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Trier: SPD feiert Jubiläum mit viel Prominenz

Trier: SPD feiert Jubiläum mit viel Prominenz

400 Gäste, darunter Prominenz aus Berlin und Mainz – die SPD hat am Freitag in Trier mit einer Festgala ihr 120-jähriges Bestehen in der Stadt und zugleich das 90-jährige Bestehen der Stadtratsfraktion gefeiert.

Der Mann ist eine Parteilegende und 84 Jahre alt – doch von Alterserscheinungen keine Spur. Mit federndem, dynamischem Schritt geht Hans-Jochen Vogel in der Europahalle nach vorne, springt regelrecht auf die Bühne, klettert wendig über ein herumhängendes Mikrofonkabel – und fesselt dann den Saal mit einer kurzweiligen Festrede. Dass sein Auftritt einem Ausschnitt aus der Rocky Horror Show folgt, wertet Vogel als „wohl eher zufällig“ und hat schon die ersten Lacher auf seiner Seite.

Seine Gratulation an die Trierer Partei wird zur Lobeshymne für die Sozialdemokratie– ohne dass er dabei die nötige Distanz und Selbstkritik vermissen lässt. Lob für Trier mit den daraus stammenden bedeutenden Persönlichkeiten Karl Marx und Oswald von Nell-Breuning. Lob für Ministerpräsident Kurt Beck. Der berühmt gewordene Spruch „Gott schütze Rheinland-Pfalz!“ seines Bruders Bernhard nach seiner Abwahl als CDU-Chef im Land habe sich bewahrheitet, sagt Vogel.

„Der Herrgott hat das bis heute erhört“ - und das sei zu einem guten Teil Becks Verdienst. Viel Applaus gibt es vor allem für Vogels Ausführungen zu Markt und Marktwirtschaft vor dem Hintergrund der gerade überstandenen Finanz-Krisen: „Markt ist ein Instrument, aber er darf sich nicht zur letzten Entscheidungsinstanz unserer Gesellschaft aufschwingen.“

Der ehemalige Bundesvorsitzende der SPD begeistert die Genossen, sein derzeit amtierender Nachfolger Sigmar Gabriel dagegen dringt nicht durch bis Trier – bei der geplanten Video-Botschaft streikt der Computer. Es bleibt die einzige große Panne am Festabend, den SPD-Stadt-Chefin Malu Dreyer moderiert. Und Bundesprominenz der Partei ist schließlich auch leibhaftig im Saal. Generalsekretärin Andrea Nahles macht den Trierer Genossen ihre Aufwartung.

Viele regionale SPD-Größen aus Trier und der ganzen Region sind im Saal von den ehemaligen Staatssekretären Karl Hähser und Karl Diller bis zu vielen treuen Ortsvereinsmitgliedern. Eine von ihnen wird stellvertretend für das große Engagement für die Partei geehrt. Die 84-jährige Edith Centner nimmt sichtlich gerührt die höchste Partei-Auszeichnung, die Willy-Brand-Medaille entgegen. Seit 1969 ist Centner Sozialdemokratin und glühende Verehrerin von Willy Brand. „Er war unser großes Idol“, sagt sie mit stockender Stimme, „nach seinen Grundsätzen versuchen wir noch heute zu leben.“