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Traben-Trarbach: TV-Forum mit Eklat

Traben-Trarbach: TV-Forum mit Eklat

(iro) Das Forum des Trierischen Volksfreunds zum Gedenken an an die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus in Traben-Trarbach am Dienstagabend begann mit einem Eklat. Heide Pönnighaus verlas eine gemeinsame Erklärung der Stadtratsfraktionen und der Stadtbürgermeisterin, in der es hieß, der Stadtrat bleibe bei seiner Entscheidung, die Gedenktafel am Mittelmosel-Museum zu belassen.

Die Stadt-Chefin verließ anschließend das Podium und mit weiteren Vertretern des Stadtrats die Veranstaltung. Es komme nicht primär auf den Ort des Gedenkens an, sondern auf das Bewusstsein, hatte sie zuvor vorgetragen. "Grauenhafte Taten gingen nämlich nicht von einem Gebäude aus, sondern von Menschen, die Verordnungen eines Gewaltregimes ausführten." Kurze Zeit später war der Stuhl der Stadtbürgermeisterin leer.

Das ist der vorläufige Höhepunkt der Auseinandersetzung um den Umgang mit dem Gedenken an die im Dritten Reich ermordeten Juden. Der Stadtrat hatte im Mai vergangenen Jahres beschlossen, eine entsprechende Gedenktafel am Mittelmosel-Museum anzubringen. Um die Platzierung entbrannte ein Streit. Der Holocaust-Überlebende Martin Schmitz, ein gebürtiger Traben-Trarbacher, appellierte, diese stattdessen am Rathaus zu befestigen. Im September wurde sie schließlich ohne öffentliche Feierstunde am Museum angebracht, nachdem die dort hängende Tafel zur Erinnerung an den Besuch von Johann Wolfgang von Goethe abgenommen hatte. Erst vor wenigen Tagen hatte die Bürgerinitiative der Bürgermeisterin 479 Protest-Unterschriften übergeben.

Podiumsteilnehmer und die rund 150 Zuhörer im Saal reagierten auf das Verschwinden von Stadtbürgermeisterin und Kommunalpolitikern mit Unverständnis." "Man kann über alles reden, aber nicht einfach verschwinden", reagierte Schmitz empört. "Ich finde das Verhalten beschämend", erklärte auch Richard Ochs von der Bürgerinitiative "Gedenktafeln". Seine Gruppierung wolle die durch die Diskussion beschädigte Reputation der Stadt Traben-Trarbach wiederherstellen. Ochs appellierte ausdrücklich an den Stadtrat, die Beschlüsse zu revidieren:
"Die Einsicht in begangene Fehler ist ehrenwert", versuchte er, eine Brücke zu bauen.

Franz Piacenza, der Vorsitzende des "Freundeskreises Synagoge Zell", erinnerte an die große Unterstützung der Kommunalpolitik bei den Bemühungen die ehemalige Synagoge in Zell zu sanieren. Mit Blick auf die Geschehnisse zu Beginn des Abends sagte er: "Ich bin stolz auf die Zeller." Auch im Publikum herrschte Unverständnis vor. "Ich komme mir vor wie im Schmierentheater", sagte ein Mann. "Die Mitglieder des Stadtrats verziehen sich in die Schmollecke wie kleine Kinder", kritisierte ein anderer.

Doch aus den Reihen der Zuhörer bei der TV-Veranstaltung, die von den Redakteuren Winfried Simon und Lars Ross moderiert wurde, kamen auch konstruktive Vorschläge, beispielsweise als Bürger von Traben-Trarbach selbst eine würdige Gedenkveranstaltung anlässlich der Reichspogromnacht zu veranstalten. Oder die Empfehlung, angesichts der verfahrenen Situation einen unabhängigen Schlichter einzuschalten.