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15 Jahre Medienwissenschaft an der Uni Trier: Wachstum und Erfolge

15 Jahre Medienwissenschaft an der Uni Trier: Wachstum und Erfolge

Die Medienwissenschaft an der Uni Trier wird 15 Jahren alt: 1997 richtete die Nikolaus-Koch-Stiftung die erste von inzwischen drei Professuren ein. Mittlerweile bewerben sich 1200 Interessenten um die 120 Studienplätze.

Trier. Der Tag der Medienwissenschaft ist in diesem Jahr mit einem besonderen Anlass verbunden: Seit 15 Jahren gibt es das Fach an der Universität Trier. Mit einem Festakt im Bischöflichen Priesterseminar feierte die Trierer Medienwissenschaft ihr Jubiläum. Absolventen des Studienfaches erhielten ihre Abschlusszeugnisse.
"Die Medienwissenschaft ist in der Pubertät angekommen": Mit dieser Feststellung eröffnete Medienprofessor Hans-Jürgen Bucher den Festakt. in der Promotionsaula des Trierer Priesterseminars. Pubertät, das bedeutet erwachsen werden, ist aber auch mit Schwierigkeiten verbunden. Das Fach Medienwissenschaft blickt auf 15 Jahre Wachstum zurück: 1997 richtete die Nikolaus-Koch-Stiftung eine Professur für Medienwissenschaft an der Universität Trier ein, eine zweite Professur folgte durch die Finanzierung des Landes Rheinland-Pfalz. Heute besteht das Fach aus drei Professuren.
Vor der Gründung der Medienwissenschaft konnten Studierende an der Universität Trier lediglich das Zusatzzertifikat "Medienkommunikation" erwerben. 1997 starteten 40 Studierende erstmals in den vollständigen Magister-Studiengang. Seitdem zieht die Medienwissenschaft eine konstant hohe Nachfrage unter Studienanfängern an: Im Wintersemester 2012/2013 bewarben sich 1200 Menschen auf 120 Studienplätze. Studierende können Medienwissenschaft in Trier im Bachelor-Studiengang "Medien, Kommunikation, Gesellschaft" und einem Master-Studiengang studieren.
Doch Wachstum ist auch mit Problemen verbunden: So bezeichnete Hans-Jürgen Bucher die Umstellung auf die Bachelor- und Master-Studiengänge weiterhin als "große Herausforderung" für die Lehre.
Zu den Gästen beim Festakt im Bischöflichen Priesterseminar zählten Universitäts-Präsident Michael Jäckel und Stefan Raue, der Chefredakteur des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR). In seinem Festvortrag stellte Stefan Raue dem Trierer Publikum die "trimediale" Arbeitspraxis des MDR vor, indem Beiträge für das Radio, Fernsehen und Internet in der Redaktion aus einer Hand produziert werden. In einer anschließenden Podiumsdiskussion mit ehemaligen Studierenden wurden die Anforderungen des Arbeitsmarktes an Medienwissenschaftler diskutiert. maw
Professor Hans-Jürgen Bucher ist von Anfang an dabei. Im TV-Interview spricht er über den Einsatz digitaler Medien in der Lehre und den Medienstandort Trier.

Ist die Region Trier ein spannendes Umfeld für einen Medienwissenschaftler?
Hans-Jürgen Bucher: Trier hat sicher nicht die Vorteile der Standorte Mainz, München, Frankfurt oder Berlin. Doch wir haben den Trierischen Volksfreund, das SWR-Landesstudio, die luxemburgischen Medien und eine rege hyperlokale Medienszene im Internet. Es gibt deshalb wirklich genug Betätigungsmöglichkeiten für Studierende, und durch gute Vernetzung gelingt es uns auch, Dozenten aus den medialen Metropolen nach Trier einzuladen. Das Angebot für die Studierenden war immer vergleichbar mit anderen Medienstandorten und im Vergleich zu Massenuniversitäten sogar besser.
Wo sehen Sie die Trierer Medienwissenschaft im bundesweiten Vergleich verortet?
Bucher: Nimmt man die Hochschul-Rankings, haben wir immer einen guten Mittelplatz eingenommen. Das finde ich erstaunlich für ein Fach, das lange Zeit nur zwei Professuren hatte.

In den Vorlesungen können die Studierenden auf einer Twitter-Leinwand per Smartphone und SMS Fragen und Anregungen anbringen. Eine Bereicherung für Ihre Lehre oder nicht auch ein Kontrollverlust für einen Professor?
Bucher: Es ist beides. Natürlich würde ich reagieren, wenn der Zweck der Vorlesung durch die Twitterwall unterlaufen wird. Bislang ist das aber nicht geschehen. Das digitale Medium hat auch die mündliche Diskussion stark befeuert. Viele Studenten trauen sich anonym mehr zu und lösen mit ihren Tweets sinnvolle Diskussionen aus. Sie merken, dass es keine dummen Fragen gibt. Es wird viel mehr diskutiert in der Vorlesung.

Was kommt nach der Twitterwall? Haben Sie Ideen für neue innovative Lehrmethoden?
Bucher: Momentan sind wir dabei, eine Art Web 2.0-Landschaft in Seminaren zu entwickeln. Wir wollen Tumblr, Facebook und Twitter systematisch nutzen, um die Teilnehmer über die wöchentliche Sitzung hinaus zu vernetzen. Auch die Twitterwall bleibt, klar. Ich würde sie erst abstellen, wenn die Mehrheit sagt: Das nervt uns. maw
Extra

Die Studiengänge: Bis zum Wintersemester 07/08 bot die Universität den Magisterstudiengang Medienwissenschaft an. Beginnend mit dem Wintersemester 08/09 wurden die Studiengänge auf das Bachelor/Master-System umgestellt. Seither werden im Fachbereich zwei Studiengänge angeboten: der Bachelorstudiengang "Medien-Kommunikation-Gesellschaft" sowie ein Masterstudiengang "Medienwissenschaft". Magisterabschluss: Lisa Keimburg, Christina Weyand, Bileam Bader, Johannes Pütz und Victoria Hendgen. Bachelorabschluss: Carole Caldarelli, Peter Sauer, Annika Wiesner, Thomas Hennicken, Erik Diefenbach, Sarah Schulze Beiering, Pierre Weimerskirch. Die Gesamtzahl der Abschlüsse in diesem Jahr liegt natürlich wesentlich höher. Die hier Genannten waren am vergangenen Samstag persönlich anwesend. maw