Jubiläum : 100 Jahre Awo Trier

Wie steht es im Jubiläumsjahr um die Trierer Awo? Steigende Mitgliederzahlen und eine Vision des ersten Vorsitzenden klingen vielversprechend.

Es gibt viel über sie zu sagen: Marie Juchacz, Sozialreformerin und Frauenrechtlerin, hat im Jahr 1919 als erste Frau in einem deutschen Parlament gesprochen – und wenige Monate nach diesem historischen Moment die Arbeiterwohlfahrt (Awo) gegründet. Hundert Jahre später sitzt Detlef Schieben in einem Büro des Awo-Stadtverbands Trier, im Dachgeschoss des Hauses 51 bis 53 in der Saarstraße. „Ich war bei der Gründung nicht dabei”, sagt der 64-jährige Vorsitzende mit einem Augenzwinkern. Alte Ordner hat er hervorgekramt, und er erzählt vom Festakt anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Awo (der TV berichtete), das auch in Trier mit rund 320 Gästen, Grußworten und bekannten Musikern wie Steff Becker gefeiert wurde.

„Ein geiler Abend”, resümiert Schieben. Geburtstag zu feiern bedeutet auch, sich zu erinnern, was war: Einsamen Trierern dürfte an erster Stelle Heiligabend in den Sinn kommen. Jahr für Jahr organisieren Awo-Mitglieder ein gemeinsames Festessen, Geschenke und ein Programm für diejenigen, die niemanden haben, mit dem sie feiern können. Auch Oberbürgermeister Wolfram Leibe schaue vorbei, um den – wie im vergangenen Jahr – rund 140 Menschen frohe Weihnachten zu wünschen, sagt Schieben.

Bei weitem nicht nur am 24. Dezember sorgt die Trierer Awo dafür, dass Menschen miteinander ins Gespräch kommen. Sondern auch, wenn sie ein Nachbarschaftsfest stemmt oder im hauseigenen Café regelmäßig Senioren einlädt, bei Kaffee und Kuchen zu plaudern, oder Ausflüge und Reisen organisiert. Und der jüngst renovierte Festsaal mit Küche wird viel genutzt und vermietet. Beispielsweise für Gymnastik, Vorträge oder Feste.

Der Awo-Stadtverband Trier ist ein junger Verband mit sechs Ortsvereinen und der stadtbekannten Möbelbörse. Er wurde im Oktober 2000 gegründet – nach einem handfesten Skandal. Zur Geschichte der Awo in Trier gehört, dass sie in Trümmern lag. Dass es den Verband unter neuem Namen, vorher Awo-Kreisverband, noch gebe, sei Klaus Rümmler zu verdanken. Rümmler ist Mitbegründer und ehemaliger Vorsitzender.

Heute ist die Awo Mieter der einst eigenen Räume im Haus 51 bis 53. Doch der Vorsitzende, der diesen Posten vor sieben Jahren übernommen hat, strahlt Optimismus aus. Im Gegensatz zu vielen anderen Vereinen nimmt die Mitgliederzahl stetig zu. „Zurzeit haben wir 700 Mitglieder, mehr Zu- als Abgänge”, sagt Schieben. Und er hat eine Vision: Einen Pflegewohnpark, eine Kombi aus Pflegewohngemeinschaften und betreutem Wohnen plus einer guten Infrastruktur in kleinem Quartier möchte er auf den Weg bringen. „Wir haben einen dringenden Bedarf in Trier”, sagt er. Die Awo sieht er als Träger des Pflegewohnparks.

Zu Schiebens Idee passt der Slogan des Jubiläumsplakates, auf dem Gründerin Marie Juchacz am Rednerpult zu sehen ist und worauf steht: „100 Jahre AWO. Seit 1919. Mit uns. #Wirmachenweiter.” Bis heute wirkt die Botschaft der Sozialdemokratin, sich einzusetzen für Frauenrechte, Vielfalt, gegen Almosen und für Teilhabe, für ein menschenwürdiges Leben, Gerechtigkeit und Solidarität. Das kann auch bedeuten, dass Ehrenamtliche die traditionelle Heiligabendfeier organisieren.

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