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Trier: Hunderte Silbermünzen in der Liebfrauenkirche gefunden

FOTO: roland morgen (rm.) ("TV-Upload morgen"
Ein Häuflein mittelalterliches Kleingeld lässt Experten frohlocken. Der Münzschatz aus der Liebfrauenkirche werde neue Aufschlüsse über Handel und Wandel Triers um 1300 bringen. Ein Großteil sind Schillinge aus Frankreich und England.

(r.m.) Des einen Leid ist des anderen Freud. Derjenige, der um das Jahr 1300 seine Barschaft unter dem Taufstein in der Liebfrauenkirche versteckt hat, durfte sich ihrer wohl nicht lange erfreuen, denn er hat sie nicht wieder hervor geholt. 700 Jahre später jubelt Bistums-Chefarchäologe Winfried Weber (63): Der Fund der Silbermünzen sei eine „Sensation“.

Entdeckt wurden sie bei Renovierungsarbeiten. In einem Loch im Boden, das einst als Abfluss eines Taufbeckens diente, kamen zwischen den Scherben eines geborstenen Tonkruges kleine Münzen zum Vorschein. Weber und Pastor Hans Wilhelm Ehlen (65) eilten herbei: Der Archäologe buddelte kopfüber in dem Loch hängend, der Geistliche hielt die Lampe. Der geborgene Schutt beinhaltete neben weiteren Keramikscherben und einem Mäuseskelett 562 Geldstücke. Die stark korrodierten Silbermünzen werden jetzt im Bischöflichen Museum fein säuberlich von der Patina befreit. Die bisherigen Untersuchungsergebnisse bestätigen Winfried Webers erste Annahme: „Bei dem Geld handelt es sich überwiegend um französische und englische Schillinge, die um 1300 auch auch hier zu Lande ein gängiges Zahlungsmittel waren.“ Eigene Münzen waren zu jener Zeit im Erzbistum Trier Mangelware.

Die Herkunfts-Länder belegen für Weber: „Trier war damals sehr nach Westen orientiert. Auch wenn unser Münzschatz keinen allzu hohen materiellen Wert besitzen, ist er numismatisch und wirtschaftsgeschichtlich außerordentlich bedeutend: Er weist die starken Beziehungen nach Frankreich und England nach.“