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Sicherheit
Tierschützer: Nicht Hunde sind gefährlich, sondern manche Halter

Trier. Nach tödlichen Beißattacken wird über einen verpflichtenden Hundeführerschein diskutiert.

Wie gefährlich sind sogenannte Kampfhunde? Diese Frage stellen sich viele nach den beiden tödlichen Beißattacken. In Hannover biss ein Staffordshire-Terrier-Mischling eine 52-jährige im Rollstuhl sitzende Frau und deren 27-jährigen Sohn tot. Am Dienstag attackierte vermutlich ebenfalls ein Staffordshire-Mix ein Baby, der Säugling starb später an seinen Kopfverletzungen.

Im vergangenen Jahr wurden in Rheinland-Pfalz 236 Menschen von Hunden verletzt. In drei Fällen waren Staffordshire-Terrier beteiligt. Die meisten Beißattacken gab es allerdings mit Schäferhunden. Laut Statistik der Trierer Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) wurden 27 Menschen und 31 andere Hunde durch Tiere dieser Rasse im vergangenen Jahr in Rheinland-Pfalz verletzt.

Zwölf Attacken gab es von Schäferhund-Mischlingen, zehn von Rottweilern, die in Rheinland-Pfalz aber nicht als gefährlich und damit als sogenannte Listenhunde eingestuft werden. Tödliche Attacken auf Menschen hat es weder im vergangenen Jahr noch im Jahr davor im Land gegeben. Allerdings wurden 34 Hunde nach solchen Angriffen getötet, 2016 wurden 67 Hunde getötet.

In Rheinland-Pfalz gelten Hunde der Rassen American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier, Pit Bull Terrier sowie Hunde, die von einer dieser Rassen abstammen, als gefährliche Hunde. Viele Gemeinden verlangen für das Halten dieser Tiere eine deutlich höhere Hundesteuer. In Wittlich etwa müssen für diese sogenannten Listenhunde 800 Euro statt 75 Euro für nicht als gefährlich eingestufte Hunde gezahlt werden. Allerdings ist dort unter den derzeit gemeldeten 838 Hunden kein „Kampfhund“. Ebenso in Bitburg, wo es 675 Hunde gibt. 792 Euro müssen dort für einen gefährlichen Hund pro Jahr an Steuern gezahlt werden. Laut ADD sind in der Stadt Trier genau wie im Vulkaneifelkreis elf gefährliche Hunde angemeldet, im Kreis Trier-Saarburg sind es 18, im Eifelkreis Bitburg-Prüm 4 und in Bernkastel-Wittlich 13. In Trier gibt es keine Extra-Steuer für gefährliche Hunde.

Andreas Lindig, Vorsitzender des Tierschutzvereins Rheinland-Pfalz, bezeichnet die erhöhte Steuer für Listenhunde als „Frechheit“. Die entsprechenden Hunde seien nicht gefährlicher als andere Hunde auch, sagt der Tierschützer. Die nun in Verruf geratenen Staffordshire ­Terrier seien vom Charakter her „kinderlieb und familientauglich“. Lindig: „Es gibt keine gefährlichen Hunde. Der Halter ist der Schuldige.“ Viele seien nicht in der Lage, solche Hunde zu halten. Lindig fordert, dass es künftig einen Hundeführerschein geben soll, mit dem alle Hundebesitzer nachweisen müssen, dass sie in der Lage sind, die Tiere zu halten und mit ihnen umzugehen.

Das Land ist mit einem solchen verpflichtenden Hundeführerschein 2012 auf Bundesebene gescheitert. Deshalb setzt das Umweltministerium nun auf einen freiwilligen Hundeführerschein. Zahlreiche Vereine, Hundeschulen oder Hundetrainer böten eine solche Eignungsprüfung bereits an, sagte eine Ministeriumssprecherin unserer Zeitung.