13. Museumsnacht in Trier zieht Tausende Besucher an

Kostenpflichtiger Inhalt: Kultur in Trier : Modeball, Impro-Theater und viel Raum für Kinder

Improvisationsauftritte, ein Hochzeitskleid aus Fallschirmstoff und Buchstaben aus goldener Tinte: Darüber staunten Besucher bei der 13. Trierer Museumsnacht.

Warum hatten die Kleider von Kindergartenkindern früher eine Schlaufe am Rücken? Die Besucher schauen Kuratorin Alexandra Orth neugierig an. Niemand hatte so etwas vorher schon einmal gesehen. Das Kleid ist durch goldene Knöpfe und grüne Längsstreifen verziert und zum Glück zu klein, so dass kein Kind aus der Familienführung es anziehen kann. „Die Schlaufen sind nämlich dazu da, um das Kind an eine Leine zu nehmen, wie einen Hund“, erklärt Alexandra Orth bei der 13. Trierer Museumsnacht im Museum Simeonstift. Die Führung durch die Modeausstellung war besonders für junge Gäste spannend, denn hier erklärte Orth unter anderem, was Kinder früher getragen haben, wenn sie sich „schick“ machten. Damit auch die heutigen Besucher schick aussehen konnten, dürften sie im Modeatelier ihre eigenen Haarspangen oder Ketten basteln.

Auch außerhalb der Ausstellung „Um angemessene Kleidung wird gebeten“ liefen in dieser Nacht einige extravagant gekleidete Menschen zwischen den alten Statuen des Kreuzgangs herum. Die Stufen dorthin machten den Besuchern mit Wörtern wie: „zauberhaft, sexy und geschmackvoll“ Komplimente.

Besonders beeindruckend war das grün glitzernde und schillernde Kleid von Yasmin Reifer (22) aus Bitburg. Sie war mit ein paar Freunden an diesem Abend dort und wollte sich am liebsten die Angebote in allen fünf Museen ansehen. „Das Kleid habe ich extra für diese Museumsnacht selbst genäht. Das hat ungefähr eine Woche gedauert“, erzählte sie stolz. Diese Arbeit wurde natürlich auch belohnt. Besonders aufwendig gekleidete Gäste erhielten in dieser Nacht ein Buch über Trier als Geschenk. Drei Gäste hatten außerdem die Chance, einen Gutschein im Wert von 100 Euro in einem Trierer Modehaus zu gewinnen.

Gerade zu Kriegszeiten hatten die Menschen, wie Yasmin Reifer heute, viel Kleidung selbst genäht. Häufig ist diese aber weniger glamourös gewesen. Alexandra Orth zeigte den Besuchern einen Kindermantel, der aus der Uniform eines Soldaten geschneidert wurde, und ein Hochzeitskleid, was aus dem Stoff eines Fallschirms stammt.

Interessante Fakten erfuhren auch die Besucher des Museums Karl-Marx-Haus. Hier verriet Jenny von Westfalen (Paula Kolz) bei einer Führung durch das Wohnhaus der Familie Marx einiges über ihren Ehemann, Karl Marx. Das Leben von berühmten Persönlichkeiten war ebenfalls im Rheinischen Landesmuseum Thema. Dort lernten Interessierte in der neuen Sonderausstellung „Spot an! Szenen einer römischen Stadt“ die Geschichten antiker Personen kennen.

Dass Kunst nicht nur in der Mode ausgelebt werden kann, zeigten die Schatzkammer der Stadtbibliothek und das Museum am Dom. Hier konnten Gäste die Entstehung des mit goldener Tinte geschriebenen Ada-Evangeliars bestaunen oder verschiedene Bilder über die Begegnung mit sich selbst, anderen Menschen oder Gott ansehen.

Die zwölfjährige Léonie Pawela (links) und ihre gleichaltrige Freundin Eden Meslin im Rheinischen Landesmuseum, während im Hintergrund das Impro-Theater Spontat auftritt. Foto: Hans Krämer
Kuratorin Alexandra Orth (links) hat die Besucher bei der Museumsnacht durch die Modeausstellung im Museum Simeonstift geführt. Foto: Julia Schulz

Die vielseitigen Eindrücke ließen einige Gäste noch bei einem Glas Wein im Kreuzgang des Simeonstifts bei Musik von Horn & Strings und einem Blick über den beleuchteten Brunnenhof ausklingen.

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