1700 Jahre an einem Tag

Zum 50. Geburtstag muss es etwas Besonderes sein: Seit Januar studieren Dritt- und Viertklässler der Ausonius-Grundschule ein Musical ein. Dessen Zuschauer werden anschließend wissen, was man mit einer Zeitmaschine erleben kann.

Trier. Vanessa Filipellis (9) Gesicht glitzert, eine blaue Schärpe schmückt das schneeweiße Gewand. "Ich spiele die Muse Polyhymnia", sagt die Drittklässlerin. Eine Muse sorge dafür, dass die Menschen gute Ideen hätten, erklärt sie.
Sicher war auch eine Muse bei den Planungen zum großen Geburtstagsfest der Ausonius-Grundschule im Spiel. Das Programm ist so bunt wie die Schule, die Probe zum Jubiläumsmusical macht Lust auf die Aufführung: Traditionell führen die Ausonius-Singers, der hauseigene Chor, jährlich ein Musical auf. Im Jubiläumsjahr hat die Schule den Text von der Theater-Regisseurin Judith Reidenbach höchstpersönlich schreiben lassen.
"Dabei hat sie die Musical-Höhepunkte der vergangenen zehn Jahre und die historische Person des Ausonius zusammengebracht", erklärt Lehrerin Anke Robling. Die Aufführung sei somit auch für Ehemalige sehr interessant.
Was erwartet die Zuschauer? Jonas Herrmann, Hannah Schmitt und Ronja Knopp (alle 10) schlüpfen in die Rollen von Kindern, die beim Stöbern im Keller auf die marode Zeitmaschine Timi stoßen. Sie bringen Timi wieder ins Laufen, und schwuppdiwupp werden sie in die Vergangenheit katapultiert.
Unbemerkt steigt Ausonius in die Zeitmaschine ein. Was sie mit dem römischen Dichter und Lehrer, der den Sohn des Kaisers in der Antike in Trier erzogen hatte, erleben, wird an dieser Stelle nicht verraten. Nur noch so viel: Eine Zeitreise kann ein pures Abenteuer und sehr lehrreich sein.
Die Zuschauer werden viel über den Mann erfahren, dessen Name die Trierer Schule trägt. Schulleiter Norbert Ruschel hat sich bei dem Trierer Ausonius-Forscher Paul Dräger vorab schlaugemacht und erfahren, dass der Römer in einem Brief an seinen Enkel "disce libens" geschrieben hatte. "Das heißt: lerne gern. Nach diesem Motto wollen wir in diesem und den nächsten Jahren an unserer Schule leben und lernen", sagt Ruschel. Das Musical, zu dem alle eingeladen sind, wird heute und am morgigen Freitag um 10 Uhr in der Aula der Berufsbildenden Schule (BBS) aufgeführt sowie am Samstag um 12.30 Uhr im Rahmen des Schulfests. Danach wird um 14.30 Uhr eine Ausonius-Tafel (gestaltet und gespendet von der Nachbarschule, der BBS Gewerbe und Technik) in Anwesenheit von Oberbürgermeister Klaus Jensen eingeweiht.
"Wir wollen damit in Trier die erste Stelle schaffen, an der an den berühmten Gelehrten und Namensgeber unserer Schule erinnert wird", sagt Ruschel. Der Eintritt zu dem Musical ist frei. Um eine Spende wird gebeten.
Extra

Die Schule: An der inklusiven Ausonius-Grundschule werden derzeit 140 Kinder in acht Klassen unterrichtet. 40 Kinder haben laut Schulleiter Norbert Ruschel einen Migrationshintergrund, und die Schule ist seit dem Schuljahr 2004/2005 eine Schwerpunktschule. Kinder mit und ohne Behinderungen lernen dort gemeinsam, und Grundschullehrerinnen, Förderschullehrkräfte und pädagogische Fachkräfte arbeiten im Team. kat