Kommunalpolitik: 100 Jahre SPD im Trierer Stadtrat

Kommunalpolitik : 100 Jahre SPD im Trierer Stadtrat

1919 sind die Sozialdemokraten erstmals in das Gremium  gewählt worden. In einer Feierstunde haben ehemalige und aktuelle Politiker das Jubiläum gewürdigt.

100 Jahre sind ein Grund zum Feiern. Das findet auch die Stadtratsfraktion der Trierer SPD. Denn 1919 ist die Partei das erste Mal in den Trierer Stadtrat gewählt worden. Etwa 100 Personen sind zu diesem Anlass in den Sitzungssaal der Stadt Trier gekommen. Neben vielen Parteigenossen hat der aktuelle Fraktionsvorsitzende Sven Teuber auch Vertreter der Kammern und anderer Institutionen begrüßen können, darunter Vertreter der CDU und Bündnis 90/Die Grünen.

Wer der Fragerunde gefolgt ist, die Sebastian Lindemanns von OK 54 geleitet hat, hat erkennen können, dass die damaligen Schwerpunkte der sozialdemokratischen Themen vor 100 Jahre nicht weit weg waren von den heutigen. Das sind und waren nach wie vor bezahlbare Wohnungen, Arbeit, Wirtschaft, Finanzen und Soziales, sagt Markus Nöhl, parlamentarischer Geschäftsführer der SPD. „Sozialer Zusammenhalt, Arbeitsplätze und Teilhabe sind klare SPD-Themen. In Zeiten der Digitalisierung werden diese SPD-Themen aktueller denn je“, sagt Teuber.

Die SPD hat bei der ersten Wahl 1919, bei der auch Frauen sowie Angehörige aller Stände erstmals wählen durften, 13 von 48 Ratsmitgliedern gestellt. Heute ist die SPD mit zwölf von 56 Abgeordneten in einer ähnlichen Größenordnung vertreten. Doch hat sich die Struktur der Partei in dem Zeitraum geändert. „Vor 100 Jahren war die SPD eine reine Arbeiterpartei, mit Handwerkern, Kleinbürgern und Arbeitern. Heute sind es Studierte, Lehrer und Menschen aus dem Sozialbereich. Sie prägen die Partei anders“, sagt Nöhl. Zudem sei die Partei bunter vielfältiger und offener geworden. „Wie sich die Gesellschaft geändert hat, so hat sich auch die Partei geändert “, sagt er. Auch sei die Diskussionskultur früher viel rauer gewesen.

In dem Zeitraum hat die Fraktion zahlreiche Höhen und Tiefen erlebt. Da ist zum einen das Verbot der Partei und damit auch der Fraktion im Dritten Reich sowie die Spaltung der Trierer Partei und Fraktion Anfang der 1990er Jahre, auf die Teuber mehrfach eingegangen ist. „Da wurden Freunde zu Feinden“, erinnert er sich. Durch das Ausscheiden der beteiligten Personen sei dies erst vor wenigen Jahren aufgeholt worden. Heute spielen die Vorgänge keine Rolle mehr, sagt Teuber.

Höhepunkte sind die Wahl von SPD-Mitgliedern zu Beigeordneten und Bürgermeistern gewesen wie 1924, als Philipp Loosen zusammen mit Gottlieb Reese erst das Amt eines ehrenamtlichen Beigeordneten bekleidet hatte und 1924 dann zum hauptamtlichen Beigeordneten auserkoren wurde. Zwischen 1945 und 1949 war Loosen erst als Bürgermeister, dann als Beigeordneter aktiv.

In der Fragerunde haben die Teilnehmer den Dialog und den Zusammenhalt mit den Bürgern betont. Waltraud Jammers, ehemalige stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion, hat daran erinnert, als die Themen Viehmarkt und Domfreihof diskutiert wurden und sich Frauen an die Platanen gekettet haben, um diese zu retten. „Damals gab es keinen Dialog“, sagt sie. Friedel Jaeger, ehemaliger Vorsitzender der Fraktion, sagt, die Verwaltung habe sich früher oft sperrig verhalten. „Man musste mit Nachdruck nachbohren, um die Infos zu bekommen, damit man seine Arbeit vernünftig machen konnte“, sagt er. Monika Berger, sozialpolitische Sprecherin der SPD-Stadtratsfraktion, bedauert den engen finanziellen Spielraum, den die Stadt hat. „Man kann trotzdem viel bewegen, auch im engen Rahmen“, sagt sie. Als Beispiel nennt sie das Thema Inklusion. „Man muss ein Bewusstsein schaffen, damit sich dort etwas tut.“

Oberbürgermeister Wolfram Leibe empfiehlt allen politisch Tätigen, die Positionen zu tauschen. „Ein Perspektivwechsel tut uns gut“, sagt er.