik entstehen zu lassen. Mit Blick auf Trier meinte der Gewerkschaftsboss, dass die bauliche Substanz nicht so marode sei, wie häufig dargestellt. Zudem seien die über 100 Mitarbeiter hoch motiviert.

Vom Mainzer Justizministerium war am Montagnachmittag keine Stellungnahme zu erhalten.

Mehr von Volksfreund