Tourismuszahlen in Eifel, an Mosel und im Hunsrück minimal rückläufig

Tourismus : Weniger Übernachtungsgäste: Zu heiß für gute Zahlen?

In der Eifel, an der Mosel und im Hunsrück verzeichnen einige Betriebe einen minimalen Rückgang an Gästen. Ist das ein Trend oder liegt es vielleicht am Wetter? Der TV spricht mit Tourismusexperten.

Ist der Tourismus in der VG Wittlich-Land und vielleicht auch in der ganzen Südeifel leicht im Sinkflug? Dieser Meinung ist Ingrid Förschner, die auf der Burg Bruch Gästezimmer vermietet. Als Mitglied im Ausschuss für Tourismus der Verbandsgemeinde erklärte sie während der jüngsten Sitzung des Gremiums in Osann-Monzel, der Tourismus sei 2018 im Vergleich zum Vorjahr um bis zu fünf Prozent zurückgegangen. Für 2019, sagt Förschner, deute sich ein weiterer Rückgang an. Ursache dafür sei, dass es der Verbandsgemeinde möglicherweise „an touristischer Attraktivität fehlt“.

Mit dieser letzten Behauptung stand Förschner im Ausschuss aber eher auf verlorenem Posten, wie ihr auch Rita Wagner (FDP) deutlich machte: „Da möchte ich massiv widersprechen!“

Doch Zahlen können ja bekanntlich nicht lügen. Was sagen also die Statistiken zum Tourismus in der Verbandsgemeinde? Der TV hat die Tourismusvereine der Region um Stellungnahmen gebeten. Rainer Schmitz, Geschäftsführer des Tourismusnetzwerkes Gesund-Land Vulkaneifel, erklärt: „2017 hatten wir in der VG Wittlich-Land ein hervorragendes Jahr, demgegenüber das Jahr 2018 etwas abgefallen ist.“

Das Statistische Landesamt in Bad Ems meldete für 2017 mehr als 298 300 Übernachtungen. 2018 reduzierte sich die Zahl der Übernachtungen um mehr als fünf Prozent auf knapp 282 500. Die Statistik sagt, dass auch die Jahre 2014, 2015 und 2016 vor dem Erfolgsjahr 2017  besser waren als 2018.

Schmitz: „Die Entwicklung in 2019 bleibt abzuwarten, insofern kann man hier unserer Meinung nach noch nicht von einem Trend sprechen.“

Es gebe immer wieder jährliche Schwankungen durch Betriebsaufgaben, Renovierungen, Schließung von Betrieben, Lage der Ferien- und Urlaubszeiten und auch das Wetter spiele eine große Rolle. Schmitz: „Eine detaillierte Analyse, worauf die Rückgänge im Einzelnen zu führen sind, ist schwer, weil wir aus Datenschutzgründen nicht auf die einzelbetrieblichen Zahlen zurückgreifen können.“

Bis einschließlich Juli liege man 2019 bei der Gästezahl um ein Prozent unter dem Ergebnis des Vorjahres, bei den Übernachtungen zeichne sich ein Minus von 2,4 Prozent ab. Schmitz: „Da noch übernachtungsstarke Monate in der Statistik fehlen, können wir aber noch keine verlässliche Aussage zu dem zu erwartenden Jahresergebnis treffen.“ Die Entwicklung in 2019 bleibe noch abzuwarten.

Feststellbar sei nach dem sehr guten Jahr 2017 allerdings ein Rückgang bei der Aufenthaltsdauer der Gäste, die sich von 2017 zu 2018 von 3,68  auf 3,65 Tage verringert habe. Schmitz: „Dieser Trend wird sich vermutlich in 2019 fortsetzen.“

Wandern und Radfahren Im Vergleich zu den vergangenen Jahren stelle man in den Tourismussegmenten Wander- und Radtourismus 2019 jedoch keine Veränderungen fest. „Insbesondere erfreuen sich unsere Wanderpauschalen zum Eifelsteig, Lieserpfad und den Vulkaneifel-Pfaden zunehmender Beliebtheit. In unserem Zuständigkeitsbereich spielt auch das Thema Mountainbike eine bedeutende Rolle“. In der Eifel gebe es allerdings im Vergleich zur Mosel nur kurze Radwege (Maare-Mosel-Radweg, Kosmosradweg), so dass hier in erster Linie die Tagesgäste angesprochen würden. Schmitz: „Im übrigen kann und darf man die touristische Wertschöpfung nicht ausschließlich mit Blick auf den Übernachtungstourismus bewerten.“

Doch wo gibt es Handlungsbedarf?

Bezüglich der Tourismuspolitik sei es zukünftig von großer Wichtigkeit, die Themen Betriebsübergabe, Nachfolge, Beratung und Betreuung von kleineren und mittleren Betrieben sowie die Förderung von  besonderen touristischen Infrastrukturen im Blick zu behalten. In diesen kleineren Betrieben würde es oftmals an Investitionen mangeln. Dazu gebe es basierend auf der Tourismusstrategie 2025 des Landes  Überlegungen, wie finanzielle Hilfestellungen diesbezüglich aussehen könnten. „Insgesamt ist die touristische Entwicklung in unserer Region aus unserer Sicht über die vergangenen Jahre trotz des Rückganges von 2017 auf 2018 stabil.“ Die Probleme bezüglich der Betriebsnachfolge und -übergabe sowie das Betriebssterben insbesondere im Segment der rein gastronomischen Betriebe stelle die Branche dennoch vor große Herausforderungen in den nächsten Jahren.

Mosel Auch an der Mosel seien die Übernachtungszahlen minimal rückläufig, sagt Jörg Lautwein Geschäftsführer der Wein- und Ferienregion Bernkastel-Kues. „Aber was sich im Rahmen von zwei bis drei Prozent abspiele, das sollte man noch nicht als Tendenz bezeichnen. Anderes halte ich nicht für sinnvoll.“ Gründe seien ja auch Besitzerwechsel,  Sanierungen und auch das Wetter sowie die Lage der Feiertage spielen eine wichtige Rolle, sagt auch Lautwein. Generell stagniere der Tourismus an der Mosel eher auf einem hohen Niveau. „Es gibt kaum große Wachstumsmöglichkeiten. In der Hauptsaison ist alles ausgebucht. In der Nebensaison die Übernachtungszahlen zu steigern ist schwierig, da sehr wetterabhängig.“

Hunsrück Im Hunsrück seien die Zahlen generell stabil, sagt Iris Müller, Pressereferentin der Hunsrück-Touristik. Das liege am Thema Wandern. Müller: „Unsere Betriebe in Morbach und Thalfang werden von den Gästen des Saar-Hunsrücksteigs immer mitgebucht“.

Ausblick Vielleicht wird das Jahr 2019 ja aber doch besser als die  Zahlen bis einschließlich Juli annehmen lassen. Denn das statistische Landesamt teilt mit, dass die rheinland-pfälzischen Tourismusbetriebe im August 2019 gegenüber dem Vorjahresmonat einen Anstieg der Gäste- und Übernachtungszahlen verzeichnen.

Burg Landshut. Foto: TV/Hans-Peter Linz

Nach ersten vorläufigen Berechnungen des Statistischen Landesamtes in Bad Ems übernachteten 1,2 Millionen Gäste im Land: Das waren 2,3 Prozent mehr als im August 2018. Sie buchten insgesamt 3,4 Millionen Übernachtungen – ein Plus von 3,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.

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